Stadtwerke und Versorger suchen Wege, ihre Wärme- und Gasversorgung zu dekarbonisieren. Biomethan und Wasserstoff haben Potenzial, sind aber bislang kaum verbreitet: 2025 wurden in Deutschland laut Bundesnetzagentur rund 12,3 Terawattstunden (TWh) Biomethan produziert – das entsprach etwa 1,4 Prozent des Gasverbrauchs von 864 TWh.
Angesichts von zuletzt rund 200 Megawatt installierter Elektrolysekapazitäten, die die Deutsche Energieagentur im Juni 2026 zählte, spielt auch Wasserstoff derzeit eine untergeordnete Rolle. Die Energieträger konkurrieren nicht miteinander, vielmehr würden beide zur Dekarbonisierung gebraucht, so der Tenor einer Diskussion im Rahmen eines Webinars des Verbandes "DIE GAS- UND WASSERSTOFFWIRTSCHAFT" am 28. Oktober.
Schiffsverkehr als Wachstumsmarkt
Eine Konkurrenz von Biomethan und E-LNG, also elektrisch erzeugtem Flüssigerdgas (synthetisches Methan), bestehe allenfalls im Straßenverkehr, erklärte Ralf Wagner, Lead Market Analyst bei Uniper Global Commodities. Und dies auch nur in einem sehr begrenzten Umfang, machte er deutlich.
Zusätzliches Potenzial sieht Wagner insbesondere in der Schifffahrt. Der Markt wachse dort stark, seit die "FuelEU-Maritime"-Verordnung gilt. Die 2025 eingeführte Verordnung verpflichtet Reedereien, die Treibhausgasintensität ihrer Schiffskraftstoffe schrittweise zu senken, bis 2030 beispielsweise um sechs Prozent und bis 2050 um 80 Prozent – im Vergleich zum Referenzjahr 2020.
Uniper für feste Quoten
Ein Hemmnis sei, dass die von der EU geplante RFNBO-Subquote von zwei Prozent, nur greifen solle, wenn bestimmte Ziele verfehlt werden. RFNBO steht für Renewable Fuels of Non-Biological Origin, also erneuerbare Kraftstoffe nicht-biogenen Ursprungs wie grüner Wasserstoff oder E-Fuels.
Für Investitionen fehle damit die Planungssicherheit, betont der Uniper-Experte. Sein Unternehmen spreche sich deshalb für verbindliche RFNBO-Quoten aus, die den Hochlauf von Wasserstoff im Verkehr stärken würden.
Vorsprung bei Infrastruktur
Bengt Bergt, Sprecher der Biomethan-Taskforce, einer im März unter dem Dach des Verbandes Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft gegründeten Initiative, verwies darauf, dass Biomethan im Vergleich zum Wasserstoff den Vorteil habe, die vorhandene Gasinfrastruktur nutzen zu können.
Bei der Fernwärme auf Wasserstoffbasis sieht die Taskforce die Kosten kritisch. Der Bund setze stark auf diesen Weg, je nach geographischer Lage klafften die Preise jedoch weit auseinander, so Bergt.
Beispiel Hanau: Koexistenz statt Verdrängung
Wie der Übergang vor Ort aussehen kann, zeigte Matthias Fernitz, Bereichsleiter Wärmeversorgung und Energielösungen bei den Stadtwerken Hanau. Das Fernwärmenetz umfasst demnach rund 140 Kilometer und versorgt etwa 12.000 Haushalte und wird bislang vollständig mit Erdgas betrieben. Der Versorger will den Fernwärmeabsatz bis 2045 außerdem verdoppeln. Für 2025 weist er einen Gesamtwärmeabsatz von rund 157,4 Millionen Kilowattstunden aus.
Ich sehe eher, dass es eine Koexistenz geben kann.
Dekarbonisiert werde das Netz in der Zukunft zunächst mit Biomethan und später mit Wasserstoff, führte Fernitz aus, ohne konkrete Daten zu nennen. Er betont, die geographische Lage Hanaus sei dafür günstig: Das Kernnetz für Wasserstoff (H2) verlaufe in der Nähe, und durch das Stadtgebiet solle eine H2-Leitung gebaut werden.
Fernitz rechnet dabei nicht mit einer Verdrängung des Gases, sondern mit einer Koexistenz. Neue Leitungen könnten zusätzliche Kunden versorgen, während bestehende Netze weiterlaufen.
Was die Branche braucht
Allerdings monieren die Branchenvertreter fehlende Planungssicherheit und äußern Forderungen: So plädiert Bergt zum Beispiel für einen verbindlichen, ab 2028 schrittweise steigenden Quotenpfad für grüne Gase, eine gemeinsame Planung der Gasnetze und ein nationales Ausbauziel für Biomethan.
Stadtwerke-Vertreter Fernitz fordert von der Politik einen Finanzierungsrahmen für H2-Verteilnetze, Schutz vor der Netzentgeltspirale und einen verlässlichen Zeitplan für zentrale Regelwerke. Vor Ort brauche es zudem eine frühe Abstimmung von Wärme- und Gasnetzplanung sowie einen gesicherten H2-Anschluss für große Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen.
Von der Biomethanbranche erwartet er planbare Mengen und Preise ab 2040, langfristige Lieferverträge und Nachhaltigkeitsnachweise, die das Wärmeplanungsgesetz anerkennt.