Verhalten optimistisch blickt die Dena auf den Biomethan-Markt.

Verhalten optimistisch blickt die Dena auf den Biomethan-Markt.

Bild: © Adobe Stock/LianeM

Der Biomethanmarkt wächst, aber vor allem deswegen, weil die Branche vor Jahren optimistisch geplant hat. Rund 13 Terawattstunden (TWh) Biomethan speisen 280 Anlagen 2026 voraussichtlich ins deutsche Gasnetz ein. Das sind sechs Prozent mehr als 2025 (12,3 TWh). Das geht aus dem Branchenbarometer der Deutschen Energie-Agentur (Dena) hervor.

Die Dena nennt den Grund: Der Zuwachs des Jahres 2026 basiert primär auf Vorhaben, die 2022 und 2023 entstanden. Sie gingen nach langer Bauzeit ans Netz. Weitere 14 Anlagen mit 650 Gigawattstunden (GWh) Einspeiseleistung sollen 2027 folgen. Das Wachstum könnte sich in ähnlicher Größenordnung fortsetzen.

Verkehr läuft, Wärme kommt später

Wichtigster Treiber ist derzeit der Verkehr. Dort stieg der Absatz 2025 um rund 13 Prozent auf 3,9 TWh. Die Gründe: hohe Erdgas- und Dieselpreise, bessere Versorgung mit Bio-LNG (verflüssigtes Biomethan) und höhere Quotenpreise bei der Treibhausgasminderungsquote. Speditionen sparten 2025 im Schnitt rund 30 Prozent Kraftstoffkosten gegenüber Diesel.

Doch der Markt stößt an eine natürliche Grenze. Anfang 2026 waren nach Schätzungen gut 5000 schwere Lkw mit Gasantrieb zugelassen. Die Zahl der gasbetriebenen Fahrzeuge ist damit ein "natürlicher Deckel" für den Biomethanabsatz im Verkehr. Die Nachfrage deckt laut Studie schon fast den gesamten Bedarf der Gasmobilität.

Der Wärmemarkt könnte der größte Abnehmer werden – aber erst ab 2028. Dann greift die Biotreppe im Gebäudemodernisierungsgesetz. Wer eine neue Gas- oder Ölheizung einbaut, muss einen Biomethan-Beimischtarif nutzen. Für Bestandsheizungen startet die Grüngas- und Grünölquote 2028 mit einem Prozent und steigt bis 2045 auf 100 Prozent.

Wie viel Biomethan das braucht, hängt vom Heizungstausch ab. Die Dena rechnet bis 2045 mit 60 bis 145 TWh. Die obere Marke entspricht rund dem Zwölffachen der Einspeisung von 2025.

Zwei Jahre Genehmigung, zweieinhalb Jahre Netzanschluss

Vor allem der Netzzugang bremst neue Projekte. Nach Angaben der Befragten dauert ein Netzanschluss von der Anfrage bis zur Fertigstellung 24 bis 30 Monate. Die Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz braucht zwölf bis 24 Monate. Hinzu kommen Personalmangel bei Netzbetreibern und Lieferengpässe bei Komponenten.

Auch die Kosten fallen ins Gewicht. Laut wissenschaftlichen Diensten des Bundestags ist der Netzzugang in Deutschland bis zu fünfmal teurer als in anderen europäischen Ländern. Dänemark zeigt, wie es anders geht: Eine Kommune koordiniert dort das gesamte Verfahren, und es dauert selten länger als zwölf Monate.

Rechtlich bleibt vieles offen. Die Privilegien der Gasnetzzugangsverordnung liefen zum 1. Januar 2026 aus. Dazu zählt die Kostenteilung von 75 zu 25 zugunsten der Anlagenbetreiber. Eine Übergangsregelung im Energiewirtschaftsgesetz gilt bis zum 31. Dezember 2026. Eine langfristige Lösung fehlt. Zudem diskutiert die Politik, Anschlüsse nach zehn bis zwanzig Jahren zu beenden. Das schrecke Investoren ab, denn Biomethananlagen amortisieren sich über Jahrzehnte.

Strom: Zuschläge im April, dann der Rückschlag

Im April erhielten erstmals seit Jahren wieder sechs Biomethanprojekte einen Zuschlag in der Ausschreibung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Sie zeigen, was hochflexible Blockheizkraftwerke im Zusammenspiel mit Wärmenetzen leisten können. Der Kabinettsentwurf für das EEG 2027 vom 29. Juli sieht jedoch keine Ausschreibungen für Biomethananlagen mehr vor. Die Bundesregierung argumentiert, Biomethan werde künftig stärker in anderen Sektoren gebraucht.

Die Geschäftslage nähert sich laut Dena wieder der Note "befriedigend". Dennoch beurteilt rund die Hälfte der 31 befragten Unternehmen sie negativ. Zugleich melden fast 60 Prozent der Befragten eine leicht gestiegene Nachfrage im Kerngeschäft. Corinna Enders, Vorsitzende der Dena-Geschäftsführung, sagt: "Von einem stabilen Hochlauf sind wir noch entfernt." Sie fordert langfristig verlässliche Rahmenbedingungen, etwa beim Netzzugang.

Für Netzbetreiber und Stadtwerke stellt sich damit eine Frage: Welche Gasnetzabschnitte bleiben bestehen, wenn dort Biomethan einspeist? Die Dena jedenfalls will Netzplanung und Biomethanstrategie enger verzahnen.

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