Die Debatte über den erzielten Kompromiss der Kohlekommission hat erst begonnen.

Die Debatte über den erzielten Kompromiss der Kohlekommission hat erst begonnen.

Bild: © Julian Stratenschulte/dpa

Die Treibhausgasemissionen der Kraftwerke in der Europäischen Union sind im vergangenen Jahr so stark zurückgegangen wie nie zuvor seit 1990. Sie sanken um 120 Millionen Tonnen CO2 im Vergleich zu 2018, das entspricht einem Rückgang um 12 Prozent. Das geht aus einer Analyse von aktuellen Stromdaten durch Agora Energiewende und des britischen Think Tanks Sandbag hervor.

Die Autoren der Analyse führen diese Entwicklung darauf zurück, dass Stein- und Braunkohlekraftwerke inzwischen sehr viel weniger Strom produzieren. Um beinahe ein Viertel ging die Stromerzeugung aus der Kohle demnach zurück.

Mehr Strom aus Wind und Sonne als aus Kohle

Ersetzt wurde der wegfallende Kohlestrom laut Studie je zur Hälfte durch Strom aus Gaskraftwerken und Strom aus erneuerbaren Energien. Der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung wuchs EU-weit im Jahr 2019 auf 34,6 Prozent, er lag damit um 1,8 Prozentpunkte höher als im Jahr 2018. Windkraft- und Solarstromanlagen lieferten damit erstmals mehr Strom als Kohlekraftwerke.

Insgesamt sank die Menge an Kohlestrom um 24 Prozent beziehungsweise 150 Terawattstunden. Auf Deutschland, Spanien, die Niederlande, das Vereinigte Königreich und Italien zusammen entfielen 80 Prozent des Rückgangs in der Steinkohleverstromung. Bei der Braunkohle sind fast zwei Drittel des Rückgangs allein auf Deutschland und Polen zurückzuführen. Kernkraftwerke verzeichneten einen leichten Rückgang um 1 Prozent. Gaskraftwerke waren die einzigen konventionellen Stromerzeuger, bei denen die Stromproduktion anstieg und zwar um 12 Prozent.

Agora: Ausbau immer noch zu langsam

Die Stromproduktion von Windkraft- und Solaranlagen wuchs um 64 Terawattstunden gegenüber 2018 und übertraf mit insgesamt 569 Terawattstunden erstmals die Mengen an Kohlestrom um gut 100 Terawattstunden. Auch aufgrund eines guten Windjahres lieferten Windkraftanlagen 14 Prozent mehr Strom als im Vorjahr. Die Stromerzeugung aus Wasserkraft ging hingegen aufgrund von anhaltender Trockenheit um gut sechs Prozent zurück.

Bei der Windkraft kamen EU-weit Anlagen mit einer Leistung von 16,8 Gigawatt hinzu – der Zubau gegenüber 2018 wuchs damit um 5,1 Gigawatt. Bei der Photovoltaik war sogar eine Verdoppelung des Zubaus von 8,2 Gigawatt im Jahr 2018 auf 16,7 Gigawatt im vergangenen Jahr zu verzeichnen. „Trotz der positiven Entwicklung muss das Zubautempo noch weiter beschleunigt werden“, sagt Matthias Buck, Leiter Europäische Energiepolitik bei Agora Energiewende. 

CO2-Preis als wichtiger Hebel

Die Autoren der Studie machen im Wesentlichen den CO2-Preis für den Rückgang der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Dieser habe 2019 wieder ein Niveau erreicht, bei dem die klimaschädlichen Energieträger vom Markt verdrängt würden. Daher sei es wichtig, dass dieser Preis mindestens auf dem aktuellen Niveau bleibe.

Für das laufende Jahr rechnen Agora Energiewende und Sandbag mit einem anhaltenden Abwärtstrend beim Kohlestrom. Das „postfossile Zeitalter“ komme, darauf müssten sich jetzt alle EU-Mitgliedsstaaten einstellen. (amo)

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