Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) und seine Partner EWE, FAUN und Westenergie fordern anlässlich der Veröffentlichung der gemeinsamen Publikation „Wasserstoff im kommunalen Einsatz“ von Bund und Ländern, die bestmöglichen Voraussetzungen für den Markthochlauf der Wasserstoffwirtschaft in den Kommunen zu schaffen. Dies sei im Interesse von Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und guter Lebensbedingungen für die Menschen in den Kommunen.
Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, ist überzeugt, dass Deutschlands Energie- und Verkehrswende vor Ort stattfindet. Die Kommunen und ihre Partner hätten einen hohen Anspruch zur CO2-Reduktion. Sie müssten in die Lage versetzt werden, vorhandene Infrastrukturen durch den Einsatz von Wasserstoff klimaschonend zu nutzen. „Durch eine Fokussierung auf den Einsatz in den Kommunen können Bund und Länder ihre Förderpolitik zugleich so ausgestalten, dass die Potenziale der Wasserstoffwirtschaft in der Fläche Deutschlands im Interesse gleichwertiger Lebensverhältnisse gezielt aktiviert werden. Alle maßgeblichen Akteure in Europa, Bund, Ländern und Kommunen müssen sich gemeinsam darauf konzentrieren, das Thema Wasserstoff schnell wirtschaftlich voranzubringen. Die Ankündigung der Ampel-Koalition, die Wasserstoffinfrastruktur mit Ziel eines schnellen Markthochlaufs weiter fortzuschreiben und insbesondere den Wasserstoff zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit durch Gaskraftwerke einzusetzen, muss konsequent umgesetzt werden“, so der Verbandschef.
Erneuerbare speicherbar machen
Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, fordert mehr Tempo bei der Umsetzung. „Im Wasserstoff sehen wir eine optimale Möglichkeit, erneuerbare Energien aus Wind und Sonne rund um die Uhr nutzbar sowie speicher- und transportfähig zu machen. Deshalb geht es jetzt vor allem darum, Wasserstofftechnologie marktrelevant zu skalieren und in das deutsche und das europäische Energiesystem zu integrieren.“ Nun komme es darauf an, mit aller Kraft auch vor Ort Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Großprojekte der Industrie schnell umgesetzt werden können. „Denn wenn wir die Klimawende schaffen wollen, dürfen wir jetzt keine Zeit verlieren.“
Für Westenergie-Chefin Katherina Reiche ist Wasserstoff keine Option, sondern ein Muss. Er sei in mehrfacher Hinsicht ein Zukunfts-Treibstoff: als Energieträger, als Material für klimaneutrale Grundstoffe, als Katalysator für neue Technologien und Anwendungen sowie als Kern eines neuen, großen Marktes, um den ein internationales Wettrennen entstanden sei. „In Deutschland sind dabei die Gasnetze unser Ass im Ärmel für eine zügige regionale Clusterbildung. Das ist unsere Abkürzung auf dem Weg in ein klimaneutrales Deutschland.“ Es sei erfreulich, dass die neue Bundesregierung beim Wasserstoff in die richtige Richtung will. Sie bekenne sich zu einem schnellen Markthochlauf und wolle dafür eine technologieoffene Ausgestaltung der Regulatorik. Weitere Schritte müssten folgen, führt Reiche aus. „Die Gasnetze etwa brauchen eine Transformationsgarantie und die Unternehmen mehr Investitionssicherheit im Rahmen der Netzregulierung. Denn wer in Energienetze investiert, investiert in die Energiewende. Und das muss sich auch wirtschaftlich lohnen.“
Verkehrswende schaffen
Für Patrick Hermanspann, CEO FAUN Gruppe, hat der Verkehrssektor einen entscheidenden Anteil am Absatzmarkt für Wasserstoff und damit am schnellen Markthochlauf der Technologie. „Es ist wichtig, dass wir zeitnah noch mehr Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb auf die Straße bekommen. Wir haben bereits umfangreiche Erfahrungen bei der Ausrüstung von Abfallsammelfahrzeugen mit dem Brennstoffzellensystem BLUEPOWER gemacht.“ Eine Übertragung auf weitere Nutzfahrzeuge im Waren- und Verteilverkehr sei kein Problem. Hier sei es die Aufgabe, ausreichend Produktionskapazitäten zu schaffen. Die Kombination aus Fahrzeugen und dezentraler H2-Versorgung biete den Anwendern ein Rundum-sorglos-Paket, und das müsse das Ziel sein. Wasserstoff-Förderprojekte der Regierung und die Nationale Wasserstoffstrategie seien Basis dafür, dass künftig große Mengen des Energieträgers verfügbar sind. „Dadurch werden Brennstoffzellen-Antriebe auch für den Last- und Verteilverkehr interessant. Denn der Wasserstoff-LKW mit Brennstoffzelle ist genauso flexibel, wie ein heutiger Diesel-LKW. Er kann genauso schnell betankt werden und muss keine schweren Batteriepakete mit sich herum schleppen.“
Die Dokumentation beabsichtigt nach Aussage der Autoren, die kommunalen Anwendungsmöglichkeiten für Wasserstoff aufzuzeigen. Ziel soll es sein, bei der kommunalen Planung der Daseinsvorsorge und Infrastruktur die Entwicklungen der Wasserstoffwirtschaft zu berücksichtigen. Eine frühzeitig etablierte grüne Wasserstoffkreislaufwirtschaft werde nicht nur die Klimaziele der Kommunen fördern, sondern auch Alternativen zur Elektromobilität und Batteriespeichertechnologie aufzeigen, heißt es in einer Pressemitteilung.
Praktische Hinweise für die Umsetzung
Um die Anwendungsmöglichkeiten der Wasserstofftechnologie besser vor Ort ausgestalten zu können, liefert die Dokumentation eine Übersicht über die aktuellen technischen Bedingungen für eine funktionierende Wasserwirtschaft. Gleichzeitig werden wichtige Hinweise für die Umsetzung, Finanzierung und Bewirtschaftung vorgestellt.
Für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft verfügt Deutschland über ausreichende Infrastrukturen. Die energiewirtschaftlichen Partner der Dokumentation zeigen anhand ihrer aktuellen Projektregionen und -anlagen mögliche Anwendungsbeispiele, die sich in bereits vorhandene Versorgungsstrukturen anpassen und integrieren lassen. Auch zeigen die Projekte, dass es nicht „die Wasserstoffkreislaufwirtschaft“ gibt, sondern die unterschiedlichen Potenziale aller Regionen in Deutschland individuell berücksichtigt werden sollten. So bieten bestimmte Regionen gute geologische Speichermöglichkeiten für Wasserstoff, wohingegen in anderen Landstrichen ein Abtransport bzw. der unmittelbare Verbrauch wirtschaftlicher erscheint, so die Autoren der Publikation unisono. (amo)



