Die atlantischen Frachtraten für den LNG-Transport sind im September auf Tagesraten von bis zu unter 20.000 US-Dollar gesunken und damit auf den tiefsten Stand seit Beginn des Nahostkrieges zwischen den USA und dem Iran.

Im letzten Winter stiegen die atlantischen Frachtraten auf bis zu 130.000 US-Dollar pro Tag und sanken dann wieder wie üblich gegen Ende des Winters. Das Saisonmuster wurde dann jedoch wegen des Nahostkonflikts ausgehebelt, die Frachtraten stiegen dabei im Frühjahr kurzzeitig auf bis zu über 200.000 US-Dollar pro Tag.

Der drastische Preiseinbruch am Frachtmarkt im September ist jedoch vollkommen saisonuntypisch, da im September üblicherweise die Raten mit der steigenden Speichernachfrage ansteigen. Für die aktuelle Entwicklung gibt es mehrere Gründe:

Globale LNG-Flotte wächst auf 925 Tanker

In den letzten Monaten wurden viele LNG-Tanker aus Werften ausgeliefert. Aktuell gibt es weltweit 925 LNG-Tanker, im September des Vorjahres waren es noch 845 – die Flotte wuchs also um rund 10 Prozent innerhalb der letzten 12 Monate. Damit gibt es aktuell einen massiven Überhang an frei verfügbaren LNG-Tankern.

Einige geplante US-Verflüssigungsanlagen (wie Teile von Plaquemines oder Corpus Christi Stage 3) hatten zuletzt mit leichten Verzögerungen zu kämpfen. Die Schiffe sind also bereits da, das zusätzliche Gas zum Abtransport fehlte jedoch stellenweise.

Weil die europäischen Gaspreise im Spätsommer stark gestiegen sind, zieht Europa mehr US-Frachten an. Doch genau hier kommt die aktuelle geopolitische Lage ins Spiel, denn im laufenden Monat haben die USA bisher anteilig weniger LNG exportiert als noch im Vormonat. Daher sind mehr LNG-Tanker frei verfügbar, was die Frachtraten drückt.

Suez-Route wird gemieden

Der Weg durch den Suez-Kanal ist normalerweise für US-LNG-Exporteure der kürzeste und billigste Weg nach Asien. Der Hin- und Rückweg nach Japan dauert mit durchschnittlich 37 Tagen nur rund 7 Tage länger als die Direktlieferung nach Europa.

Bei den aktuell niedrigen Frachtraten würde also die Suezroute den US-Exporteur umgerechnet auf den Hub-Preis nur rund 1,50 Euro je Megawattstunde mehr kosten. Die Gaspreise in Asien müssten also nur rund 1,50 Euro je Megawattstunde über den Preisen in Europa liegen und die US-Spotlieferungen würden bevorzugt nach Asien gehen – tun sie aber nicht, wie die aktuelle Analyse zeigt.

Der Grund ist die dramatisch verschlechterte Sicherheitssituation im Roten Meer und insbesondere in der Straße Bab-al-Mandab, was in massiv gestiegenen Versicherungsprämien für die Durchfahrt resultiert. US-LNG-Exporteure meiden daher aktuell die Suez-Route fast vollständig.

Umrundung Afrika braucht lange und ist teuer

Damit bliebe für US-Exporteure zunächst der Panamakanal als nächstbeste Alternative für die Reise nach Asien. Aktuell leidet der Kanal jedoch unter einer neuen, heftigen El-Niño-Trockenphase, die maximale Anzahl der täglichen Durchfahrten wurde zuletzt massiv reduziert, so dass nur vereinzelt LNG-Tanker durch den Kanal fahren.

Somit bleibt für US-Exporteure aktuell nur die Umrundung Afrikas um das Kap der Guten Hoffnung als Lieferroute für den Export nach Asien, und diese bildet damit aktuell den maßgeblichen Kostenvergleich, ob Europa oder Asien bei US-Spotlieferungen zum Zuge kommt.

Die Hin- und Rückreise für den US-Exporteur über diese Route dauert rund 85 Tage gegenüber 30 Tagen nach Europa und kostet bei aktuellen Frachtraten rund 5,50 Euro je Megawattstunde mehr.

Aktuell gehen einige Analysten von einem Anstieg bis Dezember auf rund 60.000 US-Dollar pro Tag durch die saisonbedingt steigende Nachfrage aus. Der Spread würde sich dann zu Gunsten Europas verschieben: Die Route um Afrika herum würde dann über 7 Euro je Megawattstunde mehr kosten als die Direktlieferung nach Europa.

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