Die Wärmewende braucht Planungssicherheit, und die beginnt tief unter der Erde. Im Münchner Olympiapark zeigte das Projekt GIGA-M bei einem Besuch von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD), wie seismische Messungen den Untergrund sichtbar machen.
Rund 9,5 Milliarden Euro braucht München bis 2045, um seine Wärmeversorgung auf Geothermie umzustellen. Das schätzte Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) bei der Veranstaltung grob. Mit Blick auf den Gast aus Berlin sagte sie: "Also schaue ich schon zu Ihnen und zum Finanzministerium."
Unter München liegt heißes Thermalwasser. Um es nutzbar zu machen, braucht es genaue Karten. Dafür sorgt das Forschungsprojekt GIGA-M, kurz für "Großräumige Integrierte Gesamt-Analyse des tiefengeothermischen Potenzials".
Im Süden bis zu 160 Grad Celsius heiß
Vibrotrucks geben kontrollierte Schwingungen an den Boden ab. Gesteinsschichten werfen die Signale zurück. Geophone – Messgeräte, die im Gelände verteilt liegen – fangen sie auf. Aus den Laufzeiten entsteht ein dreidimensionales Bild des Untergrunds, sozusagen ein Ultraschallbild der Erde.

Seit Ende August läuft die Kampagne auf 1110 Quadratkilometern in mehr als 60 Kommunen. Bis Ende November wandern mehrere Messteams von Punkt zu Punkt. Für Anwohnende ist das meist nur ein leichtes Vibrieren, vergleichbar mit einem vorbeifahrenden Zug.
"Aber vor der Hacke ist duster", sagte Projektleiter Kai Zosseder von der Technischen Universität München.
Zwischen 1500 und 5000 Meter tief liegt die Schicht heißen Thermalwassers. Je tiefer, desto heißer: Pro 100 Meter steigt die Temperatur um rund 3,5 Grad. Im Norden Münchens sind so etwa 60 Grad Celsius zu erwarten, im Süden rund 160 Grad Celsius.
Derzeit liefern rund 50 Bohrungen im Großraum München etwa 400 Megawatt thermisch. Das Ziel liegt bei 1,4 Gigawatt thermisch. Die erste stellvertretende Landrätin Nicola Gerhardt (CSU) erinnerte daran, dass 2003 in Unterschleißheim die erste Geothermieanlage im Landkreis entstand.
Bis 2040 ein Drittel mehr Fernwärme
Karin Thelen, Geschäftsführerin der Stadtwerke München (SWM) für die regionale Energiewende, nennt das Ziel: Der Fernwärmeabsatz soll um ein Drittel auf etwa 5,8 Terawattstunden steigen. Dafür seien rund 65 neue Bohrungen nötig, also sechs bis zehn Anlagen. Hinzu kommen 600 Kilometer neues Fernwärmenetz. Geothermie sei "zentral", sagte Thelen, weil sie regional, klimafreundlich und grundlastfähig sei und 365 Tage im Jahr zur Verfügung stehe. "Dieser Umbau ist kein Sprint, sondern eine Generationenaufgabe."
Klingbeil erinnerte an seine kommunale Zeit als Beirat der Stadtwerke Munster-Bispingen. Er habe dabei erlebt, wie schwierig es war, Menschen Garantien und Bürgschaften zu erklären. "Das Thema Geothermie hat einen Riesensprung gemacht in den vergangenen Jahren." Zugleich verwies er auf die schmerzhafte Abhängigkeit von Energielieferungen aus Regionen wie Russland oder dem Iran.
Etwa ein Drittel der 9,5 Milliarden Euro gilt nach grober Schätzung als förderfähig. "Diese Aufgabe braucht einen langen Atem", sagte Fuchs. Gerhardt mahnte, die Kommunen bräuchten für die aufwendigen Bohrungen und den Netzausbau ausreichend Geld. "Ohne Moos ist nichts los, und das gilt sogar in Bayern."
Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) brachte es auf eine einfache Formel: "Aus Wissen wird Wärme!"