Eine zeitliche Konkretisierung der im Aktionsplan Stromnetz vorgesehenen Maßnahmen zur Netzstabilisierung fordert Stefan Mischinger, Netzexperte der Deutschen Energie-Agentur (Dena). Für den Donnerstag (20. September) hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die zuständigen Minister der Bundesländer zum Netzgipfel nach Berlin eingeladen, um mit ihnen das weitere Vorgehen zu besprechen.
„Vor allem sollte es nun darum gehen, konkret Maßnahmen für ein verbessertes Engpassmanagement auf den Weg zu bringen, um die hohen Redispatchkosten zu reduzieren“, unterstrich Mischinger im Gespräch mit der ZfK. Hierbei sollten nach Maßnahmen und Innovationen unterschieden werden, die jetzt schon technisch verfügbar sind und solchen, die noch in Entwicklung sind, schlägt Mischinger vor. In beiden Fällen sollten Umsetzungsziele und Zeitrahmen konkretisiert werden.
Mehr Transparenz bei der Umsetzung des Freileitungsmonitoring
Handlungsbedarf sieht Mischinger auch bei einer Konkretisierung der flächendeckenden Umsetzung des Freileitungsmonitoring. „Hier sollte dringend mehr Transparenz hergestellt werden, teils haben wir hier noch eine diffuse Situation“, so der Dena-Experte. Mischinger begrüßt, dass die meisten der kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen für eine verbesserte Auslastung der Stromnetze, welche eine Analyse unter Leitung der Dena und des BET vor zwei Jahren aufzeigte, nun in den Aktionsplan eingeflossen sind. Diese gelte es nun weiter schrittweise umzusetzen.
Grundsätzlich begrüßt Mischinger den Ansatz des Aktionsplans für eine Kombination von Netzausbau und Netzoptimierung. Ergänzt werden sollte dies jedoch durch wirksame Anreize für mehr Flexibilitätsnutzung und Flexibilitätstechnologien, vor allem auf Verteilnetzebene. „Im Kern geht es um eine Anpassung der regulatorischen Rahmenbedingungen wie den Netzentgelten“, so Mischinger. Um dies möglichst noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg zu bekommen, rief die Dena jüngst eine Initiative für Netzflexibilität ins Leben.
Dringlichkeit des Netzausbaus vor Ort verstärkt kommunizieren
Den morgigen Netzgipfel hält Mischinger für „sehr, sehr wichtig“, um die Länder stärker einzubeziehen, ein gemeinsames Problemverständnis zu entwickeln und gemeinsam Lösungen zu finden. „Es sollte auch darum gehen, dass den Bürgern die Dringlichkeit des Netzausbaus vor Ort noch stärker kommuniziert wird, unabhängig von den spezifischen Länderinteressen“, so Mischinger. Schließlich „sitzen wir alle in einem Boot und allein dezentral kann das Problem nicht gelöst werden“, sagt der Dena-Experte. (hcn)
Eine ausführlichere Analyse des Aktionsplans Stromnetz finden Sie in der aktuellen September-Ausgabe der ZfK.
