Der Fachverband Biogas rechnet für dieses Jahr mit einem Rückbau im Anlagenbestand und damit auch einer Reduzierung der Strommenge, die aus Biogas erzeugt wurde. Horst Seide, der Präsident des Fachverbandes Biogas, wies im Rahmen einer digitalen Pressekonferenz darauf hin, dass aufgrund unzureichender politischer Rahmenbedingungen mit einem faktischen Rückbau der Biogasanlagen-Kapazität zu rechnen sei.
Nach Angaben des Fachverbandes haben die gut 9500 deutschen Biogasanlagen im vergangenen Jahr 33,33 Terawattstunden (TWh) klimafreundlichen Strom produziert. Das habe den Bedarf von über 9,5 Millionen Haushalten gedeckt. Zusätzlich seien knapp 13 TWh Wärme bereitgestellt worden, was einem Viertel der deutschen Stromerzeugung aus regenerativen Quellen entspricht.
Weniger Anlagen, weniger Strom
Die Prognose für das laufende Jahr fällt wenig optimistisch aus: Bei etwa gleichbleibender Zahl an Neuanlagen wird es 2020 nach Seides Angaben voraussichtlich 250 Stilllegungen geben, was einem Netto-Rückbau von über 160 Anlagen entspricht. Die arbeitsrelevante Leistung sinkt demnach dadurch von 3810 auf 3794 MW und damit auch die Stromproduktion. Darüber hinaus deutet sich ein sinkender Zubau flexibler Leistung an.
BEE-Chefin Simone Peter warnte angesichts dieser düsteren Prognosen, dass Deutschland beim Thema Biogas an einem "Kipppunkt" stehe. Viele Anlagen würden bald aus dem EEG fallen – darunter solche, die nach wie vor funktionstüchtig seien und in denen großes technisches Know-how stecke. Deren Betreiber wie auch die Betreiber neuer Anlagen bräuchten einen "fairen Marktzugang". „Hier muss die Bundesregierung Perspektiven schaffen, um Klimaziele und die Ausbauziele für Erneuerbaren Energien zu erreichen“, so Peter weiter.
Seide: Frankreich macht es besser
Nach Einschätzung von Horst Seide würden ständig steigende technische Anforderungen den Betreibern von Biogasanlagen das Leben schwer machen. Hinzu kämen fehlende wirtschaftliche Perspektiven für die Zukunft. Ausgerechnet Deutschland als Exportland laufe durch falsche politische Weichenstellungen Gefahr, dass die Branche ins Ausland abwandere. Frankreich etwa gehe beim Biogas viel klüger und ambitionierter vor – mit fatalen Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. "Wenn jetzt keine politischen Entscheidungen getroffen werden, wird sich der Arbeitsplatzverlust und die Abwanderung von Know-how aus der Branche fortsetzen und dann auch nicht mehr zurückdrehen lassen", warnte Seide.
Die Politik müsse nun schnell handeln – etwa durch eine schnelle Stabilisierung und Weiterentwicklung des Anlagenbestands. Konkret macht sich der Fachverband Biogas dafür stark, die Ausschreibungsvolumina anzupassen und die Ausschreibungsverfahren zu verbessern. Die Sondervergütungsklasse für Güllevergärungsanlagen müsse weiterentwickelt werden. "Außerdem muss der Flex-Deckel im EEG abgeschafft werden", so Seide und Peter unisono. (amo)



