Die Börse Epex Spot hat den britischen Markt als letzte von acht Preiszonen in Westeuropa auf das einheitliche Handelssystem M7 für den fortlaufenden Intradayhandel migriert. Das geht aus einer Pressemitteilung der EEX-Tochter vom Montag hervor.
Während die EU und Großbritannien dieser Tage das große Brexit-Paket geschnürt haben, zu dem das Unterhaus in zwei Wochen das letzte Wort hat, findet im westeuropäischen Intradayhandel eine transnationale Einigung anderer Art statt: Jetzt lässt sich im fortlaufenden Intradayhandel auch für die britische Preiszone vom System M7 aus handeln. Diese Art "Brentry" ist der Schlussstein eines Migrationsprojekts, das die Epex Spot seit ihrer Fusion mit der belgischen APX 2015 beschäftigt hatte. Statt dreier verschiedener Handelssysteme für den Day-ahead-Handel, zweier für den Intradayhandel und zweier Clearinghäuser zur Garantie und Abwicklung von Deals ist nun ein Hauptziel erreicht, das die Fixkosten der Handelsteilnehmer senkt:
- eine einzige Spotbörsen-Mitgliedschaft für acht Lieferländer, darunter Deutschland
- ein einheitliches Regelwerk
- ein einziges Clearinghaus mit entsprechenden kostendämpfenden Saldierungseffekten: die ECC
- harmonisierte Handelssysteme und Handelsbildschirme: M7 für Intraday sowie "ETS Epex Trading System" für Day ahead, zu welch letzterem die britische Gebotszone bereits im April stieß
- Zugang des "sehr liquiden" britischen Marktes zu modernen API(Application-Programming-Interface)-Schnittstellentechnologien.
Sinn des Intradayhandels
Im fortlaufenden Strom-Intradayhandel lassen sich Stunden-, Halbstunden- oder in Deutschland auch Viertelstundenlieferungen noch am Liefertag selbst handeln, bis kurz vor Beginn der Lieferperiode. Die meisten Handelsteilnehmer gleichen darin ihre deutschen Bilanzkreise (= Energiemengenkonten) viertelstundengenau auf Basis genauerer Wetterdaten aus, vor allem dann, wenn sie bis dahin Beschaffung und Absatz nur stundenscharf ausgeglichen haben, etwa in der Day-ahead-Auktion.
Im Intraday-Segment bietet die Epex Spot am jeweiligen Vortag ebenfalls ein Versteigerungsformat. Hier gilt wie im Day ahead der Markträumungspreis, das heißt, alle Anbieter bekommen den höchsten Gebotspreis, mit dem gerade noch die Gesamtnachfrage gedeckt wird, selbst wenn sie weniger verlangt haben. Diese Auktion ist vom fortlaufenden Intraday-Handel ("intraday continuous") getrennt. Dort gibt es nicht einen einzigen Handelstermin, sondern ein Zeitfenster von 36 Stunden vor der jeweiligen Lieferung, in dem sich Gebote oder Gesuche ins System – M7 eben – stellen lassen. Deals kommen zu dem jeweils ausgelobten Preis zustande. Dieses Preisfindungsverfahren nennt sich pay-as-bid. (geo)

