"Die Gaswirtschaft zeigt auf der Zukunftswerkstatt was sie kann und wohin sie will", sagte Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Erdgas. Die Bandbreite der präsentierten zehn Projekte reicht von einer nachhaltigeren und effizienteren Gasförderung mittels "Big Data"-Nutzung und 3D-Simulierung über das Carsharing von Erdgasautos von Your Car in Göttingen und Rostock, bis zur Wasserstoffnutzung aus Windstrom für die Chemieindustrie im Energiepark Bad Lauchstädt von VNG Gasspeicher und Uniper.
Vorreiter sind auch die Stadtwerke Haßfurt in Unterfranken. Seit 2016 betreiben sie bereits einen 1,25-Megawatt-PEM-Elektrolyseur, der aus dem überschüssigen Strom eines örtlichen 31-MW-Windparks des kommunalen Unternehmens Wasserstoff herstellt. Dieser wird mit einer bis zu zehnprozentigen Beimischung ins Erdgasverteilnetz eingespeist und bundesweit über den Kooperationspartner Greenpeace Energy mit einem freiwilligen Aufpreismodell als Windgas vermarktet.
BHKW wird erstmals mit Wasserstoff betrieben
Im Juni dieses Jahres gingen die Stadtwerke noch einen Schritt weiter und erweiterten diese Power-to-Gas-Anlage (PtG) um ein Wasserstoff-Blockheizkraftwerk. Das BHKW wird über eine eigene Leitung aus der PtG-Anlage mit Wasserstoff versorgt und produziert daraus Strom und Wärme. "Gegenüber dem bisher umgesetzten Stand der Technik erlaubt dies eine echte Rückverstromung des regenerativ gewonnenen Wasserstoffs ohne fossile Brennstoffanteile", so Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Zösch. In den Zeiten, in denen kein überschüssiger Windstrom zur Elektrolyse vorhanden sei, werde das BHKW jedoch mit Erdgas gefahren.
Die Kooperation mit Greenpeace Energy zahle sich vor allem nach einer zehnjährigen Amortisationsphase des Elektrolyseurs wirtschaftlich aus, unterstrich Zösch im Gespräch mit der ZfK. Denn dann stehe der produzierte Wasserstoff ja praktisch kostenfrei zur Verfügung, bei einer angenommenen Laufzeit des Elektrolyseurs von 25 Jahren. Zudem plane man eine Hochskalierung der Anlage sowie weitere Windparks im Landkreis Haßberge, auch um künftig noch mehr regenerativen Wasserstoff unter anderem zur Überbrückung von Dunkelflauten produzieren zu können. Realisiert werden sollen zudem Großbatteriespeicher. Weitere Aktivitäten plant das Stadtwerk im Rahmen der "Smart Green City"-Initiative der 17.000 Einwohner zählenden Kommune. Dieses Projekt wird mittlerweile vom Bund mit über 11 Millionen Euro gefördert.
Brennstoffzellenheizung im Kombipack mit dem E-Kleinwagen bei der Stawag
Einer der Vorreiter bei der modularen Brennstoffzellen-Technologie ist Solidpower aus dem nordrhein-westfälischen Heinsberg. Bisher installierte das Unternehmen laut Vertriebsmitarbeiter Andreas Uhlenhoff schon mehr als 15.000 Brennstoffzellenheizgeräte. Der elektrische Wirkungsgrad des bei der Veranstaltung präsentierten Bluegen BG-15 mit 1,5 Kilowatt liegt bei 57 Prozent. Die Anlage erzeugt Strom und Wärme und kann auch mit weiteren Strom- und Heizsystemen kombiniert werden. Derzeit würden die Geräte überwiegend mit Erdgas oder auch Biomethan betrieben, eine Umrüstung auf Wasserstoffbetrieb sei jedoch einfach möglich, sagte Uhlenhoff im Gespräch mit der ZfK.
Amortisationszeit von sechs bis sieben Jahren
Rund 25.000 Euro kostet ein Bluegen derzeit, dafür gibt es einen Zuschuss von etwas über 12.000 Euro. Die Amortisationszeit liegt – die Förderung eingerechnet – bei sechs bis sieben Jahren, so Uhlenhoff. Die Stromerzeugungskosten des Brennstoffzellengeräts belaufen sich laut seinen Angaben auf circa 12 Cent pro Kilowattstunde, jährlich könnten so 2400 Euro an Kosten für Tarifstrom und Wärme eingespart werden.
Die Lebensdauer der Brennstoffzellen-Stacks liege bei fünf bis sieben Jahren, sie würden im Rahmen eines 10-jährigen Wartungsvertrags jeweils ausgetauscht und wiederverwendet. Vertrieben wird der Bluegen mittlerweile auch über Bosch-Buderus sowie über Stadtwerke wie die Stawag. Die Aachener bieten die Brennstoffzellenheizung im Kombipack mit dem E-Kleinwagen E-Go Life an, berichtete Uhlenhoff. In Gesprächen über eine Vertriebskooperation sei man unter anderem mit der Thüga. (hcn)
