Die letzte Ausschreibung in diesem Jahr endete mit einer echten Überraschung. Die Gebotsrunde war mit insgesamt 76 eingereichten Geboten und einem Umfang von fast 686 MW zum ersten Mal in diesem Jahr leicht überzeichnet. Ausgeschrieben waren zum Gebotstermin 1. Dezember 500 MW.
Ein Ergebnis, das in keinem Vergleich zu der Ausschreibungsrunde im Oktober steht. Damals waren 675 MW ausgeschrieben und lediglich 204 MW wurden von Bietern eingereicht. Ähnlich gravierend verhielten sich Angebot und Nachfrage bei den vier anderen Gebotsterminen seit Januar 2019.
Bürgerenergie greift in Bayern an
Aktuell wurden 56 Gebote mit einem Volumen von gut 509 MW bezuschlagt. Dabei lagen die Zuschlagswerte zwischen 5,74 Cent pro kWh und 6,18 Cent pro kWh. Auch das ist eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur Vorrunde mit Werten zwischen 6,20 Cent pro kWh und 6,11 Cent pro kWh. Unter den erfolgreichen Bieterin waren acht Bürgerenergiegesellschaften, darunter zwei für einen Standort in Bayern.
Zu den regionalen Spitzenreitern des Windzubaus zählten in dieser Runde Brandenburg mit insgesamt 17 Zuschlägen und 174 MW, gefolgt von Niedersachsen mit drei Zuschlägen und 73 MW und Nordrhein-Westfalen mit gut 72 MW, verteilt auf elf erfolgreiche Gebote.
Keine Entwarnung, nur Zwischenhoch
Die Branche sieht das Ergebnis dennoch nicht als Grund zur Hoffnung, wie VKU-Hauptgeschäftsführer Michael Wübbels verdeutlicht: „Dass die Ausschreibungen für Windenergie an Land jetzt zum ersten Mal in diesem Jahr nicht unterdeckt sind, ist eine gute Nachricht. Klar ist aber: Daraus lässt sich noch kein Trend ableiten.“
Ähnlich sieht das die neue BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae: "Der massive Einbruch beim Windenergie-Ausbau in diesem Jahr erfordert konsequentes Handeln: Es muss ausreichend Fläche für neue Windkraftanlagen geben, Planungs- und Genehmigungsverfahren müssen beschleunigt werden.“
Bund-Länder-Vereinbarungen auf den Weg bringen
Der Bundesverband Windenergie verweist in diesem Kontext auf den Arbeitsplan zur zeitlichen Straffung der Genehmigungsverfahren, der im September vorgelegt wurde.
„Seitdem sind fast drei Monate vergangen, in denen wir keine nennenswerten Fortschritte gesehen haben. Bund und Länder sind gemeinsam gefordert, Anfang 2020 belegbare Reformen des Genehmigungsverfahrens anzuschieben. Dazu braucht es kurzfristig eine Bund-Länder-Vereinbarung zum Abbau von Genehmigungshemnissen. Eine schnelle Absenkung der Prüfradien um Drehfunkfeuer steht ebenfalls auf der Tagesordnung, um mehr Fläche für neue Anlagen entlang internationaler Standards zu sichern“, kommentiert Hermann Albers, Präsident des BWE. (ls)
