Transport und Speicherung verteuern Wasserstoff stärker als gedacht (Symbolbild).

Transport und Speicherung verteuern Wasserstoff stärker als gedacht (Symbolbild).

Bild: © Adobe Stock / Uwe

Grüner Wasserstoff dürfte für viele Abnehmer in Deutschland bis 2035 deutlich teurer werden als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für Energieinfrastrukturen und Geothermie (Fraunhofer IEG), die erstmals nicht nur die Erzeugungskosten, sondern auch Transport, Speicherung und Netzentgelte systematisch berücksichtigt.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen darin einen wichtigen Grund dafür, warum der Wasserstoffhochlauf bislang hinter den Erwartungen zurückbleibt. Investoren fehlten verlässliche Informationen darüber, welche Gesamtkosten künftig tatsächlich auf sie zukommen.

Kraftwerke besonders stark betroffen

Am stärksten treffen die zusätzlichen Infrastrukturkosten wasserstofffähige Kraftwerke. Laut Studie müssen Betreiber im Jahr 2035 mit Bezugskosten zwischen 8,77 und 15,16 Euro pro Kilogramm Wasserstoff rechnen. Rund die Hälfte davon entfällt auf Transport, Speicherung und Netzentgelte.

Der Grund liegt im Betriebsprofil solcher Anlagen. Sie laufen meist nur in Zeiten, in denen erneuerbare Energien nicht ausreichend Strom liefern. Der benötigte Wasserstoff muss deshalb zuvor gespeichert werden. Gleichzeitig verteilen sich die festen Netzentgelte auf vergleichsweise wenige Betriebsstunden, wodurch die Kosten pro Kilogramm deutlich steigen.

Nach Einschätzung der Forschenden dürfte es unter diesen Bedingungen schwierig werden, Wasserstoff-Kraftwerke allein über den Strommarkt wirtschaftlich zu betreiben.

Industrie profitiert von gleichmäßigem Bedarf

Deutlich günstiger fällt die Bilanz für Industrieunternehmen aus, die Wasserstoff kontinuierlich einsetzen. Hier erwarten die Forschenden Bezugskosten zwischen 4,41 und 8,43 Euro je Kilogramm. Weil Industriebetriebe den Wasserstoff gleichmäßiger abnehmen, verteilen sich Transport- und Netzkosten auf wesentlich mehr Betriebsstunden.

Zusätzliche Einsparungen seien möglich, wenn Unternehmen ihre Produktion flexibel an Zeiten anpassen, in denen grüner Wasserstoff verfügbar ist. Wird Wasserstoff direkt vor Ort erzeugt, entfallen Transportkosten.

Die Studie macht zugleich deutlich, dass die künftigen Kosten stark von politischen Rahmenbedingungen und der Ausgestaltung der Netzentgelte abhängen. Statt fester Prognosen empfehlen die Forschenden deshalb, mit verschiedenen Kostenszenarien zu planen.

Erste Leitungen gehen jetzt in den Bau

Während die Wirtschaftlichkeit vieler Projekte weiter diskutiert wird, schreitet der Ausbau der Infrastruktur voran. So hat EWE jetzt mit dem Bau der Wasserstoffleitung "H₂Coastlink 1" zwischen Emden und Leer begonnen, teilte das Unternehmen mit. Die rund 24 Kilometer lange Pipeline soll ab Herbst 2027 den entstehenden 320-Megawatt-Elektrolyseur in Emden an das deutsche Wasserstoff-Kernnetz anschließen.

Vertreter der Projektbeteiligten beim symbolischen Spatenstich in Ostfriesland (v. l. n. r.): Marco van der Spek (Programmleiter "H₂Coastlink", EWE Netz), Matthias Groote (Landrat Landkreis Leer), Tim Olbricht (Geschäftsführer GTG Nord), Frank Reiners (Vorstand EWE AG) und Heiko Fastje (Geschäftsleitung EWE Netz)Bild: © EWE Netz/Carina Penning

Über die Leitung sollen künftig mehr als 70.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr transportiert werden können. Sie ist zugleich Voraussetzung dafür, grünen Wasserstoff aus Nordwestdeutschland an industrielle Abnehmer weiterzuleiten. Ein erster Liefervertrag mit der Salzgitter AG sehe vor, ab 2030 Wasserstoff aus Emden für die klimafreundlichere Stahlproduktion bereitzustellen.

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