Deutschlands Gasspeicher sind aktuell nur etwas mehr als zur Hälfte gefüllt. Das treibt die Preise nach oben. Gesetzlich vorgegeben ist, dass alle Speicher spätestens zum 1. November rechnerisch zu 70 Prozent gefüllt sein müssen.
Damit ist die Lage wesentlich schlechter als noch vor einem Jahr. Am 28. August 2025 zum Beispiel war das 70-Prozent-Ziel bereits erreicht, zeigt die Datenbank AGSI (Aggregated Gas Storage Inventory) des europäischen Verbands der Gasinfrastrukturbetreiber Gas Infrastructure Europe (GIE). Auch in den Vorjahren waren die Speicher deutlich voller.
Im Vergleich der fünf größten Volkswirtschaften haben nur die Niederlande prozentual weniger Gas gebunkert. Die Europäische Union kommt momentan auf knapp 64 Prozent. Das fehlende Gas feuert die laufende Diskussion weiter an.
Die Grünen etwa drängen auf ein Krisentreffen. "Die Regierung muss jetzt einen Gipfel zur Versorgungssicherheit mit Gas machen", sagte der Energiepolitiker Michael Kellner der Deutschen Presse-Agentur.
Die Lage sei ernst, es brauche schnelle Lösungen, so Kellner weiter. "Denn sonst wird der Winter teuer für Industrie und Haushalte". Gemeinsam mit der Linken haben die Grünen nun eine Sondersitzung des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie beantragt.
Raus aus der Reserve
Doch auch in der Koalition selbst rumort es. Unionsfraktionsvize Sepp Müller schlägt in der Wirtschaftswoche vor, stärker auf Kohle zu setzen. Konkret geht es ihm da um sogenannte Reservekraftwerke. Statt bloß in Dunkelflauten Strom zu produzieren, sollten diese Kohlekraftwerke "wieder ständig laufen".
Und zwar so lange, bis Gaskraftwerke mit einer vergleichbaren Kapazität gebaut seien, was voraussichtlich 2030 oder 2031 der Fall sei. "Wir werden das nun in der Koalition besprechen", kündigte Müller an.
Markt im Krisenmodus
Der Markt stellt sich indes auf eine länger anhaltende Krise ein. Die Gaspreise im Terminhandel seien diese Woche auf ein neues Jahreshoch gestiegen, schreibt ZFK-Kolumnist Joachim Endres.
Zum ersten Mal seit vielen Wochen hätten die Preise für Winter-26 mit den Spotpreisen gleichgezogen. Dies markiere einerseits eine Wende bei den finanziellen Anreizen zur Speicherbefüllung, sei aber zugleich Ausdruck einer wachsenden Sorge.
Rehden bei acht Prozent
Die Bundesnetzagentur gibt pro Termin je zwei Füllstandsziele aus, abhängig von der Geschwindigkeit, mit der ein Speicher technisch befüllt oder entleert werden kann. Während sogenannte Regelfallanlagen zum 1. November zu 80 Prozent gefüllt sein müssen, gilt für sechs Sonderfälle das Ziel von 45 Prozent.
Darunter auch Rehden, der mit Abstand größte deutsche Speicher. Zum 28. August wies die Anlage gerade einmal einen Füllstand von rund acht Prozent auf. In Summe müssen alle zusammen auf das nationale Gesamtziel von 70 Prozent kommen.
Der von Sefe Storage betriebene Speicher in Niedersachsen ist mit einer Kapazität von rund 3,9 Milliarden Kubikmetern beziehungsweise etwa 44 Terawattstunden Deutschlands größter Erdgasspeicher.
Für den zweiten Jahrestermin am 1. Februar gelten 30 Prozent für die Regelfälle und 40 Prozent für – dann – vier Sonderfälle.