Freiflächenanlagen boomen im laufenden Jahr. Deutliche Rückgänge gab es dagegen bei Solaranlagen auf Gewerbegebäuden.

Freiflächenanlagen boomen im laufenden Jahr. Deutliche Rückgänge gab es dagegen bei Solaranlagen auf Gewerbegebäuden.

Bild: © Thüga

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) hat auf der Intersolar Europe in München eine klare Botschaft an die Bundesregierung gerichtet: Die geplante Streichung der Einspeisevergütung für kleine Dachanlagen bedroht den Ausbau der Solarenergie.

"Wer die Energiewende zum Erfolg führen will, darf jetzt nicht auf die Bremse treten. Für den Ausbau von Photovoltaik und Speichern brauchen wir freie Fahrt statt Hürdenlauf", sagte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar, auf der Pressekonferenz des Verbandes. Der Anlass: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant, die Einspeisevergütung für Kleinanlagen im Heimsegment ab 2027 zu streichen.

Die Amortisationszeit würde deutlich steigen

Nach Berechnungen des Fraunhofer ISE würde das die Amortisationszeit solcher Anlagen auf nahezu 20 Jahre verlängern – ein Zeitraum, für den kaum ein Eigenheimbesitzer investieren wolle, so Körnig. Derzeit erhalten Betreiber kleiner Dachanlagen rund sieben Cent je eingespeister Kilowattstunde, wovon nach BSW-Einschätzung lediglich etwa zwei Cent echte Förderung aus dem Bundeshaushalt darstellten.

Die Pläne der Ministerin stoßen auf Widerstand. Der Koalitionspartner SPD lehnt sie ab, und die Energieministerkonferenz der Länder hat sich zuletzt auf Norderney einstimmig dagegen ausgesprochen. Körnig rechnet damit, dass der Bundestag im Herbst einen Kompromiss findet.

Körnig warnte jedoch vor einem weiteren Risiko: Die beihilferechtliche Genehmigung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in seiner aktuellen Fassung läuft zum Jahresende aus. Um sie zu verlängern, müsse ein Abschöpfungsmechanismus für Übergewinne bei großen Solar- und Windanlagen in das Gesetz integriert werden. Für diesen Mechanismus gebe es relativ unstrittige Vorschläge. Körnig appellierte, diesen Schritt vorzuziehen – unabhängig vom Ausgang des Streits um die Kleinanlagenförderung.

Über die Einspeisevergütung hinaus hat der BSW-Solar eine Reihe weiterer politischer Forderungen formuliert. So dürfe der "Speicher-Turbo" nicht regulatorisch ausgebremst werden. Konkret verlangt der Verband, Netzanschlussverfahren für Batteriespeicher zu beschleunigen und zu standardisieren, den Multi-Use-Betrieb regulatorisch zuzulassen – also die gleichzeitige Nutzung von Speichern für den Eigenverbrauch und den Strommarkt –, sowie Speicher konsequent bei Redispatch-Maßnahmen einzusetzen, statt Solaranlagen abzuregeln.

Freifläche top, Gewerbedächer im Tief

Ungeachtet dieser politischen Diskussionen präsentiert die Solarbranche starke Zahlen. Die rund sechs Millionen in Deutschland installierten Solaranlagen erzeugten 2025 rund 19 Prozent der gesamten Nettostromerzeugung – und überholten damit erstmals Erdgas (rund 17 Prozent) und Braunkohle (rund 14 Prozent). Nur die Windkraft liegt mit rund 27 Prozent noch vor der Solarenergie.

Ende des ersten Halbjahres 2026 sind in Deutschland über 125 Gigawatt peak (GWp) Photovoltaikleistung in Betrieb. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden rund 6,2 GWp neu installiert – rund fünf Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Allerdings verläuft die Entwicklung in den Marktsegmenten sehr unterschiedlich. Wachstumstreiber sind derzeit vor allem Solarparks (Freifläche): Ihr Zubau stieg von Januar bis Mai um 36 Prozent auf rund 3,4 GWp. Im Heimsegment hingegen sank der Zubau um rund 12 Prozent, im Gewerbedachbereich sogar um rund 30 Prozent.

Die Branche spürt jedoch Rückenwind aus zwei Richtungen. Zum einen hat der Irankonflikt die Energiepreise erneut ansteigen lassen. Eine BSW-Umfrage unter Mitgliedsunternehmen zeigt, dass die Mehrzahl im Heimsegment dadurch einen spürbaren Anstieg der Nachfrage verzeichnet. Zum anderen sorgen die Pläne der Wirtschaftsministerin für Vorzieheffekte: Viele Eigenheimbesitzer wollen ihre Anlage noch in diesem Jahr in Betrieb nehmen, um die aktuelle Förderung zu sichern.

Deutschland rückt auf Rang vier vor

Auch international blickt die Branche auf Wachstum zurück. Die globale Photovoltaikleistung hat die Marke von drei Terawatt überschritten – genug, um rechnerisch den gesamten Strombedarf der Europäischen Union zu decken. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Investitionskosten je installiertem Gigawatt weltweit um rund 75 Prozent reduziert: von rund drei Milliarden Dollar im Jahr 2015 auf rund 700 Millionen Dollar heute.

Dennoch gibt es erstmals seit Jahren eine Seitwärtsbewegung. Für 2026 rechnen Marktbeobachter mit einem globalen Zubau von rund 540 bis 650 GWp – leicht unter dem Vorjahreswert von rund 655 GWp. Einen wesentlichen Anteil daran hat China, das weiterhin mit 382 GWp Neuzubau im Jahr 2025 unangefochtener Weltmarktführer ist, aber durch veränderte Förderbedingungen etwas zurückgeht. Frankreich verzeichnete 2025 sogar einen Rückgang von 36 Prozent, ausgelöst durch den Wechsel von der Einspeisevergütung auf Ausschreibungen und den starken Fokus des Landes auf Atomkraft. Spanien erlebt eine Marktsättigung, Brasilien kämpft mit stark gestiegenen Netzanschlusskosten.

Deutschland ist in diesem Umfeld von Rang fünf auf Rang vier beim weltweiten Neuzubau aufgerückt, mit 17,6 GWp im Jahr 2025. Hinter China, Indien (45,7 GWp) und den USA (43,2 GWp) belegt Deutschland nun den vierten Platz – auch bei der kumulierten installierten Leistung.

Boom bei Großspeichern

Der Markt für Batteriespeicher entwickelt sich in Deutschland dynamisch – steht aber vor regulatorischen Hürden. In den ersten fünf Monaten 2026 wurden rund 225.000 neue Speicher mit einer Gesamtkapazität von 3,4 Gigawattstunden (GWh) in Betrieb genommen – rund 70 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders stark wachsen Großspeicher der Megawattklasse: Ihr Zubau stieg im ersten Quartal 2026 um rund 290 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Insgesamt sind in Deutschland Ende des ersten Halbjahres 2026 rund 30 GWh Batteriespeicherkapazität installiert, davon etwa 6 GWh in Großspeichern.

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