Die europäischen Gasspeicher sind aktuell zu 36 Prozent gefüllt, das entspricht einer eingespeicherten Arbeitsgasmenge von 405 Terawattstunden (TWh). Im Februar 2025 waren in den Gasspeichern 545 TWh eingespeichert – es ergibt sich also ein Defizit von 140 TWh.

Seit Beginn des Jahres wurden rund 300 TWh Arbeitsgas ausgespeichert. 2025 und im gleichen Zeitraum waren es rund 280 TWh. Damit hat sich das Defizit seit Beginn des Jahres um weitere 20 TWh vergrößert.

20 TWh entsprechen ungefähr dem europäischen Gasverbrauch eines kalten Wintertags. Im Januar lag der durchschnittliche Tagesbedarf in Europa bei 19,6 TWh.

Höherer Gasverbrauch und Ukraine-Importe

Gründe für die höheren Ausspeicherungen sind zum Teil die seit Jahresbeginn kälteren Temperaturen gegenüber dem Vorjahr. Bisher im laufenden Jahr beläuft sich der europäische Gasverbrauch auf rund 800 TWh, das sind rund 50 TWh mehr als im Vorjahreszeitraum.

Zudem importiert die Ukraine in diesem Winter zum ersten Mal signifikante Gasmengen über die europäischen Nachbarländer Polen, Slowakei und Ungarn. Die Importe belaufen sich bisher auf rund 10 TWh Erdgas.

Einstellige Füllstände in Deutschland möglich

Verlaufen die Ausspeicherungen bis Ende März entlang der 5-Jahres-Norm so könnten die Füllstände der Gasspeicher der EU-Länder auf rund 20-25 Prozent sinken. Wird es jedoch richtig kalt und es wiederholt sich ein "Beast from the East"-Szenario, dann könnte der aggregierte Füllstand auch auf bis zu 10 bis 15 Prozent sinken.

In Deutschland sind schon jetzt die Gasspeicher nur noch zu 25 Prozent gefüllt. Die eingespeicherte Arbeitsgasmenge beläuft sich aktuell auf nur rund 63 TWh, circa 50 TWh weniger als im Vorjahr zum gleichen Zeitpunkt im Jahr.

Bei einer Verbrauchsentwicklung bis Ende März entlang der 5-Jahres-Norm könnten die Gasspeicher in Deutschland auf rund 15 Prozent sinken. Wird es im März jedoch richtig kalt, so könnten sich einige Speicher vollständig entleeren und der aggregierte Füllstand könnte auf unter fünf Prozent fallen.

Wiederbefüllung erfordert rekordhohe LNG-Importmengen

Geht man bei konservativer Annahme von einem Füllstand von 25 Prozent zum Ende der Wintersaison aus, so wären zum 1. April 2026 noch rund 280 TWh in den EU-Gasspeichern eingespeichert. Das wären dann rund 100 TWh weniger als im Vorjahr am 1. April 2025.

Im Vorjahr 2025 wurden im Laufe der Sommersaison (April bis September) rund 550 TWh Erdgas in die Gasspeicher der EU-Länder eingespeichert. Neben stabilen Pipeline-Importen erforderte dies den Import von insgesamt rund 730 LNG; monatlich also durchschnittlich rund 120 Lieferungen. Dies entspricht einer Regasifizierung von rund 730 TWh Erdgas.

Um zum 1. Oktober 2026 ein Füllstandsniveau zumindest wie im Vorjahr zu erreichen, müssten dann circa 100 LNG-Tankerlieferungen zusätzlich in der Sommersaison importiert werden. Damit müssten in Europa von April bis September durchschnittlich mindestens 140 LNG-Tankerlieferungen pro Monat importiert werden.

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