Volker Kruschinski bleibt Vorstandsvorsitzender von Schleupen.

Volker Kruschinski bleibt Vorstandsvorsitzender von Schleupen.

Bild: © Schleupen AG

Herr Kruschinski, Schleupen hat sehr früh auf eine offene Plattform gesetzt. Was war für Sie ausschlaggebend, sich für diese Richtung zu entscheiden? Und wie lange hat es entwicklungstechnisch gedauert, bis Sie Ihre eigene Plattform anbieten konnten?
Volker Kruschinski: Wir haben früh erkannt, dass sich die Welt der Energiewirtschaft verändert. Uns war klar, die Energiewende und der Wettbewerb würden einschneidende Konsequenzen für den Markt sowie die Geschäftsprozesse haben und damit auch für die IT. Die wachsende Komplexität würde die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit auf ein ganz neues Level heben. Die kann man aber nur mit der neuesten Softwaretechnologie erfüllen. Außerdem war uns schon früh klar, dass wir in so einer komplexen Welt nicht mehr für alles eine Lösung entwickeln können, schon aus Kapazitätsgründen. Deshalb wollten wir die Plattform so aufbauen, dass sich die Lösungen Dritter einfacher integrieren lassen. Das haben wir durch die Architektur mit mehr als 3800 Web-Services erreicht. Wir haben also eine komplette Neuentwicklung gestartet. Begonnen haben wir schon vor einigen Jahren und  inzwischen alle unsere Kunden auf die Plattform überführt. Mit unser Billing-Lösung steht demnächst eine Kernanwendung bereit, die nativ auf der Plattform entwickelt wurde.
 

Schleupen kooperiert mit mehreren Partnern, dazu zählen zum Beispiel beim CRM Cursor, endios bei der App SchleupenOne oder DIPKO für kommunale Services. Kann Schleupen selbst diese Bereiche nicht abdecken?
Der Markt ist anspruchsvoll. Heutige Versorgungsunternehmen erwarten nicht, dass ein Anbieter ein Thema mit eigener Software abdeckt, sondern dass er eine exzellente Lösung bietet. Aber selbst ein großer Softwareentwickler wie Schleupen kann nicht die nötigen Ressourcen aufbieten, um das in jedem Bereich zu realisieren. Deshalb lautet unser Anspruch „Best in Class“. Nach unserer Ansicht sind wir absolut führend bei Billing und Marktkommunikation. In anderen Bereichen arbeiten wir mit Partnern zusammen, die in ihrem Bereich ganz vorne sind, und sorgen für die perfekte Integration der Lösung. Für den Nutzer hat das den Vorteil, dass er keine Kompromisse machen muss. Sein System ist in jedem Bereich absolut State of the Art. Jeder Nutzer kann sich entscheiden, wie groß die Lösung ist, die er braucht. Deshalb bieten wir in manchen Bereichen kleinere Lösungen an, die wir selbst entwickeln, während Partner eine Premiumversion anbieten, die mehr kann, aber auch mehr kostet.

Bei der E-World ist unter den genannten Partnern ein neuer aufgefallen nämlich Thüga SmartService. Was hat es mit dieser Partnerschaft auf sich und bei welchen Themen kooperieren Sie?
Partner brauchen wir nicht nur bei der Anwendungsentwicklung, sondern auch, wenn es um Beratung und Implementierung geht. Auch hier können wir allein die Kapazitäten kaum vorhalten, insbesondere in einer Zeit, in der unsere Plattform auf ein hohes Interesse stößt. Viele Versorgungsunternehmen, insbesondere jene, die vorher mit SAP gearbeitet haben, sind gewohnt, hier mit einem Partner ihrer Wahl zusammenzuarbeiten. Die Partnerschaft mit Thüga SmartService gehört in diesen Bereich. Im Übrigen haben wir bereits rund 60 gemeinsame Kunden und arbeiten ab jetzt eng abgestimmt zusammen.

Mit dem Umstieg auf SAP S4/HANA fremdelt die Branche zum Teil noch. Bemerken Sie hier vermehrtes Interesse für Ihre eigene Plattform, bzw. Umstiege auf Schleupen.CS?
Das merken wir deutlich. In diesem Jahr haben wir nicht nur viele Einladungen zu Ausschreibungen, sondern auch schon zwei neue Kunden gewonnen. Während viele Unternehmen im Core-Bereich weiterhin bei SAP bleiben und auf S4/HANA umstellen, suchen sie bei Billing und Marktkommunikation leistungsfähige Alternativen.

Sie arbeiten inzwischen auch mit SAP-Anwendern zusammen, wie es zuletzt bei den Stadtwerken Greven bekannt wurde. Hier übernehmen Sie bei Billing und Marktkommunikation, gleichzeitig wechseln die Stadtwerke auf S4/HANA. Werden wir künftig häufiger von solchen Lösungen hören?
Davon bin ich überzeugt. Wie schon erwähnt, suchen die Unternehmen in jedem Bereich die für ihre individuellen Anforderungen beste Lösung. Das ist im Core-Bereich aus unterschiedlichsten Gründen oft S4/HANA. Die Offenheit unserer Plattform Schleupen.CS führt aber dazu, dass sie bei Billing und Marktkommunikation eine echte Alternative ist, die sich hervorragend integrieren lässt. Sie punktet nicht nur durch ihre Leistungsfähigkeit und Flexibilität, sondern hilft durch den hohen Automatisierungsgrad auch, die IT- und Prozesskosten zu senken. Dazu bietet sie attraktive Betriebsmodelle, die moderne Hyperscaler miteinbeziehen. Das führt dazu, dass Schleupen.CS auch nach Meinung der Kunden die Anforderungen in Billing und Marktkommunikation am besten erfüllt.

Apropos Marktkommunikation, die MaKo2022 steht vor der Tür: Wie sieht es hier bei Ihren Kunden aus? Wie sieht es hier mit der Umsetzung aus?
Über den Sinn oder Unsinn der MaKo2022 kann man ja streiten, aber wir werden fristgerecht dafür sorgen, dass unsere Kunden regelkonform arbeiten können. Mit der Auslieferung der ersten Funktionalitäten haben wir bereits begonnen. Die meisten Marktteilnehmer haben aber zurzeit andere Sorgen, deshalb sind wir froh, mal wieder eine sehr zeitsparende Umsetzung anbieten zu können. Insgesamt sollte sich die Branche aber überlegen, ob solche großen Änderungen nicht in der nächsten Zeit ausgesetzt werden, damit sich Versorger auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Wirkt sich die Energiekrise auch auf den Bereich Digitalisierung aus? Bemerken Sie zum Beispiel, dass bestimmte Projekte von Ihren Kunden deswegen nicht mehr angestoßen werden? Falls ja, wie bewerten Sie diesen „Trend“?
Das kommt sehr darauf an. Wir sehen zum einen, dass unsere Kunden durch die Krise sehr beschäftigt sind. Auf der anderen Seite nimmt aber die Attraktivität digitaler Lösungen beispielsweise für den Kundenservice durch die Krise auch zu. Das Anfrageaufkommen in den Servicecentern nimmt zu und das muss bewältigt werden. Hier merken wir zum Beispiel, dass unsere SchleupenOne-App für das Smartphone für viele unserer Kunden an Interesse gewinnt. Customer-Self- Service ist zurzeit eine der digitalen Lösungen, die Kunden in der Krise helfen kann – auch wenn es darum geht, die Servicekosten zu senken. Dieser Trend wird dafür sorgen, dass der Service insgesamt digitaler wird und bleibt. Die großen Umstellungsprojekte in der Branche, in denen Unternehmen neue Plattformen suchen, werden von der Krise wenig beeinflusst. So eine Umstellung der Softwareplattform ist zwar ein Riesenprojekt, aber letztendlich versprechen sich die Versorger davon ja mehr Automatisierung und damit eine Senkung ihrer Kosten.

Die Fragen stellte Stephanie Gust

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