Der Dezember 2025 war in weiten Teilen Europas deutlich wärmer als saisonal üblich und auch wärmer als der Vorjahresmonat. Der Gasverbrauch lag dennoch auf dem höchsten Stand seit Januar und das hatte vor allem mit der starken Gasnachfrage im Strombereich zu tun.
Temperaturen zwei Grad über der saisonalen Norm
In Deutschland lag die durchschnittliche Tagestemperatur im Dezember bei knapp 4,5 Grad Celsius gegenüber einer saisonalen Norm für den Monat Dezember in Höhe von 2,5 Grad Celsius. Im Vorjahresmonat Dezember 2024 lag die Durchschnittstemperatur 0,7 Grad tiefer, bei 3,8 Grad Celsius.
Trotz der milden Temperaturen lag der Gasverbrauch in Deutschland im Dezember mit rund 109 TWh auf dem Niveau des Vorjahresmonats. Das hatte vor allem mit der gestiegenen Gasnachfrage im Strombereich zu tun.
Die Gaskraftwerke in Deutschland lagen mit durchschnittlich 10 Gigawatt Stromleistung am Netz, im Vorjahresmonat Dezember 2024 waren es nur rund 8,5 Gigawatt.
Rückgang Gasverbrauch Frankreich um 10 Prozent
Der europäische Gasverbrauch lag im Dezember bei insgesamt knapp 516 Terawattstunden und damit rund einem Prozent niedriger als im Vorjahresmonat.
Deutliche Rückgänge gegenüber dem Vorjahresmonat zeigte vor allem Frankreich mit knapp 47 Terawattstunden (Dez-24: 52 Terawattstunden), Großbritannien 72 Terawattstunden (Dez-24: 75 Terawattstunden) und Italien 79 Terawattstunden (Dez-24: 82 Terawattstunden).
Stabiles Angebot
Das Gasangebot zeigte sich im Dezember weitgehend stabil. Die LNG-Aussendungen und Pipeline-Lieferungen aus Norwegen lagen auf gutem Niveau. Eine Ausnahme bildete Algerien, die Lieferungen lagen mit nur 23 Terawattstunden mehr als 5 Terawattstunden niedriger als im Vorjahresmonat.
Norwegen lieferte umgerechnet mehr als 117 Terawattstunden und damit knapp drei Terawattstunden mehr als im Dezember 2024. Die Versorgung verlief weitgehend ohne Beeinträchtigungen, lediglich in der ersten Monatshälfte standen noch einige kleiner geplante Wartungsarbeiten an.
LNG überkompensiert Wegfall Ukraine-Transit
Die Aussendungen der LNG-Terminals lagen bei rund 158 Terawattstunden und damit rund 24 Terawattstunden über dem Wert der Vorperiode. LNG überkompensierte damit die durch den Wegfall des Ukraine Transits niedrigeren russischen Gasflüsse.
Russland lieferte über die Turkstream-Pipeline knapp 21 Terawattstunden, was der höchste Monatswert des Jahres 2025 war. Im Vorjahresmonat, inklusive des Ukraine-Transits hatte Russland 33 Terawattstunden geliefert.
LNG-Nachfrage in Asien auf Zwei-Jahres-Hoch
Im Dezember wurden an den europäischen LNG-Terminals insgesamt 121 LNG-Lieferungen importiert. Das war grundsätzlich ausreichend, aber weniger als im November (126 Lieferungen) und Oktober (123 Lieferungen).
Der Grund für den rückläufigen Trend war die deutlich hochlaufende LNG-Nachfrage in Asien. Seit September haben sich die LNG-Importmengen in den fünf größten asiatischen Abnehmerländern (China, Japan, Südkorea, Taiwan, Indien) kontinuierlich erhöht.
Insgesamt wurden in dieser asiatischen Ländergruppe im Dezember 305 LNG-Schiffslieferungen importiert, so viel wie zuletzt im Dezember 2023. Vor allem die Nachfrage in China (86 Lieferungen) und Japan (83 Lieferungen) stieg in den letzten vier Monaten kontinuierlich an.
Gasspeicher deutlich leerer als im Vorjahr
Die Netto-Ausspeicherungen der europäischen Gasspeicher lagen im Dezember bei knapp 150 Terawattstunden und damit nur geringfügig unter dem Wert vom Dezember 2024. Die deutschen Gasspeicher speicherten knapp 27 Terawattstunden netto aus.
Auch wenn die Ausspeicherungen damit auf dem weitgehend zu erwartenden Niveau lagen, lagen die Füllstände der Speicher zum Ende des Monats deutlich unter der saisonal üblichen Norm und deutlich unter dem Niveau vom Dezember 2024.
Die europäischen Gasspeicher waren zu Ende Dezember 2025 nur zu 62 Prozent gefüllt und damit 10 Prozentpunkte (rund 120 Terawattstunden) weniger gefüllt als Ende Dezember 2024.
Dramatischer ist die Situation in Deutschland, hier sank der Füllstand zum Ende des Monats auf 57 Prozent, gegenüber 81 Prozent Ende des Jahres 2024. Damit fehlen den deutschen Gasspeichern gegenüber der Vorperiode rund 60 Terawattstunden Arbeitsgas.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Kommt es nach Weihnachten zu einer Preisrallye auf dem Gasmarkt?


