Bis zu 6000 Windkraftanlagen fallen in den kommenden Wochen aus der EEG-Vergütung. Eine Weiterbetriebsmöglichkeit ist der Abschluss eines PPAs. Eine aktuelle Umfrage der ZfK zeigt: Die Portfolios der Direktvermarkter steigen in diesem Bereich, auch wenn 2020 aufgrund der Corona-Pandemie und der verzögerte EEG-Novelle viele Unsicherheiten bereitgehalten hat.
Die Naturstrom AG hat ihr Portfolio bis zum Jahresbeginn auf 250 MW an Post-EEG-Windkraftanlagen ausgebaut. Weitere 75 MW liefern neu errichtete Solarparks. Die Düsseldorfer rechnen dieses Jahr mit einem Erzeugungsumfang von 245 Mio. kWh. Das Unternehmen plant dieses Jahr mehre größere Solarparks ohne Förderung und in Eigenregie zu bauen und über PPAS zu vermarkten.
EEG setzt nicht genug auf den Markt
PPAs sind das Trendthema in der Direktvermarktung. Laut ZfK-Umfrage ist fast jedes Unternehmen der knapp 50 Befragten, in diesem Bereich aktiv oder plant dies. Einer der Marktführer in diesem Bereich ist die BayWa r.e., sie hat mehrere, neue Solarparks in ganz Europa und Ü20-Anlagen unter Vertrag. Das novellierte EEG trübt allerdings die Geschäfte: „Es ist bedauerlich, dass durch die Anschlussförderung für ausgeförderte Windenergieanlagen über eine Einspeisevergütung im EEG 2021 das PPA-Segment geschwächt wurde. Aus unserer Sicht hätte es auch Möglichkeiten gegeben, die Anschlussförderung PPA-kompatibel auszugestalten“, heißt es von dem Direktvermarkter.
Ein weiteres Hemmnis für den neuen Markt brachte die Corona-Pandemie und die dadurch eingebrochenen Börsenstrompreise: So sei die Bereitschaft bei Anlagenbetreibern längerfristige Verträge für den Weiterbetrieb abzuschließen aufgrund des niedrigen Preisniveaus äußerst gering gewesen, so die Stadtwerke München. Aber auch Neubau-PV-Projekte haben Corona zu spüren bekommen, wie die Münchner erklären: Das Preisniveau bei PV-PPAs sei zu Beginn des vergangenen Jahres an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit gewesen, der Preiseinbruch habe dies dann verzögert.
Kostenbewusstsein wird wachsen
Bei Quadra Energy hat man die Post-EEG-Ära mit einem ordentlich Wachstumsschub im Portfolio eingeleitet. 600 MW an ausgeförderten Windkraftanlagen hat das Unternehmen in Petto. Statkraft, als der größte Direktvermarkter wiederum vermarktet 320 MW im Rahmen von PPAs und wagt einen Blick in die Zukunft: „Langfristig sehen wir, dass PPAs immer mehr geförderte erneuerbare Energieanlagen ablösen werden. Dabei wird dann die Frage des Kostenbewusstsein beim Betrieb der Anlagen stärker in den Vordergrund rücken. Z.B. bei der Instandhaltung: flexiblere Wartungsverträgen bieten auch mehr finanzielle Flexibilität, was sich positiv auf die Betriebskosten auswirkt.“ Statt eine Jahrespauschale an das Wartungsunternehmen zu zahlen, bestehe beispielsweise die Möglichkeit, Verträge auf Grundlage gelaufener Megawattstunden zu schließen.
Die Post-EEG-Ära startet trotz weltweiter Pandemie und wenig marktorientiertem EEG dennoch erfolgreich und beweist einmal mehr: Die Erneuerbaren sind konkurrenzfähig. (lm)
