Die Gasverstromung ist im Februar auf den höchsten Stand seit mindestens fünf Jahren gestiegen. In Europa lag die durchschnittliche Stromerzeugung aus Erdgas im Februar bei 63 Gigawatt (GW). Damit lag Erdgas als Energieträger für die Stromerzeugung europaweit auf Platz zwei hinter Atomkraft (81 GW) und deutlich vor Windkraft (46 GW) und Wasserkraft (42 GW).
In Deutschland lag die Stromerzeugung aus Erdgas bei 11,5 GW, auf Platz zwei hinter Windkraft (14 GW) und vor Braunkohle (10,5 GW).
Gasnachfrage steigt um 30 Prozent
Die durchschnittliche Tagestemperatur in Deutschland lag im Februar bei 2,9° C und damit rund 0,7 Grad über der langfristigen Norm.
Wegen der hohen Nachfrage aus dem Kraftwerksbereich und einer kurzen Kältewelle zur Mitte des Monats lag die Gasnachfrage in Deutschland im Februar bei rund 112 Gigawattstunden (GWh). Dies entsprach einer Steigerung gegenüber dem Vorjahresmonat Februar 2024 von rund 30 Prozent, damals lag die Gasnachfrage noch bei 86 GWh.
Die europäische Gasnachfrage steigt auf insgesamt 503 GWh, 22 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Damit lag die Nachfrage in Europa mit einem Plus gegenüber dem Fünf-Jahres-Durchschnitt von 5 Prozent zum ersten Mal seit der Energiekrise über dem Benchmark.
USA stellen 14 Prozent des gesamten Gasangebots
Atlantisches LNG ging im Februar wegen der hohen Gaspreise hauptsächlich nach Europa. An den europäischen Terminals wurden insgesamt 131 LNG-Lieferungen importiert, die höchsten Importe seit Februar 2024.
Die USA lieferten mit insgesamt 66 LNG-Lieferungen rund die Hälfte aller europäischen LNG-Importe. Damit lag der Anteil der USA am gesamten europäischen Gasangebot bei rund 14 Prozent.
Russland lieferte 22 LNG-Lieferungen, überwiegend nach Frankreich und Belgien, aus Katar kamen zwölf Lieferungen und jeweils acht Lieferungen aus Algerien und Norwegen.
Australien liefert LNG nach Europa
Frankreich war in Europa der größte Abnehmer von LNG. Von den insgesamt 30 Lieferungen, kamen elf Tanker aus den USA, acht aus Russland und sieben aus Algerien. Nach Großbritannien gingen insgesamt 20 Lieferungen.
Zum ersten Mal seit November 2022 lieferte Australien im Februar 2025 wieder LNG nach Europa, der zeitweise hohe Preisunterschied zum asiatischen Gasmarkt machte es möglich. Ein australischer LNG-Tanker ging im Februar nach Großbritannien und auch im März wurde mittlerweile eine weitere australische Lieferung am britischen Termin Milford Haven entladen.
Ausspeicherungen auf 5-Jahres-Hoch
Trotz der positiven Entwicklung des LNG-Angebots wurde die maßgebliche Flexibilität für die hohe Gasnachfrage durch die Gasspeicher bereitgestellt. Die Ausspeicherungen betrugen rund 180 TWh und damit 35 Prozent des gesamten europäischen Gasangebots.
Die Ausspeicherungen lagen damit mehr als doppelt so hoch als im Vorjahresmonat, als rund 86 TWh ausgespeichert wurden. Damals waren die Gasspeicher Ende Februar 2024 noch zu 63 Prozent gefüllt.
Durch die hohen Ausspeicherungen haben sich die Gasspeicher massiv entleert. Der aggregierte Füllstand der Gasspeicher der EU-Länder lag zuletzt bei 37 Prozent. Der Füllstand der deutschen Gasspeicher ist auf 32 Prozent gesunken, der größte deutsche Gasspeicher in Rehden ist nur noch zu 14 Prozent gefüllt.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Europas LNG-Hunger wächst deutlich



