Die EU möchte den CO2-Emissionen im Jahr 2030 um 55 anstatt 40 Prozent reduziert sehen. Die Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI) an der Universität zu Köln zeigt die möglichen Auswirkungen: Sie fokussiert sich auf den Kraftwerkspark, die Stromerzeugung, die Großhandelsstrompreise und das sektorale Klimaziel der Energiewirtschaft, wie das Institut mitteilt.
Eine essenzielle Erkenntnis ist: "Das verschärfte Klimaziel der EU könnte marktgetrieben zu einem schnelleren Rückgang der Kohleverstromung führen", sagt Max Gierkink, Manager am EWI, der die Analyse zusammen mit seinen Kollegen erstellt hat. "Dadurch könnte die Stromerzeugung aus Kohle bereits vor dem geplanten Ausstieg im Jahr 2038 fast vollständig aus dem Markt gedrängt werden."
Höherer CO2-Preis: 85 Euro pro Tonne
Sowohl für das ursprüngliche Ziel, als auch die 55-Prozent-Variante skizziert EWI das Szenario: Beim ursprünglichen Klimaziel würde der CO2-Preis im europäischen Emissionshandel auf 73 Euro pro Tonnen CO2-Äquivalent im Jahr 2038 steigen. Mit dem verschärften Klimaziel wäre der Preis rund 12 Euro höher und liege dann bei 85 Euro pro Tonne. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lag der durchschnittliche Preis bei ca. 25 Euro pro Tonnen.
Die steigenden Preise würden nach der Studie die Wettbewerbsfähigkeit von Gaskraftwerken gegenüber den verbleibenden Kohlekraftwerken erhöhen. Denn deren Betrieb wird weniger rentabel. In der Modellrechnung ergibt sich daher in den kommenden Jahren in Deutschland ein stärkerer Zubau von effizienten Gas-und-Dampf-Kombikraftwerken (GuD-Kraftwerken) von derzeit 24 Gigawatt auf bis zu 35 Gigawatt im Jahr 2038.
Braunkohleverstromung: 2035 bei nur noch 8 TWh
Der Betrieb von Gaskraftwerken würde im Verhältnis zum Betrieb von Kohlekraftwerken günstiger. In Deutschland würde zukünftig mehr Strom aus Gas erzeugt, im Szenario mit Klimazielverschärfung bis zu 172 Terawattstunde (TWh) im Jahr 2033 (2019: 89 TWh). Steinkohle hingegen würde deutlich weniger genutzt und bis zum Jahr 2030 fast vollständig auslaufen. Auch die Erzeugung von Strom aus Braunkohle würde deutlich reduziert: bis zum Jahr 2030 auf 32 TWh und bis zum Jahr 2035 auf 8 TWh (2019: 108 TWh).
Wichtige Annahme: Der Rückgang der Stromerzeugung aus Kohle wird neben Gaskraftwerken durch einen angenommen ambitionierten Ausbau der Windenergie und Photovoltaik auf 242 Gigawatt (GW) (2019: 104 GW) im Jahr 2030 kompensiert.
Rückgang der Emissionen: 156 Mio. Tonnen CO2
Der Rückgang der Stromerzeugung durch Stein- und Braunkohlekraftwerke führt speziell im Szenario mit Klimazielverschärfung zu einem deutlichen Rückgang der Emission von Treibhausgasen. Der beschleunigte Rückgang der Kohleverstromung wird jedoch teilweise durch einen Anstieg der Gasverstromung und den damit verbundenen Emissionen kompensiert. In der Modellrechnung wird das deutsche sektorale Klimaziel des Energiesektors von 175 Mio. Tonnen CO2 mit 156 Mio. Tonnen CO2 "deutlich unterschritten", kommt die Studie zuum Schluss. (gun)

