Mit EnBW, BayWa und Man Solutions waren drei Unternehmen auf dem Handelsblatt Energiegipfel zu Gast, die mit zahlreichen Projekten maßgeblich die Energiewende mitgestalten. Genau deshalb eint sie auch die Haltung, dass das Energiesystem bei zunehmender Enerneuerbaren-Erzeugung flexibler werden muss, um weiterhin stabil zu bleiben. Schlüsseltechnologien hierfür seien Speichertechnologien, genau wie Power-to-X-Verfahren und flexible Verbraucher. Noch blockieren allerdings staatliche Regularien diese Ansätze, während marktliche Anreize fehlen – für die Diskussionsteilnehmer eine Kombination, die Deutschland im internationalen Vergleich als Standort für Investitionen in die Energiewende nicht gerade attraktiv machen.
Aus Sicht von Matthias Taft, Mitglied des Vorstandes der BayWa AG und CEO der BayWa r.e.-Gruppe ist der CO2-Preis entscheidende für die Innovationskraft in Deutschland: „Die CO2-Bepreisung hebt die Strompreise auf ein entsprechendes Niveau, sodass Power-to-X-Technologien eine Chance haben.“ Dennoch gebe es in diesem Bereich noch weit mehr Entwicklungspotenzial, allerdings müssten hierfür Stromsteuer und die EEG-Umlage für entsprechende Projekte reduziert werden.
Finanzielles Risiko für Investoren
Was die aktuelle Strompreisgestaltung für die Praxis von Projektierern und Investoren bedeutet, verdeutlicht Uwe Lauber, CEO von MAN Energy Solutions. „Wir reden zwar alle grün, aber mit dem politischen Rahmen, den wir heute haben, kommen wir nicht weiter“. Es sei ein gravierendes Umdenken in der Politik gefragt, denn Strom, der wie in Deutschland mit einer EEG-Umlage „verteuert“ wird, hindere daran, neue Technologien im Markt zu etablieren. Schließlich sind Power-to-X-Erzeugnisse, sowie beispielsweise synthetische Kraftstoffe rund vier Mal teurer als das konventionelle Pendant. „Wer soll das bezahlen“, fragt Lauber und spielt damit auf die fehlenden finanziellen Anreize für Verbraucher und damit auf das Risiko der Refinanzierung von Projekten an.
Die Strompreisgestaltung ist jedoch nicht nur entscheidend für den Markthochlauf von Speichertechnologien und Flexibilitätsoptionen, sondern auch ein wesentlicher Faktor für möglichst selbsttragende Finanzierung der Energiewende. Die CO2-Bepreisung habe zu höheren Großhandelspreisen geführt, dadurch seien Projekte nun auch ohne staatliche Förderung konkurrenzfähig, so Taft. Bestes Beispiel hierfür: PV-PPAs. Auch für den Zubau von Wind an Land wäre das möglich, aber hier bietet der Gesetzgeber nach wie vor Ausschreibungen mit einem Vergütungsniveau an, das keinen Anreiz gibt, Vorhaben jenseits des EEGs zu finanzieren.
Der Süden ist gefragt
Dass die Inegration der Erneuerbaren allerdings nicht nur über Flexibilität zu erreichen, ist verdeutlicht Peter Heydecker, Executive Director Trading bei EnBW. Während der Onshore-Zubau schwächelt, legt die installierte Leistung auf See deutlich zu. „Wir haben ein massives Nord-Südgefälle, das weiter zunehmen wird, was wir schon heute an den Redispatchkosten sehen.“ Um die volkswirtschaftlichen Folgen einzudämmen, brauche es laut Heydecker, einerseits den Netzausbau, aber auch deutlich mehr Erneuerbaren-Produktion- und reserven in Süddeutschland, sowie mehr Stromaustausch mit den Nachbarländern. Dann gäbe es keinen Grund zur Sorge. (ls)

