Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo, das sich auf Fragen des Gasmarkts spezialisiert hat.

Grafik/Bild: © ZfK/Ganexo

Die durchschnittliche Tagestemperatur im April in Deutschland lag bei 11,7 Grad Celsius. Das waren rund 1,3 Grad mehr als im langfristigen Mittel. Die durchschnittliche Tagestemperatur mit 6,3 Grad im bisherigen Jahresverlauf liegt damit die rund 2 Grad über der Norm.

Die vor allem in der zweiten Monatshälfte auch in den anderen europäischen Ländern deutlich über der Norm liegenden Temperaturen sorgten für eine deutlich niedrigere Heizgasnachfrage als üblicherweise. In der EU und Großbritannien lag die Gasnachfrage im April insgesamt bei 284 Terawattstunden (TWh) rund 18 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Mittel und vier Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

Starke PV-Einspeisung sorgt für geringere Gasverstromung

Die Gaskraftwerke der EU-Länder produzierten im Durchschnitt im April 33 Gigawatt (GW) Strom, das waren circa 20 GW weniger als im Vormonat März. Dennoch waren das rund sechs GW mehr als im April 2024 und damit im Trend der zuletzt starken Gasnachfrage aus dem Strombereich.

Grund für die rückläufige Gasnachfrage im Strombereich war eine robuste Stromerzeugung aus den erneuerbaren Energien. Insbesondere die Stromgeneration aus Solarkraft stieg auf rund 36 GW und damit den höchsten Wert seit letztem August.

Robustes Gasangebot im April

Die Pipeline-Gasflüsse des Europas größten Gasproduzenten Norwegen lagen im April mit rund 106 TWh auf stabilem Niveau gegenüber dem Vormonat. Die Gasflüsse Norwegens machten damit im April rund 31 Prozent des Gesamtangebots aus.

Die Pipeline-Gaslieferungen aus Algerien zeigten sich im April wie auch in den zwei Vormonaten mit insgesamt rund 27 TWh schwach und auf dem tiefsten Stand seit letztem September. Im April 2024 lieferte Algerien noch rund 31 TWh Erdgas in die EU.

Russlands Gaslieferungen in die EU über die verbliebene Pipeline nach Bulgarien lagen mit rund 13 TWh auf dem niedrigen Niveau des Vormonats. Im Vorjahresmonat lagen die Lieferungen aufgrund der noch aktiven Transitlieferungen durch die Ukraine bei rund 28 TWh.

LNG-Importe in zweiter Monatshälfte deutlich erholt

Die Aussendungen der LNG-Terminals lagen im April mit 147 TWh zwar rund 11 TWh unter dem Rekordniveau des Vormonats. Dennoch waren es insgesamt 30 TWh mehr als im Vorjahresmonat April 2024.

Grund waren deutlich erholte LNG-Importe in der zweiten Monatshälfte, nachdem in der ersten Monatshälfte sich zunächst eine eher durchwachsene LNG-Importbilanz für den Monat abgezeichnet hatte.

Im April wurden insgesamt 135 LNG-Lieferungen an den LNG-Terminals der EU und Großbritannien importiert. Das waren 13 LNG-Tanker weniger als im Vormonat, aber dennoch ausreichend, um die monatliche Zielmarke von 130 bis 150 LNG-Tankern zu erfüllen.

Befüllung der EU-Gasspeicher auf Kurs

Der Füllstand der Gasspeicher der EU-Länder verbessert sich auf knapp 40 Prozent. Gegenüber dem Vormonat bedeutet das ein Plus von sechs Prozentpunkten. Damit wurden rund 60 TWh Arbeitsgas im April netto eingespeichert. Wegen der milden Temperaturen sorgte insbesondere die deutlich unter der Norm liegende Ausspeicherung für die positive Bilanz.

Sollten die Einspeicherungen in den nächsten Monaten auf der langfristigen Norm liegen, könnte der Füllstand der Gasspeicher der EU-Länder zum 1. November auf rund 85 Prozent steigen. Dies läge damit auf Kurs der zuletzt auf EU-Ebene diskutierten flexiblen Gasspeicherziele.

Gasspeicher Rehden fast leer

Die Befüllung der deutschen Gasspeicher verlief bisher eher schleppend. Der Füllstand verbesserte sich binnen eines Monats nur um drei Prozentpunkte auf 32 Prozent. Insbesondere im Speicher Rehden, dem größten Gasspeicher Deutschland wurde bisher praktisch nichts eingespeichert; der Speicher ist nur zu 3,5 Prozent gefüllt.

Einige Marktteilnehmer begründen die schwachen Einspeicherungen damit, dass einige Akteure sich bisher mit der Befüllung zurückgehalten hatten, da man auf staatliche Eingriffe zur Befüllung abgewartet hatte.

Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch die Senkung der Gasspeicher-Füllstandsziele für die Kavernenspeicher auf 80 Prozent und vieler Porenspeicher im Norden Deutschlands (darunter auch Rehden) auf 45 Prozent zum 1. November beschlossen. Mit den neuen Zielen sollen nun wieder genügend ökonomische Anreize geschaffen werden, um die Befüllung der Gasspeicher bis zum Winter zu sichern.

Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.

Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Speicherbefüllung erreicht Rekordtempo

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