Geht ab wie eine Rakete: Mit dem Netzbooster-Konzept könnten Engpässe kurzfristig und kostengünstiger überbrückt werden als mit bisher konventionellen Methoden üblich.

Geht ab wie eine Rakete: Mit dem Netzbooster-Konzept könnten Engpässe kurzfristig und kostengünstiger überbrückt werden als mit bisher konventionellen Methoden üblich.

Bild: © 3dsculptor/AdobeStock

Der von TransnetBW geplante Netzbooster im Raum Kupferzell ist von der Bundesnetzagentur (BNetzA) bestätigt worden. Der Übertragungsnetzbetreiber hat diese neue Technologie im Netzentwicklungsplan (NEP) 2030, Version 2019 erstmals vorgeschlagen.

Denn in diesem NEP 2030 sind auch Innovationen berücksichtigt, die sich in den kommenden Jahren durch den technologischen Fortschritt ergeben könnten. Neben Power-to-X-Anlagen und einem weiterentwickelten witterungsabhängigen Freileitungsmonitoring wurden auch Prototypen von sogenannten Netzboostern berücksichtigt, die eine höhere Auslastung besonders belasteter Stromkreise ermöglichen sollen, ohne dass dabei die Netzsicherheit gefährdet wird.

Das Konzept Netzbooster

Unter dem Netzbooster versteht man einen Kraftschub für das Stromnetz. Ziel ist es, so Netzengpässen entgegenzuwirken und dadurch Redispatchkosten zu reduzieren.

Besteht das Risiko, dass durch den Ausfall eines Betriebsmittels – etwa, wenn bei Sturm eine Leitung durch umfallende Bäume beschädigt wird – die Belastung umliegender Leitungsstrecken zu groß wird, werden heute präventiv Redispatchmaß- nahmen durchgeführt, sodass eine netzsicherheitsgefährdenden Situation verhindert wird. Diese Risikoabsicherung ist notwendig, aber auch teuer.

Kurativer Redispatch als mögliche Lösung

Da Betriebsmittelausfälle in dieser Risikobetrachtung nur mit einer geringen Wahrscheinlichkeit eintreten, wäre ein kurativer Redispatch denkbar, der erst zum Einsatz kommt, wenn der Fehler tatsächlich auftritt. Hier setzt das Netzbooster- Konzept an: Es beinhaltet eine Last –  beispielsweise eine Power-to-Head-Anlage oder abregelbare Erzeuger – am Anfang und eine schnelle Stromquelle – zum Beispiel eine große Batterie – am Ende einer Leitungsstrecke, die bei Netzstörungen besonders hoch ausgelastet, also engpassgefährdet, ist.

Der Boster kommt zum Einsatz, wenn eine Leitung ausfällt und der dadurch hervorgerufene Netzengpass die umliegenden Leitungsstrecken zu überlasten droht, also eine Leitungsauslastung im Fehlerfall von mehr als 100 Prozent.

Wie es funktioniert

Dann speist die Batterie innerhalb weniger Sekunden Energie aus. Gleichzeitig wird am anderen Ende durch eine Last der ankommende und nicht mehr weiter zu transportierende Strom aufgenommen. Die thermische Grenze für die überlastete Leitung wird dadurch eingehalten. Durch die Auswahl der Kombination Einspeiser/Ausspeiser kann die Richtung des Stroms ausgewählt werden.

Der Systemführer hat so mehr Zeit dafür, konventionelle Maßnahmen einzuleiten. Dadurch, dass der Booster so schnell reagiert, wird die Zeit zwischen einer tatsächlich eintretenden Überlastung und dem Wirksamwerden von konventionellen Maßnahmen überbrückt. Präventive und damit teure Redispatch-Maßnahmen wären dann für bestimmte Anwendungsfälle nicht mehr nötig, so Transnet BW.

Netzknoten Kupferzell

Damit könnten Leitungsstrecken näher an ihrer maximalen Übertragungskapazität betrieben werden, ohne die Netzsicherheit zu gefährden, verdeutlicht Transnet BW.

Aufgrund der hohen Auslastung im Bereich des Netzknotens Kupferzell, die in den kommenden Jahren noch steigen soll, könnte der Netzbooster hier seine Wirksamkeit entfalten, so der ÜNB. Der geplante Netzbooster soll auf eine Leistung von 250 Megawatt kommen.
 
Mit der Bestätigung des Projekts durch die BNetzA geht das Projekt nun in das Verfahren zur Aufnahme in den Bundesbedarfsplan ein. (sg)
 

 




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