Stromnetz Berlin hat ein Portal für die Anmeldung und Abwicklung gemeinschaftlicher Gebäudeversorgungen (GGV) freigeschaltet. Anlagenbetreibende können dort unter anderem neue Photovoltaikanlagen anmelden, bestehende Messkonzepte ändern und später die Teilnehmenden der GGV verwalten.
Der Berliner Verteilnetzbetreiber bildet auf seiner Website insgesamt zehn Schritte ab, von der Prüfung der Voraussetzungen über die Anmeldung der Erzeugungsanlage und den Einbau intelligenter Messsysteme bis zur laufenden Verwaltung und Abrechnung. Stromnetz Berlin schreibt, die Bearbeitung erfolge wegen der erwarteten Nachfrage nach einem "standardisierten Verfahren, das Transparenz und Diskriminierungsfreiheit gewährleistet".
Einbau von Smart Metern ohne Zusatzkosten
Die GGV nach § 42b des Energiewirtschaftsgesetzes ermöglicht es, Solarstrom innerhalb eines Gebäudes oder einer zugehörigen Nebenanlage gemeinschaftlich zu nutzen. Die teilnehmenden Haushalte beziehen ihren restlichen Strom weiterhin von einem frei gewählten Lieferanten. Voraussetzung für die energiewirtschaftliche Zuordnung sind unter anderem viertelstündliche Messwerte.
Stromnetz Berlin bietet an, bei einer Beauftragung als grundzuständiger Messstellenbetreiber alle betroffenen Messstellen mit intelligenten Messsystemen auszustatten. Für den Einbau sollen keine zusätzlichen Einbaukosten anfallen.
Alternativ können Anlagenbetreibende einen wettbewerblichen Messstellenbetreiber beauftragen. Auch die Anmeldung der Teilnehmenden erfolgt anschließend über das Portal. Änderungen sind nach den Angaben des Netzbetreibers einmal monatlich möglich und müssen mindestens 14 Kalendertage vor dem gewünschten Wirksamkeitsdatum eingereicht werden.
Netzbetreiber übernimmt nicht alle Aufgaben
Die digitale Strecke nimmt den Anlagenbetreibenden allerdings nicht sämtliche Aufgaben ab. Für die Abrechnung stellt Stromnetz Berlin – sofern das Unternehmen als Messstellenbetreiber beauftragt wurde – die Messwerte der Erzeugungsanlage und der teilnehmenden Mietparteien in 15-Minuten-Auflösung bereit.
Die Zuordnung der PV-Strommengen zu den einzelnen Teilnehmenden übernimmt der Netzbetreiber nach eigenen Angaben nicht: "Wir stellen keine berechneten PV-Strommengen je Teilnehmenden bereit", heißt es.
Das Portal ist damit ein sichtbarer Schritt zur Standardisierung der GGV-Abwicklung. Bundesweit dürfte der Netzbetreiber aus der Hauptstadt damit eine Vorreiterrolle einnehmen. Wie die ZFK vorab erfuhr, wird die Plattform "VNB-Transparenz" Stromnetz Berlin als ersten Verteilnetzbetreiber in Deutschland zum sogenannten "Champion" aufstufen.
Laut der Plattform ermöglicht bislang kein anderer Netzbetreiber die massentaugliche Umsetzung von GGV-Projekten. "VNB-Transparenz" wertet Rückmeldungen von Projektbetreibern aus, also etwa, wie schnell sich Netzbetreiber auf Anfragen zurückmelden und ob Messwerte ohne zusätzliche Kosten verrechnet werden. Die Einstufungen von Netzbetreibern reichen dabei von "Verhinderern" bis hin zu "Champions".
