Dass US-Präsident Donald Trump am Mittwoch, 15. Juli, in gewohnter Zick-Zack-Manier seine Ankündigung einer 20-Prozent-Maut auf die Passage durch die Straße von Hormus wieder zurückzog, ließ die Gasmärkte unbeeindruckt. Die Preise setzten ihre Aufwärtsbewegung fort.

Eine Konfliktlösung ist nicht in Sicht und da eine stringente Linie in der Verhandlungsführung beider Seiten fehlt, erhöht dies nur die Unsicherheit der Marktteilnehmer und dies quittiert der Markt mit höheren Gaspreisen.

Es besteht die Gefahr, dass sich die gegenseitigen Scharmützel zwischen den Kriegsparteien auch in den nächsten Monaten fortsetzen könnten und der Konflikt in diesem Zustand der Unsicherheit einfriert.

Neue Jahreshochs in Sicht

Damit wird zunehmend unklarer, ob es überhaupt zu einem Hochlauf der LNG-Produktion Katars bis Ende des dritten Quartals 2026 kommen kann. Bisher gingen die Händler davon aus, dass die Situation in der Straße von Hormus sich spätestens im Laufe des vierten Quartals vollständig normalisiert haben würde. Da diese Arbeitshypothese zunehmend zu kippen scheint, steigen die Preise in dieser Woche deutlich an.

Das bisherige Jahreshoch am deutschen THE stammt vom 20. März, als der Day-Ahead auf knapp 62 Euro je Megawattstunde gestiegen war. Nehmen die Unsicherheiten für Händler und Reeder weiter zu, könnten wir noch im Sommer neue Jahreshochs sehen.

Die Gaspreise werden dazu durch die Konkurrenz in Asien unterstützt. Die dortigen Hitzewellen und der damit verbundene Gasverstromungsbedarf sorgen dort für steigende LNG-Importe. Umleitungen nach Europa werden dann nur über einen höheren Gaspreis ermöglicht.

Schwache LNG-Importe

Die LNG-Importe zeigen sich in der laufenden Woche zwar leicht erholt gegenüber der Vorwoche, aber die Monatsbilanz bleibt weiterhin unter den Erwartungen zurück. Bisher wurden im laufenden Monat nur rund 47 LNG-Lieferungen an den europäischen Terminals importiert. Damit könnte sich die schwache Gesamtbilanz vom Vormonat auch im Juli wiederholen.

In den nächsten sieben Tagen werden nur 20 weitere LNG-Ladungen erwartet, darunter acht Lieferungen aus den USA und je zwei Lieferungen aus Norwegen und Russland.

Gasspeicher: Die Zeit wird knapp

Die Einspeicherungen laufen weiterhin schleppend. Die europäischen Gasspeicher sind nur zu 53 Prozent (5-Jahres-Mittel: 68 Prozent) und die deutschen nur zu 45 Prozent (5-Jahres-Mittel: 67 Prozent) gefüllt.

Gemäß Ganexo-Speicheranalyse könnten die deutschen Gasspeicher nur im bestmöglichen Falle bis zum 1. November einen Füllstand von 75 Prozent erreichen. Verläuft die Einspeicherung von nun an wie im letzten Jahr, würde nur ein Füllstand von 65 Prozent erreicht werden.

Auch die Initiative Energien Speichern (Ines) kommt in ihrem Juli-Update zu einem ähnlichen Ergebnis. Der Verband weist jedoch darauf hin, dass ein Füllstand bis zum 1. November von 76 Prozent nur dann erreichbar ist, wenn sich die Marktbedingungen entscheidend ändern. Die aktuelle Preisentwicklung setzt keine Anreize zur Einspeicherung. Dies gefährdet laut Ines die Versorgungssicherheit für den kommenden Winter.

Laut der Szenarioanalysen von Ines sei ein Speicherfüllstand von 76 Prozent zum 1. November 2026 bei normalen oder warmen Wintertemperaturen ausreichend, um die Gasversorgung sicherzustellen. Allerdings weist der Verband darauf hin, dass sich die Situation anders darstellt, wenn es zu einem außergewöhnlich kalten Winter kommt.

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