Das Rhein-Main-Gebiet boomt und benötigt immer mehr Trinkwasser.

Das Rhein-Main-Gebiet boomt und benötigt immer mehr Trinkwasser.

Bild: ©Chw/pixelio.de

Vor allem aufgrund der wachsenden Ansiedlung von Rechenzentren wächst der Stromverbrauch in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet derzeit entgegen dem bundesweiten Trend weiter. Um die Versorgungssicherheit auch künftig sicherzustellen, setzen Mainova, Tennet und Avacon in enger Kooperation mit dem Land nun auf eine Netzverstärkungsinitiative.

750 Millionen Euro wollen die drei Netzbetreiber in den kommenden Jahren in die Verstärkung des Stromnetzes in der Metropolregion investieren, wie sie am heutigen Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Frankfurt bekannt gaben. Davon stemmen Mainova und Avacon je 200 Mio. und Tennet 350 Mio. Euro.

Kapazitäten um 50 Prozent erhöhten - 500 MVA Leistung zusätzlich

Innerhalb von sieben Jahren sollen die vor Ort zur Verfügung stehenden Kapazitäten um rund 50 Prozent erhöht werden. Dafür sind der Ausbau von Transportleitungen und Umspannwerken an den Haupteinspeisepunkten sowie die Verstärkung der Stromleitungen in das Stadtgebiet Frankfurt vorgesehen. Bis 2027 sollen schrittweise zusätzlich über 500 Megavoltampere (MVA) Leistung für Frankfurt bereitgestellt werden.

"Es geht darum die Infrastruktur zukunftsfähig zu machen", unterstrich der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Er verwies auf die hohe wirtschaftliche Dynamik in Deutschlands größtem Wirtschafts- und Finanzzentrum. Zwar müssten Energiesparen und Energieeffizienz an erster Stelle stehen, doch trotzdem wachse der Strombedarf vor allem aufgrund der wachsenden Zahl von Rechenzentren weiter, so Al-Wazir. Dazu komme die wachsende Einwohnerzahl sowie der Ausbau der Elektromobilität.

Weltweit größter Internetknotenpunkt 

Als weltweit größter Internetknotenpunkt erbringe Frankfurt Dienstleistungen für ganz Europa. Der wachsende Stromverbrauch der Rechenzentren der Region sei der wachsenden Internetnutzung und Digitalisierung allgemein zuzuschreiben, unterstrich Al-Wazir. Dies habe sich gerade in den vergangenen Corona-Monaten gezeigt, mit einem stark wachsenden Anteil der Menschen, die von zu Hause aus arbeiten. Er rechne jedenfalls damit, dass es auch in Zukunft einen steigenden Datendurchsatz geben werde, so der grüne Wirtschaftsminister.

Die Zukunft der Energieversorgung erfordere mehr als  den Ausbau der Stromautobahnen zwischen den großen Erzeugungszentren der Republik im Norden und den großen Verbrauchszentren im Süden, "auch wir müssen mehr machen", betonte Al-Wazir. "Der Zubau von Datenzentren im Rhein-Main-Gebiet stellt in Verbindung mit der zunehmenden Elektromobilität eine in Deutschland einzigartige Entwicklung dar, auf die wir bereits heute reagieren müssen ", sagte er.

Auch verstärkt Campuslösungen und erneuerbare Erzeugung voranbringen

Doch gehe es auch darum, verstärkt Campuslösungen mit Abwärmenutzung für die Fern- und Nahwärmeversorgung voranzubringen, betonte Al-Wazir. Ermutigend sei auch, dass immer mehr Rechenzentrenbetreiber auf erneuerbare Stromerzeugung bzw. entsprechende Lieferverträge setzten.

Doch unterstrichen sowohl Al-Wazir als auch Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender von Mainova, dass die Metropolregion auch künftig auf den Bezug von Strom von außerhalb bzw. aus dem Stromverbundnetz angewiesen sein werden. Die Eigenerzeugungsquote beim Strom im Versorgungsbereich von Mainova liege derzeit bei rund 20 Prozent, so Alsheimer. Wobei man verstärkt in eigene Wind- und Solarerzeugung investiere, sowie in KWK und Mieterstromprojekte.

Tennet: 500 km Netzprojekte in Hessen

Auch Marten Bunnemann, Vorstandsvorsitzender von Avacon unterstrich die Chancen und Notwendigkeit der Energiewende, die jedoch auf Digitalisierung angewiesen sei. Umso wichtiger sei es, wenn Rechenzentren auf intelligente Lösungen wie die erneuerbare Eigenstromerzeugung, Abwärmenutzung und Grünstrombezug setzten.

Wie Alsheimer und Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens lobte Bunnemann die enge Kooperation der Netzbetreiber und den Schulterschluss mit der Politik. Meyerjürgens sieht die Netzoffensive in Frankfurt als ein bundesweites Leuchtturmprojekt. Er verwies darauf, dass Tennet derzeit in Hessen aktuell an Netzprojekten mit fast 500 Kilometern Länge arbeite. (hcn)

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