Roland Warner, Vorsitzender der eins-Geschäftsführung zeigt vom Dach des 60 Meter hohen Kesselhauses des Heizkraftwerks Chemnitz aus, wo die neuen, mit Erdgas betriebenen Blockheizkraftwerke errichtet werden.

Roland Warner, Vorsitzender der eins-Geschäftsführung zeigt vom Dach des 60 Meter hohen Kesselhauses des Heizkraftwerks Chemnitz aus, wo die neuen, mit Erdgas betriebenen Blockheizkraftwerke errichtet werden.

© eins energie

Der kommunale Chemnitzer Energiedienstleister Eins Energie in Sachsen baut seine Fernwärme- und Stromerzeugung bis zum Jahr 2029 komplett um und investiert dafür mehr als 400 Mio. Euro. Roland Warner, Vorsitzender der Geschäftsführung, erklärte dazu, dass der Aufsichtsrat des Unternehmens das Konzept bestätigt hat. Danach werden die bisher noch in Betrieb befindlichen beiden Braunkohleblöcke im Heizkraftwerk Nord in zwei Schritten durch zwei modular aufgebaute BHKW-Anlagen im Norden und Süden der Stadt sowie ein Holzschnitzel-Kraftwerk im Südwesten ersetzt.

Die jeweils zehn MW thermisch und elektrisch leistenden Gasmotoren, acht davon auf dem Gelände des HKW-Nord und fünf im Süden, sollen zunächst den Kohle-Block B ab 2023 ersetzen und einzeln je nach Wärmebedarf sowie den Strompreisen gefahren werden können. Für den Spitzenbedarf der Fernwärme kommt bis 2022 noch ein 70 MW Heizkessel dazu.

Mit der Planung wurde Mitte Mai nach einer europaweiten Ausschreibung die Envi Con aus Nürnberg beauftragt. Bis Mai 2019 soll nun ein Generalunternehmer gefunden sein, der das Projekt realisiert. In der zweiten Stufe kommen dann weitere sechs bis sieben der BHKW hinzu, auch eine Ergänzung durch Power to Heat sei denkbar, sofern die politischen Rahmenbedingungen entsprechend geschaffen werden, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu ermöglichen, so Warner gegenüber der ZfK. Über entsprechende Wärmespeicher mit einer Kapazität von 670 MWh, die auch eine teilweise Entkoppelung der Strom- und Wärmeerzeugung ermöglichen, verfügt das Unternehmen bereits.

Fernwärmenetz soll dezentraler werden

Parallel zur Ablösung des zentralen Braunkohlekraftwerkes, das jährlich rund eine Mio. Tonnen Rohbraunkohle aus dem Mitteldeutschen Revier verfeuert, soll auch das in Teilen überdimensionierte Fernwärmenetz erneuert und auf die neue dezentraleren Erzeugungskapazitäten angepasst werden. Die Finanzierung will das Unternehmen im wesentlichen über Kredite finanzieren, wobei der Ersatz der bei der Stilllegung jeweils komplett abgeschriebenen Kraftwerksblöcke buchhalterisch keine höheren Aufwendungen als eine ohnehin erforderliche Ertüchtigung erfordern.

„Wir können damit für die Endkunden die Preise auf dem gleichen Niveau halten wie das mit der bisherigen Technik möglich war“, versichert Warner. Denn mit der Modernisierung auch des Fernwärme-Netzes werden zugleich auch die Verluste wesentlich reduziert. Das Chemnitzer Fernwärmenetz, mit dem rund 40 Prozent des Verbrauches in der Stadt gedeckt werden, war zu einer Zeit entwickelt worden, in der die Stadt noch mehr als 300000 Einwohner und einen starken Industriesektor hatte. Seit 1990 hatte sich der Absatz durch Bevölkerungsverluste, die Reduzierung von industriellen Großverbrauchern und Gebäudedämmung dann nahezu halbiert, ist aber inzwischen auf einen stabilen Niveau. (masch)

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