Energieversorgung: Deutschland und viele andere Länder haben dafür keine umfassende Sicherheitsstrategie.

Energieversorgung: Deutschland und viele andere Länder haben dafür keine umfassende Sicherheitsstrategie.

Bild: © Adobe Stock/Varos

Der BDEW pocht auf mehr staatliches Engagement für eine widerstandsfähige Energieversorgung. Angesichts veränderter Bedrohungslagen für die deutsche und europäische Energieversorgung hat der Verband eine Studie zur Stärkung der Energieresilienz veröffentlicht. Sie vergleicht internationale Ansätze und leitet daraus Handlungsempfehlungen für Deutschland ab.

Dabei versteht der BDEW Resilienz nicht nur als Schutz vor Ausfällen. Gemeint ist die Fähigkeit eines Energiesystems, auch bei schweren und unerwarteten Störungen funktionsfähig zu bleiben, sich schnell zu erholen und aus Krisen zu lernen.

Als Beispiele für neue Herausforderungen nennt der Verband unter anderem die Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs, hybride Angriffe auf kritische Infrastrukturen und bestehende Importabhängigkeiten.

Forderungen an die Bundesregierung

Aus der Studie der Hamburger Beratung HIC Consulting leitet der BDEW drei zentrale Maßnahmen ab: Erstens fordert der Verband eine ressortübergreifende politische Federführung für Energieresilienz mit einem klaren Steuerungsmandat – etwa angesiedelt im Bundeswirtschaftsministerium oder im Bundeskanzleramt.

Zweitens soll der bereits begonnene Resilienzdialog zwischen Staat und Energiewirtschaft dauerhaft fortgeführt werden. Drittens fordert der BDEW eine hochrangig verankerte nationale Resilienzstrategie, die Versorgungssicherheit in einen erweiterten strategischen Rahmen einordnet. Eine solche Strategie existiert bislang nicht als fertiges staatliches Konzept.

Ansätze da, Strategie fehlt

Laut Studie verfügt Deutschland im internationalen Vergleich bereits über viele Elemente eines resilienten Energiesystems. Eine umfassende, ressortübergreifende Resilienzstrategie für den Energiesektor gibt es nach der Analyse jedoch bislang ebenso wenig wie in den anderen untersuchten Ländern.

Zwar würden viele Staaten schon einzelne Maßnahmen zur Stärkung ihrer Energieversorgung verfolgen, etwa beim Schutz kritischer Infrastrukturen, bei Diversifizierung oder Krisenvorsorge – eine ganzheitliche strategische Klammer fehle jedoch.

Für Deutschland gehe es daher weniger um den Aufbau völlig neuer Strukturen, sondern darum, bestehende Ansätze zusammenzuführen. Die 91-seitige Studie "Resilienz als Systemanforderung der Energieversorgung im internationalen Vergleich" ist online als PDF verfügbar.

EU setzt jetzt auf Biomethan

Auch die Europäische Union arbeitet daran, die Abhängigkeit von fossilen Importen zu verringern. Die EU-Kommission hat am 18. Juni 2026 den "Biomethane Mechanism" gestartet. Die Plattform sei ein Angebot an Käufer, Produzenten und Investoren von Biomethan und soll den Ausbau des europäischen Biomethanmarktes unterstützen, teilte die Kommission mit.

Der Mechanismus soll etwa Transparenz über Angebot und Nachfrage schaffen, Partner für Projekte zusammenbringen sowie Informationen zu nationalen Regelungen und Finanzierungsmöglichkeiten bereitstellen. Die Registrierung ist online auf der Kommissionswebsite möglich, die erste "Matching-Runde" für September vorgesehen.

Die EU sieht in Biomethan einen Energieträger, der dazu beitragen kann, die Versorgung sicherer, grüner und unabhängiger zu machen. Sie weist allerdings darauf hin, dass die Produktion noch begrenzt und in wenigen Ländern konzentriert sei.

Deutsche Stadtwerke zurückhaltend

Deutschland hat die Rolle von Biomethan als möglichem Baustein für eine klimafreundlichere und resilientere Energieversorgung zuletzt gestärkt. Für Stadtwerke könnte der Energieträger grundsätzlich interessant sein, weil er bestehende Gasinfrastrukturen nutzen und regionale Wertschöpfung ermöglichen kann.

In der Praxis bleibt der Einsatz bislang jedoch begrenzt: Viele kommunale Versorger betrachten Biomethan zwar als Option, aber – beispielsweise aufgrund der Kosten – nicht als flächendeckende Lösung.

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