Die Drewag Netz investiert derzeit rund 41 Mio. Euro in den Ausbau des Fernwärmenetzes. Die technisch größte Herausforderung dabei ist eine zweite Elbquerung in einem 21 Meter tiefen Düker, für die jetzt die beiden Senkkästen an den Ufern betoniert werden.
Was derzeit die Anwohner im rechtselbischen Stadtteil Pieschen von Dresden nervt, ist ein Teil der Zukunftssicherung. Mit einem großen Fernwärme-Ausbauprogramm will die Drewag die reichlich vorhandenen Fernwärme-Erzeugungs-Kapazitäten an den Verbraucher bringen. Etwa 20 MW Anschlussleistung zusätzlich sind inzwischen in Pieschen, einem vorwiegend von Altbauten, aber auch einigen Brachflächen geprägten Gebiet im nächsten und übernächsten Jahr zu erwarten. Bis 2025, wenn auch mehrere Neubauprojekte um gesetzt sein sollten, könnte der Anschlusswert sogar auf bis zu 40 MW steigen, hat Projektleiter Norbert Gassel ausgerechnet.
Neue Elbquerung in 20 Meter Tiefe
Doch vor dem Anschluss steht der Netzausbau, und der ist kompliziert in Dresden. "Rund 90 Prozent der Erzeugungsleistung aus den großen Kraftwerken kommt aus dem Süden und Osten der Stadt, liegt also auf dem Westufer an", so Gassel. Bisher gibt es neben dem kleineren Heizwerk Nord nur eine 50 cm-Trasse an der Carola-Brücke. Damit lasse sich bei einem solchen Ausbau die Versorgungssicherheit im Störungsfall nicht mehr gewährleisten. Doch eine weitere Brücke kann für die Aufnahme einer zweiten Trasse aus baulichen Gründen nicht genutzt werden.
Folglich haben die Stadtwerke inzwischen eine Alternative wählen müssen, die jedoch technisch besonders anspruchsvoll ist und hohe Zusatzkosten verursacht. Die unterirdische Elbquerung in gut 20 Meter Tiefe erfordert neben dem Bau der beiden Uferbauwerke den Einsatz einer großen Tunnelbohrmaschine, weil die mit Dämmung rund 80 cm starken Rohre für den Vor- und Rücklauf in einem begehbaren Revisionstunnel etwa sieben Meter unter der Elbsohle untergebracht werden.
EFRE-Mittel durch hohe CO2-Reduzierung
Allein dieses neue Bauwerk aus Betonsegmenten, rund 240 Meter lang und mit einem Außendurchmesser von 3,20 Meter, kostet laut Planung 8,9 Mio. Euro. Dazu kommt eine lange Anschlussleitung am Elbufer von den innerstädtischen Elbterassen, die rund vier Mio. verschlingt. Die Drewag sieht das Projekt aufgrund der schon in der Planungsphase gestiegenen Baupreise als große finanzielle Herausforderung an, auch wenn man für das Geld immerhin den ersten für Menschen begehbaren "Elbtunnel" außerhalb Hamburgs baut - und dieser auch schon Ende nächsten Jahres fertig sein soll.
"Wir sind inzwischen sehr optimistisch, dass wir das Ziel mindestens erreichen", berichtet Gassel. Etwa 200 neue Kunden wurden bereits gebunden, auch neue Schulen und eine Kita kommen hinzu. "Der Zeitpunkt und der Ort für die Erschließung ist optimal, weil jetzt ein erheblicher Teil der in den frühen 90er Jahren aufgestellten Kessel ihr Lebensende erreicht und wir mit einem zertifizierten niedrigen Primärenergiefaktor unserer Fernwärme den Bauaufwand für die energetische Sanierung verringern können", so der Drewag-Projektleiter.
Fernwärme bleibt Hauptstütze der Wärmeversorgung
Bislang liefert die Drewag ihre Fernwärme ausschließlich aus den beiden KWK-Gaskraftwerken an der Nossener Brücke und dem Kraftwerk Reick, ergänzt wird das Portfolio von einer gasgefeuerten Anlage im Norden. Als Vorlauftemperatur werden derzeit noch 125 Grad Celsius genutzt, wobei Neubau-Systeme bereits auf 110 Grad ausgelegt werden. Dazu kommen noch einige Wärmeinseln mit BHKW. Größter industrieller Kunde ist das Infineon-Werk im Norden. Mittelfristig sollen auch Gebiete an der Leipziger Straße, darunter auch ein Wohngebiet mit etwa 1000 neuen Einheiten, angeschlossen werden. "Die Fernwärme bleibe damit die wichtigste Form einer effizienten und nachhaltigen Wärmeversorgung in Dresden", sagt Gassel. (masch)
