Nach Geretsried trifft es nun ein zweites innovatives Geothermieprojekt. Der Grund ist derselbe: Anfang dieses Jahres hat das kanadische Unternehmen Eavor seinen strategischen Fokus neu gesetzt. Die Rolle des Investors und Projektentwicklers übernimmt es in Hannover nicht mehr. Trotz intensiver Gespräche über alternative Umsetzungsmöglichkeiten habe sich keine tragfähige Lösung gefunden, wie der Hannoversche Versorger enercity mitteilt.
Geplant waren zwei sogenannte Eavor-Loops mit insgesamt rund 30 Megawatt (MW) Wärmeleistung. Ein Loop ist eine geschlossene Bohrschleife im tiefen Untergrund. Er wirkt wie ein unterirdischer Wärmetauscher. Eine Flüssigkeit nimmt die Wärme des Gesteins auf und trägt sie nach oben. Das Verfahren kommt ohne natürliche Heißwasservorkommen aus. Die Wärme sollte kontinuierlich in das Fernwärmenetz fließen.
Am Kohleausstieg wird nicht gerüttelt
Der Kohleausstieg bleibt laut Enercity aber abgesichert. Der Umbau läuft bereits. Der erste Kohleblock im Kraftwerk Stöcken ist außer Betrieb. Fünf dezentrale Anlagen übernehmen seine Wärmeerzeugung. Für den zweiten Block sind weitere Projekte im Bau oder in Planung. Dabei setzt Enercity auf Biomasse, die Verwertung von Klärschlamm, Großwärmepumpen und Anlagen, die Strom in Wärme umwandeln.
Das Erzeugungskonzept habe zusätzliche Reserven. Konkret: Die 30 Megawatt aus der Tiefengeothermie sind für den vollständigen Ersatz der Kohle kurzfristig nicht entscheidend. Der Kohleausstieg nach dem Winter 2027/28 bleibt damit auf dem Plan.
"Wir bedauern, dass wir dieses innovative Vorhaben nicht gemeinsam verwirklichen können", sagt Aurélie Alemany, Vorstandsvorsitzende von Enercity. "Unabhängig davon halten wir an unserem Ziel des vorzeitigen Kohleausstiegs fest."
Enercity prüft weitere Optionen
Anders liegt der Fall in Geretsried. Dort galt die Anlage international als Pilot- und Referenzprojekt. Schon beim ersten Loop gab es Probleme. Unzureichend zementierte Stammbohrungen ließen Flüssigkeit und Bohrklein in bereits gebohrte Querbohrungen fließen. Für die Wärmeversorgung der Stadt war der zweite Loop entscheidend, der nun auf Eis liegt. Ohne ihn baut Geretsried kein Fernwärmenetz.
In Hannover steigt mit dem Ausbau der Fernwärme der Bedarf an zusätzlicher Wärme. Enercity prüft deshalb weitere Erzeugungsoptionen. Ziel ist, das Portfolio langfristig um Wärmeerzeuger zu ergänzen, die kontinuierlich verfügbar sind. Die neue Fernwärmeleitung zur Kirchhorster Straße bleibt Teil der Infrastruktur. Sie bringt Wärme aus der Abfallverwertungsanlage Lahe oder aus künftigen Quellen in das Netz.
Der Geothermie-Baustein fällt also weg. Das Ziel bleibt aber. Enercity setzt den Umbau der Fernwärmeerzeugung fort.
