Der Netzbetrieb wird teurer, komplexer und personalintensiver. Für viele kleinere Stadtwerke wächst der Druck, Lösungen zu finden – allein oder gemeinsam. Die Osterholzer Stadtwerke aus Osterholz-Scharmbeck und die Stadtwerke Zeven (beide Niedersachsen) haben sich für den gemeinsamen Weg entschieden: Sie nutzen künftig ein gemeinsames Netzleitsystem, basierend auf der Software High-Leit des Karlsruher Unternehmens Vivavis.
Den Kooperationsvertrag haben beide Versorger bereits unterzeichnet – nur zwölf Monate nach der ersten Idee. Eine bemerkenswert kurze Zeitspanne für ein Projekt dieser Tragweite. Kooperationen in der Stadtwerke-Branche scheitern häufig an unklaren Arbeitsaufträgen oder Widerständen der Anteilseigner. Hier offenbar nicht.
Klare Aufgabenteilung
Das Modell setzt auf eine pragmatische Arbeitsteilung: Die Osterholzer Stadtwerke stellen die Räumlichkeiten für Serverhardware und Peripherie bereit und verantworten den Betrieb der Systeminfrastruktur.
Die Stadtwerke Zeven bringen ihr Know-how in der Parametrierung und Generierung des Netzleitsystems ein. Die Serverstandorte liegen georedundant in Osterholz-Scharmbeck und Lilienthal (Niedersachsen) – ein wichtiger Faktor für die IT-Sicherheit.
Für das Bedienpersonal ändert sich nichts: Die bestehenden Leitwarten bleiben zentraler Zugriffspunkt auf die jeweiligen Mandanten im System.
"Die Anforderungen an den Netzbetrieb steigen spürbar – technisch, regulatorisch und wirtschaftlich", sagt Christian Meyer-Hammerström, Geschäftsführer der Osterholzer Stadtwerke. "Mit der Öffnung unseres Netzleitsystems für Partner gehen wir bewusst den nächsten Schritt." Für seinen Zevener Kollegen Marcel Meggeneder ist die Partnerschaft vor allem strategisch: "Es ist wichtig, Dinge dann gemeinsam zu betreiben, wenn man sie gemeinsam betreiben kann."
Kein Einzelfall in der Branche
Das Modell reiht sich in einen wachsenden Trend ein. Harz Energie Netz, Osthessen Netz und Wemag Netz entwickeln im Projekt "KoopLeit" ebenfalls gemeinsam ein neues Netzleitsystem – mit Perspektive für weitere Partner.
Die Rheinschiene, in der Stadtwerke Duisburg, Stadtwerke Düsseldorf und die Kölner Rheinenergie ihre Netzwartensysteme bereits 2021 vereinheitlicht haben, folgt demselben Grundgedanken: Effizienz durch Bündelung.
Was Osterholz und Zeven von manchen Kooperationen unterscheidet: Die Architektur ist von Beginn an skalierbar angelegt. Perspektivisch können weitere Versorger in der Region in das System integriert werden.