In den letzten Wochen hat sich der Sommer-Winter-Spread, also der Preisunterschied der Sommer- und Winterkontrakte, pünktlich zum Beginn der Einspeicherungssaison deutlich erholt. Zwischen November und März lag der Sommer-Winter-Spread deutlich im Minus, mit Rekordwerten von minus 6 Euro je Megawattstunde (MWh) zu Beginn des Jahres.
Dies hielt viele Marktakteure davon ab, Speicherkapazitäten zu buchen und viele Speicherauktionen für den Sommer verliefen erfolglos. In diesem Monat sehen wir bisher eine deutliche Erholung des Spreads und der Preisunterschied zwischen Winter-25 und Q3-25 kehrt in den positiven Bereich zurück.
Veränderte Marktlage sorgt für positive Einspeicherungssignale
Einerseits führten die wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheiten und Rezessionsängste wegen der US-amerikanischen Zollpolitik zu Abwärtskorrekturen der Gasnachfrageprognose. Bleibt es bei den chinesischen Vergeltungszöllen gegen die USA, so gehen die Marktteilnehmer davon aus, dass dadurch mehr US-amerikanisches LNG auf den europäischen Markt fließen könnte.
Andererseits sorgten regulatorische Änderungen für eine veränderte Marktlage. Ein flexibleres Speicherbefüllungsziel steht im Europäischen Rat zur Verhandlung, was eine Verlängerung des Befüllungszeitraums bis 1. Dezember und eine Flexibilisierung des 90 Prozent-Befüllungsziels von 10 Prozent vorsieht.
Gasnachfrage fällt auf Jahrestief
Die europäische Gasnachfrage sinkt in dieser Woche mit rund 8 Terawattstunden (TWh) pro Tag auf den tiefsten Stand in diesem Jahr. Die zuletzt milden Temperaturen und moderate Gasnachfrage im Stromsektor ließen die Tageswerte fallen.
Das stabile Gasangebot sorgt damit in dieser Woche für hochlaufende Einspeicherungen in den Gasspeichern. Die Netto-Einspeicherungen der EU-Länder stiegen zuletzt auf rund 3,5 TWh pro Tag und damit den höchsten Stand in diesem Jahr. Der Füllstand der Gasspeicher der EU-Länder verbessert sich damit auf 37 Prozent.
LNG-Importe stabil, aber nicht gut genug
Im laufenden Monat wurden bisher 95 LNG-Lieferungen an den europäischen LNG-Terminals importiert. Bis zum Ende des Monats könnten es damit insgesamt rund 120 Lieferungen werden. Gegenüber dem Vormonat zeigen sich die LNG-Importe daher leicht schwächer, als insgesamt 148 LNG-Lieferungen importiert wurden.
Damit das 90 Prozent-Speicherziel bis zum 1. November erfüllt wird und um das Speicherfüllstanddefizit gegenüber dem Vorjahr auszugleichen, müssen in den Sommermonaten jeden Monat zwischen 130 bis 150 LNG-Lieferungen importiert werden. Im laufenden Monat sieht es aber bisher so aus, dass diese Marke verfehlt werden könnte.
Die asiatische Nachfrage zeigt sich in diesem Monat bisher fester als im Vormonat, Chinas und Südkoreas LNG-Importe legen gegenüber dem Vormonat leicht zu. Die Gaspreise am asiatischen JKM notieren im Vergleich zum niederländischen TTF rund 3 Euro/MWh teurer, im Vormonat lag der Spread noch bei rund der Hälfte.
Wartungssaison in Norwegen
Die Gasflüsse aus Norwegen zeigen sich in dieser Woche stabil mit rund 330 Millionen Kubikmetern pro Tag. In der nächsten Woche sollen laut Wartungsplan des norwegischen Betreibers Gassco die ersten Wartungen eines größeren Wartungsintervalls beginnen.
Mit den Wartungen an den Anlagen in Kårstø, Kollsnes und Troll sollen bis Ende der nächsten Woche die wartungsbedingten Kürzungen auf über 77 Millionen Kubikmeter steigen. Punktuell die größten Einschränkungen werden für Mitte Mai erwartet, wenn die Gasflüsse kurzfristig um über 180 Millionen Kubikmeter pro Tag gekürzt werden. Das Ende des nun anstehenden Wartungsintervalls ist für Anfang Juli geplant. Ein weiteres umfangreiches Wartungsintervall ist für den Monat September geplant.
Unser Kolumnist Joachim Endress ist Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Ganexo. Er analysiert wöchentlich die aktuellen Entwicklungen im Gasmarkt für das ZfK-Morning Briefing.
Der Titel seiner letzten Analyse lautet: Deutsche LNG-Terminals: Wo die Auslastung sehr hoch ist – und wo eher niedrig



