Einige Wartungen in den norwegischen Anlagen Nyhamna und Kollsnes wurden auf das Wochenende verschoben und sollen nun am Montag abgeschlossen sein.
In diesem Zeitraum könnten die Gasflüsse Norwegens dann auf ein Jahrestief bei rund 125-140 Mio. Kubikmeter fallen. Bis zur Monatsmitte sollten die Gasflüsse sich dann bei rund 190 Mio. Kubikmeter halten.
Die großen Ausfälle kommen damit nach Abklingen der aktuellen Hitzewelle, die zuletzt für eine hohe Gasnachfrage im Stromsektor gesorgt hatte. Die LNG-Aussendungen stiegen unterdessen auf den höchsten Stand in vier Monaten, was damit zum Preisverfall führte.
Die Marktstimmung bleibt dennoch angespannt. Die Einspeicherungen gingen seit Beginn der Wartungsarbeiten in Norwegen deutlich zurück. Das voraussichtlich knappe Gasangebot im September sollte die Gaspreise zwischen 35-40 Euro je Megawattstunde (MWh) halten.
Warmer August und hohe Solarstromproduktion
Der August war in Deutschland mit 21 Grad Celcius rund 3 Grad wärmer als das langfristige Mittel. Die Windstromproduktion in den EU-Ländern lag mit 34 GW auf durchschnittlichem Niveau. Die Solarstromproduktion stieg jedoch mit 42 GW (August 2023: 32 GW) auf den höchsten Stand in diesem Jahr.
Die hohe Stromproduktion der erneuerbaren Energien im August während der Hitzewellen verhinderte damit einen stärkeren Nachfrageeffekt am Gasmarkt. Die Stromproduktion der Gaskraftwerke in der EU stieg zwar mit 35 GW auf den höchsten Stand seit März, lag jedoch rund fünf GW unter dem Wert des Vorjahres.
Die Hitzewelle der letzten Tage fiel jedoch mit einer eher schwachen Windstromproduktion zusammen. Damit stieg die Stromproduktion der Gaskraftwerke in der EU zu Beginn des Monats auf über 57 GW, den höchsten Stand seit Mitte Januar.
Gasnachfrage im August auf Jahrestief
Die Gasnachfrage in Europa fiel im August mit 203 TWh auf den tiefsten Stand des Jahres und lag rund 5 TWh unter dem Wert des Vorjahresmonats. Die Gesamtnachfrage lag damit 16 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Mittelwert.
Das schwache Angebot aber auch Restriktionen der Kennlinien der Gasspeicher sorgten im August für eher verhaltene Einspeicherungen. Insgesamt wurden in den EU-Ländern 89 TWh netto eingespeichert. Das ist dennoch mehr als im Vorjahresmonat als bei vergleichbarem Speicherfüllstand nur rund 84 TWh netto eingespeichert wurden.
Schwaches Gasangebot im August
Das Gasangebot in Europa lag im August mit insgesamt 298 TWh um 8 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Maßgeblich verantwortlich dafür waren die niedrigen LNG-Aussendungen, die mit 83 TWh um 25 Prozent niedriger waren als im August 2023. Die LNG-Importe zeigten sich im August mit insgesamt 98 Lieferungen, gegenüber dem Vormonat nur geringfügig erholt (Juli 2024: 92 Lieferungen). Im Vorjahresmonat August 2023 wurden insgesamt 120 LNG-Lieferungen importiert.
Ein modifizierter Wartungskalender sorgte jedoch im August für starke Gasflüsse aus Norwegen. Der größte Produzent Europas lieferte umgerechnet 111 TWh Erdgas, im Vorjahresmonat waren es wartungsbedingt nur 99 TWh.
Gasmarktexperte Joachim Endress schreibt für die ZfK eine wöchentliche Kolumne. Gasnachfrage im Stromsektor steigt
Täglich aktualisierte Energiemarktdaten und -grafiken finden Sie hier im ZfK-Datenraum, der in Kooperation mit dem Berliner Datenspezialisten Energy Brainpool befüllt wird.
