Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die jüngste Auspreisung der Risikoprämien hat nichts damit zu tun, dass die Risiken sich aufgelöst hätten. Seit der Eroberung der russischen Gasübergabestation Sudscha durch die ukrainischen Truppen, besteht ein hohes Risiko, dass Kämpfe in dem Gebiet die Anlage zerstören könnten.

Bis heute ist es jedoch nicht zu einem Stopp der Transitlieferungen gekommen und der Iran hat bisher keine Vergeltungsaktion gegen Israel verübt. Nach einer zweiwöchigen Wartephase haben wohl viele Händler die Geduld verloren, da bisher nichts passiert ist. Dazu sorgten zuletzt das Abklingen der Hitzewelle, niedrigere Temperaturen und mehr Windstromproduktion für eine rückläufige Gasnachfrage im Stromsektor, was die Gaspreise zusätzlich geschwächt hat.

Fundamentaldaten zurück im Fokus

Damit kehrten die eher bearish gestimmten Fundamentaldaten zurück in den Fokus der Gashändler. Die Nachfrage zeigt sich in dieser Woche gegenüber der Vorwoche rückläufig. Die Stromproduktion der Gaskraftwerke in Deutschland fällt von über 5 GW in der Vorwoche auf rund 3,5 GW in der laufenden Woche.

Das Gasangebot per Pipeline zeigte sich bis zur Wochenmitte stabil, die Pipelinelieferungen aus Norwegen, Algerien, Russland und Aserbaidschan lagen mit insgesamt rund 5500 GWh/Tag auf dem Niveau der Vorwoche.

Die LNG-Aussendungen aus den Terminals der EU fallen in dieser Woche auf unter 2200 GWh/Tag und damit auf einen neuen Jahrestiefststand. Die Händler zeigen sich diesbezüglich jedoch entspannt, die vollen Gasspeicher der EU-Länder mit einem Füllstand von über 90 Prozent, verleihen dem Markt Ruhe.

Wartungsarbeiten in Norwegen

Ab dem Wochenende beginnt das zweite große Wartungsintervall des Jahres in Norwegen. Zunächst gehen die Anlagen in Visund, Åsgard und Kristin in Jahreswartung und werden die Exportkapazität um rund 50 Mio. Kubikmeter pro Tag kürzen.

Im weiteren Verlauf zu Beginn September und mit der Wartung in der Anlage in Kårstø steigt der wartungsbedingte Ausfall dann auf über 160 Mio. Kubikmeter. Zuletzt lagen die Nominierungen des Betreibers Gassco bei 324 Mio. Kubikmeter, während der Wartungsphase könnten die Gasflüsse dann somit auf zeitweise unter 180 Mio. Kubikmeter sinken.

Die niedrigen Importe aus Norwegen werden den Markt in den nächsten Wochen sicherlich anspannen, sind jedoch den Marktteilnehmern bekannt. Die Frage ist jedoch, wieviel davon derzeit eingepreist ist. Auf jegliche Verlängerung der Wartungsarbeiten oder einer Eskalation der geopolitischen Risiken während der Wartungsphase wird der Markt empfindlich reagieren.

Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Thema des vorangegangenen Artikels:Angespannter Markt: Gaspreise könnten auf über 50 Euro pro MWh steigen

Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.

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