Der Allgäuer Speicherhersteller Sonnen galt lange als Vorzeigeunternehmen in der Erneuerbaren-Branche. (Symbolbild)

Der Allgäuer Speicherhersteller Sonnen galt lange als Vorzeigeunternehmen in der Erneuerbaren-Branche. (Symbolbild)

Bild: © Sonnen GmbH

Die Sonnen GmbH hat einen Insolvenzantrag gestellt. Das bestätigte das Unternehmen dem "Handelsblatt" auf Anfrage. Die rund 400 Beschäftigten am Hauptsitz in Wildpoldsried wurden am Donnerstag, 22. Oktober 2026, am Morgen informiert. Für das Dorf im Allgäu ist der Schock groß, denn Wildpoldsried gilt als Pionier der Energiewende und Sonnen als grünes Vorzeigeunternehmen der Gemeinde.

Nach Angaben des "Handelsblatts" sollen Bestandsgeschäft und Service weiterlaufen. Zugleich sollen zahlreiche Tochtergesellschaften abgewickelt oder in die selbstverwaltete Insolvenz geschickt werden. Nur ein Produktionsstandort soll erhalten bleiben. Betroffen sind unter anderem Niederlassungen in Großbritannien und Italien, die abgewickelt werden sollen. Die US-Einheit soll unter einer neu gegründeten Gesellschaft weitergeführt werden.

Shell erklärt den Verkauf

Das 2010 gegründete Unternehmen galt lange als Hoffnungsträger der Energiewende und wurde in der Branche als "Tesla der Solarspeicher" gehandelt. Shell übernahm Sonnen 2019 dem Vernehmen nach für knapp 500 Millionen Euro. Nach Handelsblatt-Angaben investierte der Konzern bis 2025 noch einmal mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Im Sommer 2026 verkaufte Shell das Unternehmen an Tiven, das Family Office von Gert Purkert, Mitgründer und Partner der Investmentgesellschaft Aurelius. Shell erklärte, der Verkauf sei Teil der laufenden Optimierung des Portfolios.

Wirtschaftliche Lage angespannt

Zu Konditionen und zum Verkaufsprozess äußert sich der Konzern nicht. Auch Tiven und Aurelius äußerten sich gegenüber der ZFK bis zum Redaktionsschluss am Donnerstagabend nicht. Eine mit dem Vorgang vertraute Person erhebt im Handelsblatt Vorwürfe, Shell habe sich aus der Verantwortung gezogen.

Die wirtschaftliche Lage beim Allgäuer Speicherspezialisten war seit Längerem angespannt. Der Umsatz sank laut Handelsblatt von 443 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 198,9 Millionen Euro im Jahr 2024. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag 2024 bei minus 188,7 Millionen Euro.

Im Jahr 2025 reduzierte das Unternehmen den Verlust durch einen Sparkurs auf minus 52,2 Millionen Euro. Die Zahl der Beschäftigten sank von 1318 auf 800.

Wettbewerb verschärft sich

Auch andere deutsche Speichersteller stehen derzeit unter Druck. Der Energiekonzern EnBW stellte im Sommer das Neukundengeschäft seiner Speichertochter Senec ein. Zuvor hatte das Unternehmen bereits durch Qualitätsprobleme Ergebniseinbußen hinnehmen müssen. Auch der internationale Wettbewerb hat sich verschärft: Chinesische Anbieter wie BYD, Huawei und Sungrow führen mittlerweile die Ranglisten an.

Offen bleibt im Fall Sonnen, wie lange der Service für Bestandskundinnen und Bestandskunden im Insolvenzverfahren gesichert werden kann. Eine offizielle Bekanntmachung auf dem Portal Insolvenzbekanntmachungen war bei Redaktionsschluss noch nicht veröffentlicht. Ob ein Insolvenzverwalter bestellt wurde, ist bislang nicht bekannt.

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