Die Projektpartner preschen voran, pochen aber auf gute politische Weichenstellungen beim "grünen Wasserstoff".

Die Projektpartner preschen voran, pochen aber auf gute politische Weichenstellungen beim "grünen Wasserstoff".

Bild: © Peterschreiber.media/AdobeStock

Immer mehr Unternehmen setzen auf die Wasserstofftechnologie: Bis 2040 sollen rund um den Globus Anlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 210 Gigawatt in Betrieb genommen werden - 1000-mal so viel wie derzeit in Betrieb sind. Deutschland ist dabei Spitzenreiter: Fast ein Viertel der weltweiten Projekte sind hier geplant, das Land führt zudem das Ranking der attraktivsten Länder für Wasserstoff-Investitionen an. Das ist das Ergebnis der neuesten Ausgabe des Hydrogen Market Attractiveness Report (HyMAR) von Aurora Energy Research, für den das Energiemarktanalyseunternehmen halbjährlich den weltweiten Markt für Wasserstoffprojekte untersucht.

"Um Netto-Null-Emissionen zu erreichen, müssen in den kommenden Jahrzehnten sämtliche Sektoren der Wirtschaft auf kohlenstofffreie Energiequellen umgestellt werden", erläutert Hanns Koenig, Head of Comissioned Projects, Central Europe von Aurora Energy Research, in einer Pressemitteilung. Besonders in Bereichen, die die Klimaneutralität anders nicht oder nur schwer erreichen können, werde dabei Wasserstoff eine wichtige Rolle spielen.

32 Mio. Tonnen Wasserstoff pro Jahr

"Unsere Marktanalyse zeigt, wie schnell die Unternehmen auf diese Chance reagieren und neue Wasserstoffproduktionsanlagen entwickeln", sagt Anise Ganbold, Global Energy Markets Lead von Aurora Energy Research: "Wir haben in unserer globalen Elektrolyseur-Datenbank derzeit Projekte mit einer Gesamtleistung von 213,5 GW, die bis zum Jahr 2040 realisiert werden sollen. Das ist das Tausendfache der derzeit installierten Kapazität. Sollten all diese Projekte in Betrieb gehen, könnten sie bis zu 32 Millionen Tonnen Wasserstoff pro Jahr produzieren, was bereits die Hälfte des heutigen Wasserstoffbedarfs ausmacht."

Mit 23 Prozent der bis 2040 angedachten Projekte ist Deutschland weltweiter Spitzenreiter, auf Europa insgesamt entfallen 85 Prozent. Der Vergleich mit den europäischen Zielen zeigt laut der Analyse jedoch auch, dass wohl ein großer Teil der Projekte nicht oder erst nach 2030 realisiert werden wird, es sei denn, die Ziele werden erhöht. Viele der Projekte seien noch in einer sehr frühen Konzeptphase, andererseits gebe es auch sehr konkrete Planungen: So sollen bis 2030 allein in Deutschland mehr als 9 GW, in den Niederlanden 6 GW und in Großbritannien 4 GW in Betrieb gehen - Tendenz steigend.

Anlagen werden immer leistungsfähiger

Auch die Größe der einzelnen Elektrolyseur-Projekte wächst schnell, für die Autoren der Analyse ein Zeichen dafür, dass die Technologie und die Lieferkette reifer werden. Heutzutage haben die meisten Elektrolyseure Leistungen von unter 10 Megawatt (MW). Schon 2025 wird eine typische Anlage 100 bis 500 MW leisten und Wasserstoff für direkt angeschlossene Verbraucher erzeugen, heißt es. Bis 2030 werden die Anlagegrößen auf 1 GW und mehr steigen, verbunden mit groß angelegten Projekten, die in Ländern mit billigem Strom Wasserstoff für den Export produzieren.

Basierend auf Kriterien wie Politik, Anreizsysteme, Produktionskosten und voraussichtlichen Zentren der Wasserstoffnachfrage behält Deutschland laut der Analyse den Spitzenplatz als attraktivster Markt für entsprechende Projekte. "Allerdings stellen inzwischen auch andere Länder ambitionierte Wasserstoffpläne vor und holen auf", sagt Ganbold.

Rahmenbedingungen sind nicht ideal

Insgesamt werten die Studienautoren die Ergebnisse ihrer Analyse als Zeichen dafür, dass die schnelle Entwicklung einer Wasserstoffinfrastruktur in den kommenden Jahren immer wahrscheinlicher wird. Allerdings gebe es neben ehrgeizigen Plänen in vielen Ländern auch noch erhebliche Hürden bei den Rahmenbedingungen: Von Bürokratie, über mangelnde Richtlinien bis hin zu kontraproduktiven Anreizen. Auch die erhebliche Kostendiskrepanz zwischen der "grünen" Wasserstoffproduktion aus Elektrolyseuren und den bestehenden, CO2-intensiven Wasserstoffquellen bleibe vorerst bestehen.

Unternehmen, die in Elektrolyseur-Projekte investieren, müssen sich Gedanken machen, welches Geschäftsmodell sie damit verfolgen und wie sie ihr Vorhaben dafür optimal gestalten, so die Verfasser der Analyse. Das betrifft sowohl die genutzten Energiequellen als auch den Abnehmer des produzierten Wasserstoffs. Die meisten Projekte in Auroras Elektrolyseur-Datenbank werden Windkraft nutzen, gefolgt von Solarenergie; ein kleiner Teil plant die Nutzung von Netzstrom. Als Endverbraucher wird in den meisten Fällen die Industrie genannt, gefolgt von der Mobilität.

Wichtige Schlüsselfaktoren

"Der Erfolg von grünem Wasserstoff aus Elektrolyse wird von zwei Schlüsselfaktoren abhängen", sagt Koenig: "Zum einen sind das die Stromkosten, die den größten Teil der Produktionskosten ausmachen. Und zum anderen die CO2-Bilanz, die entscheidend ist, ob der erzeugte Wasserstoff als klimafreundlich gelten kann." Beim Preis für Strom aus dem Netz dürfte Frankreich bis 2040 am günstigsten sein. Bei der CO2-Intensität werden die Stromnetze in Norwegen, Schweden und Frankreich am besten abschneiden.

"Nur in diesen Ländern werden mit Netzstrom betriebene Elektrolyseure wohl die relativ strengen Grenzwerte einhalten, die die EU bis 2030 für das Label "nachhaltiger" Wasserstoff plant", sagt Koenig. "Die Alternative zur Minderung des CO2-Fußabdrucks ist, sich vom Netz zu entkoppeln und sich direkt mit Grünstrom aus Wind, Sonne und Wasser zu versorgen, zum Beispiel über PPAs." (amo)

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