Mit nur 98 importierten LNG-Ladungen im Juni rutschen die europäischen LNG-Importe im Vergleich zu den Vormonaten deutlich ab. Zwischen Januar und Mai 2026 kamen im Schnitt 142 LNG-Ladungen in Europa an, im Mai waren es 123 Ladungen.

Deutlich zulegen konnten dabei die "kleinen" Lieferanten Senegal (2 Ladungen) und Peru (2 Ladungen). Im Falle von Senegal ist das bemerkenswert: Das an der Seegrenze zwischen Mauretanien und Senegal befindliche GTA-Projekt hat einen monatlich maximalen Output von etwa drei LNG-Lieferungen. Damit gingen rund zwei Drittel der Gesamtkapazität im Juni nach Europa, eine Lieferung nach Wilhelmshaven, die andere nach Eemshaven (Niederlande).

Die vier größten LNG-Importeure in Europa waren auch im Juni die USA (51 Ladungen), Russland (17 Ladungen), Norwegen (10 Ladungen) und Algerien (9 Ladungen). Verantwortlich für das Tief ist in erster Linie der signifikante Rückgang der Lieferungen aus den USA, die sich gegenüber dem Vormonat (66 Ladungen) um 15 Ladungen reduzierten.

USA steigern Exporte nach Südkorea und Taiwan

Die USA steigerten ihre Exporte in die fünf größten asiatischen LNG-Abnehmerländer (China, Japan, Südkorea, Taiwan, Indien) im Juni mit insgesamt 42 LNG-Ladungen auf ein neues Allzeithoch. Das waren neun Lieferungen mehr als im Vormonat, die somit Europa an Asien verlor.

Nach Südkorea gingen insgesamt 16 US-Ladungen, ein neues Allzeithoch und mehr als doppelt so viel wie im Vormonat Mai-26, als 7 Ladungen aus den USA importiert wurden. Der Mittelwert der LNG-Importe aus den USA zwischen Januar und Mai 2026 lag bei 6 Ladungen.

Nach Taiwan lieferten die USA zehn LNG-Ladungen, ebenfalls eine Steigerung von mehr als 100 Prozent gegenüber dem Vormonat als nur vier Ladungen dorthin exportiert wurden.

Im Sommer 2024 brauchte Europa wenig LNG

Die LNG-Importe aus den USA fallen im Juni 2026 auf die Tiefststände des Sommers 2024. Neben einer damals wie auch im Juni 2026 anziehenden LNG-Nachfrage in Asien und einer gekippten JKM-TTF-Arbitrage Richtung Asien gab es damals noch einen anderen Grund:

Europa brauchte das Gas schlicht nicht. Die Speicher gingen nach dem milden Winter 2023/24 mit historisch hohen Füllständen in den Sommer, teils über 58 bis 60 Prozent zum Saisonstart, die Einspeicherungsnachfrage war entsprechend gedämpft. Gleichzeitig blieb die industrielle Nachfrage schwach, und starke Solar-Einspeisung drückte den Gasbedarf im Kraftwerkssektor.

Darüber hinaus kam damals im Sommer 2024 angebotsseitig in den USA wenig Neues hinzu. Freeport LNG hatte im Sommer 2024 erneut Ausfälle (unter anderem durch Hurrikan Beryl im Juli), und die erwarteten neuen Kapazitäten (Plaquemines, Corpus Christi Stage 3) kamen erst Ende 2024, Anfang 2025 ans Netz. Das globale Angebot wuchs 2024 nur minimal.

Im Sommer 2026 braucht Europa mehr LNG

Die EU-Gasspeicher waren im Juli 2024 zu über 75 Prozent gefüllt. Zu Beginn Juli 2026 ist die Situation grundlegend eine andere: Die Gasspeicher der EU-Länder sind nur zu knapp 50 Prozent (15 Prozent weniger als 5-Jahres-Mittel) und in Deutschland nur zu 42 Prozent (21 Prozent weniger als 5-Jahres-Mittel) gefüllt.

Verläuft von nun an bis Ende Oktober die Einspeicherung so wie im vergangenen Jahr (was sich ungefähr bis dahin auch mit dem langfristigen Mittel gleichsetzen lässt), wären die Gasspeicher zum 1. November wie folgt gefüllt: EU 76 Prozent, Deutschland 66 Prozent.

Würde in Deutschland dann im Winter 26/27 die Entleerung der Gasspeicher so wie im letzten Winter 2025 ablaufen, so wären die Speicher dann Anfang März 2027 rein theoretisch vollständig entleert.

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