Deutschland ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres durch Abregelung gut fünf Prozent des Erneuerbaren-Stroms verloren gegangen. Bei Windstrom auf See war es sogar fast ein Viertel. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage hervor, die der Linken-Abgeordnete Ralph Lenkert gestellt hatte.
Demnach waren Anlagenbetreiber in den norddeutschen Bundesländern besonders häufig von Stromproduktionsreduktionen im Rahmen des Netzengpassmanagements oder Redispatchs betroffen. Am meisten Erneuerbaren-Strom wurde in Niedersachsen abgeregelt (1,7 Terawattstunden, kurz TWh). Es folgten Schleswig-Holstein (1,0 TWh) und Brandenburg (0,3 TWh).
3,6 TWh Erneuerbaren-Strom bundesweit abgeregelt
Praktisch kein Erneuerbaren-Strom musste in Baden-Württemberg (430 Megawattstunden, kurz MWh), Rheinland-Pfalz (2075 MWh) und Hessen (7373 MWh) abgedreht werden.
Insgesamt wurden knapp 3,6 TWh Erneuerbaren-Strom bundesweit abgeregelt. Am stärksten waren Windkraftanlagen auf See betroffen (2,2 TWh). Es folgten Windkraftanlagen an Land (1,2 TWh) und Photovoltaik (0,1 TWh).
Zwei Kuppelleitungen ganz vorn
Netzexperten dürfte es kaum überraschen, dass im ersten Quartal 2023 vor allem Windkraftanlagen an See abgeregelt werden. So war der Netzabschnitt Dörpen bis Hanekenfähr, der Strom von der Nordsee Richtung energieintensives Nordrhein-Westfalen leitet, im ersten Quartal 2023 mit Abstand am stärksten überlastet. In diesem Gebiet treffen sich zudem die Regelzonen der Übertragungsnetzbetreiber Tennet und Amprion.
Am zweitmeisten überlastet war der Abschnitt Großkrotzenburg bis Dettingen/Urberbach in Hessen. Auch dieses Netzgebiet teilen sich Amprion und Tennet.
Früher vor allem Windräder an Land betroffen
Bemerkenswert ist der Vergleich zum ersten Quartal 2022. In diesem Zeitraum wurden insgesamt knapp 3,3 TWh an erneuerbaren Energien abgeregelt. Am meisten waren damals jedoch Windkraftanlagen an Land betroffen (1,6 TWh). Auf Rang zwei ordneten sich Windkraftanlagen auf See ein (1,5 TWh).
Im ersten Quartal 2021 war der Unterschied noch größer. Fast drei Viertel der abgeregelten Anlagen waren Windräder auf Land. Insgesamt wurden damals 1,9 TWh abgeregelt. Grundlage der Zahlen sind die Quartalsberichte Netzengpassmanagement, die von der Bundesnetzagentur herausgegeben werden. (aba)



