Im Vorjahr verteuerten sich die Spotpreise in der zweiten Dezemberhälfte bis Anfang Januar um mehr als 25 Prozent. Gründe waren eine schwache Erneuerbaren-Stromproduktion bei gleichzeitig schwächerem LNG-Angebot als erwartet. Den jüngsten Wetterprognosen zufolge, sollen die durchschnittlichen Tagestemperaturen in Deutschland ab Weihnachten und bis zum Jahresende hin auf die Nullgradgrenze fallen und lägen damit bis zu drei Grad unter der saisonalen Norm.
Für die Windstromproduktion werden in den meisten europäischen Ländern eher unterdurchschnittliche Tageswerte erwartet, wobei zuletzt die Prognosen für die Feiertage deutlich nach oben korrigiert wurden.
Steigende LNG-Nachfrage in Asien
Im laufenden Monat liegen die LNG-Importe bisher auf Vormonatsniveau, jedoch werden bis zum Monatsende aktuell nur 25 weitere Lieferungen an den europäischen Terminals erwartet. Damit könnten die Gesamtimporte im Dezember eventuell unter dem starken Niveau des Vormonats liegen.
Einer der Gründe ist die anziehende Nachfrage in Asien. Die fünf größten asiatischen Länder (China, Japan, Südkorea, Taiwan und Indien) haben im laufenden Monat bisher über 170 LNG-Lieferungen importiert, das sind rund 20 Lieferungen mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vormonat.
Dazu sind die LNG-Lagerbestände Chinas im Vergleich zum Vormonat leicht gesunken und lagen zuletzt bei 7,5 Millionen Tonnen LNG (Vormonat 7,8 Millionen Tonnen LNG). Daher ist davon auszugehen, dass chinesische Akteure potenziell im Januar verstärkt Spotkäufe am LNG durchführen werden, was die LNG-Preise in Asien stützen sollte.
Chinesische LNG-Börsenpreise ab 2026
Die Shanghai Futures Exchange wird voraussichtlich im ersten Quartal 2026 ein LNG-Terminprodukt einführen, was den am chinesischen LNG-Handel beteiligten Marktteilnehmern, ein Instrument zur Positionsabsicherung bieten wird.
Der Kontrakt soll allen Unternehmen offenstehen, die in China mit dem Kauf oder Verkauf von LNG tätig sind, einschließlich internationaler Händler und Energieunternehmen.
Bisher wird meist der Japan-Korea-Marker (JKM) des Handelshauses S&P Global als Benchmark für die Preise in Asien respektive China herangezogen. China ist neben Japan der größte LNG-Importeur in der Region. Die Marktgröße und Liquidität Chinas könnte den Erfolg des Terminprodukts am Markt unterstützen.
TTF/Henry-Hub-Spread leicht erholt
Nach dem der Spread zu Beginn des Monats auf ein Mehrjahrestief bei rund 4 US-Dollar/MMBtu (Million British thermal units) gesunken war, hat sich der Spread zuletzt wieder auf knapp 5 USD/MMBtu erholt.
Der niedrige Spread hatte zu Befürchtungen möglicher Frachtstornierungen geführt, was sich bisher nicht bewahrheitet hat. Der TTF/Henry-Hub-Spread dürfte sich im ersten Quartal jedoch wieder ausweiten, da die meisten Analysten von wieder fallenden Henry-Hub-Preisen ausgehen.
Die US-LNG-Lieferungen nach Europa sollten daher auch im ersten Quartal 2026 rentabel bleiben. Dies liegt an den niedrigeren Henry-Hub-Terminkurvenpreisen, sinkenden Regasifizierungskosten und stark rückläufigen Frachtraten auf dem Atlantik.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet: US-LNG verändert europäischen Markt

