"Viele Reisen zu Terminen bei Kunden fallen weg. Auch die Möglichkeit, unterschiedliche Leute aus unterschiedlichen Abteilungen bei unseren Kunden und uns an einen virtuellen Tisch zusammenzubringen, ist eine sehr positive Erfahrung", benennt Geschäftsführer Olaf Polak auch positive Seiten an der Situation.

"Viele Reisen zu Terminen bei Kunden fallen weg. Auch die Möglichkeit, unterschiedliche Leute aus unterschiedlichen Abteilungen bei unseren Kunden und uns an einen virtuellen Tisch zusammenzubringen, ist eine sehr positive Erfahrung", benennt Geschäftsführer Olaf Polak auch positive Seiten an der Situation.

Bild: © Somentec

Die Corona-Krise kann der Somentec Software GmbH, IT- und Lösungsanbieter für die Versorgungswirtschaft, nach eigenen Angaben derzeit nichts anhaben. Das Unternehmen wachse personell und sei bis weit ins kommende Jahr mit Aufträgen ausgelastet. Umsatz und Gewinn entwickeln sich 2020 entsprechend stabil.

Geschäftsführer Olaf Polak, verantwortlich für Projektmanagement, Vertrieb und Marketing sowie Finanzen und Verwaltung, schildert, wie sein Unternehmen mit der Ausnahmesituation umgeht. Demnach hat es bei Somentec noch keinen Corona-Virus-Fall gegeben. "Im Bekannten- und Freundeskreis der über 80 Mitarbeiter sei zwar der eine oder andere Verdachtsfall aufgetaucht, aber es letztlich habe es kein positives Testergebnis gegeben." Diese Leute und auch Urlaubsrückkehrer habe man gebeten, vorsichtshalber zu Hause zu bleiben und im Zweifelsfall 14 Tage in Quarantäne zu bleiben.

Frühe Maßnahmen gegen das Virus

Ende Februar bildete man einen Corona-Krisenstab, Anfang März waren Desinfektionsmittel und das Einhalten von Verhaltensregeln bereits Pflicht, berichtet Polak. Ob man nur im Homeoffice arbeiten wolle, habe man den Mitarbeitern freigstellt – in den meisten Bereichen sei dies grundsätzlich gut möglich gewesen.
 
Sehr viel verändert habe sich ohnehin nicht in der Arbeitsweise: Remote-Arbeiten auf den Systemen der Kunden seien seit Jahren praxiserprobt, auch Projektarbeit werde schon seit Langem in großen Teilen online erbracht. Deutlich gezeigt hätten sich die Auswirkungen der Krise aber bei den Lizenzen für Kollaborationssoftware geworden, die sich verdoppelt habe, damit ohne Engpässe parallel online gearbeitet werden konnte.

Vorteile des Ausnahmezustands

"Was sich als besonders vorteilhaft erwiesen hat: Viele Reisen zu Terminen bei Kunden fallen weg. Auch die Möglichkeit, unterschiedliche Leute aus unterschiedlichen Abteilungen bei unseren Kunden und uns an einen virtuellen Tisch zusammenzubringen, ist eine sehr positive Erfahrung", resümiert Polak. Bislang hätten bei Meetings oft viele Teilnehmer für eine oder zwei Stunden zusammengesessen, selbst wenn einige nur zehn Minuten aktiv involviert waren. Online sei das nun wesentlich effektiver geworden, indem man sich gezielt dazu- und abschaltet. "Ich glaube, dass diese Form der Zusammenarbeit an Bedeutung gewinnen wird, weil die Arbeitszeit viel produktiver genutzt werden kann. Wir werden versuchen, dies nach der Corona-Krise beizubehalten."
 
Auch im Vertrieb will Somentec nach der Krise neue Prozesse etablieren, also verstärkt per Webinar und Webmeeting arbeiten. Daneben suche man aber selbstverständlich – wenn möglich und gewünscht – weiterhin das persönliche Treffen.

Auswirkungen der Krise auf Unternehmensbilanz

Auch habe man schon analysiert, welchen Einfluss die aktuelle Situation auf die eigenen Zahlen habe: "Das Ergebnis ist, dass sogar die eine oder andere Stunde mehr geleistet wurde und abgerechnet werden konnte als zuvor. Einfach deshalb, weil weniger Zeit auf der Straße verbracht wurde und wird. Zwar kommt es auch vor, dass Projektarbeit geschoben wird. Andererseits erhalten wir aber auch neue Aufträge, weil wir kurzfristig Kunden operativ im Tagesgeschäft unterstützen sollen, wenn Corona-bedingt Mitarbeiter ausfallen", so Polak. Aktuell rechnet man bei Somentec damit, dass einige Investitionsentscheidungen in den Zielmärkten nicht mit dem größten Nachdruck verfolgt würden oder auf eine Zeit nach Corona verschoben würden.

Kein Einstellungsstop
 
Auch in der Krise stelle man weiteres Personal ein, insbesondere im Bereich Projektmanagement. Dort soll das Team noch in diesem Jahr um 20 Prozent vergrößert werden. Ebenso suche man Mitarbeiter in den Bereichen Softwareentwicklung und Test. Etwa die Hälfte der Verträge sei schon unterschrieben, "mit weiteren Zugängen stehen wir kurz vor Vertragsabschluss. Wir wachsen trotz Corona weiter. Ende 2020 dürfte unsere Belegschaft die 90er-Marke geknackt haben", so Polak.
 
Die Resonanz auf die eigenen Bewerbungsgesuche sei Polak zufolge deutlich stärker als noch vor einem halben Jahr. Sollten in den nächsten Wochen und Monaten in den besonders in Mitleidenschaft geratenen Branchen Insolvenzen anstehen, würden sicherlich auch IT-Leute auf den Markt kommen. Dass man von der Krise profiteren würde, will Polak so aber nicht gewertet sehen. Man habe das Glück, für eine systemrelevante Branche arbeiten zu dürfen.



Im Idealfall gestärkt aus der Krise hervorgehen

"Wir stehen am Anfang der Pandemie. Der Weg in die Zukunft birgt Unwägbarkeiten und Risiken. Wir tun alles und hoffen, dass Corona um unsere Belegschaft und ihr nahestehende Personen weiterhin einen Bogen macht. Wachsamkeit, Flexibilität, Entschlusskraft und auch eine Portion Demut sind in meinen Augen gute Zutaten, damit wir diese turbulente Phase tatsächlich gut überstehen und im Idealfall gestärkt aus ihr hervorgehen", bilanziert der Somentec-Geschäftsführer. (sg)

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