Die kommunale Wärmeplanung in Deutschland erreicht langsam die Phase der Umsetzung. Das zeigt die fünfte Kommunenbefragung des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW) der Deutschen Energie-Agentur (Dena).
Von den 778 teilnehmenden Städten, Gemeinden und Landkreisen beschäftigen sich 40 Prozent bereits mit konkreten Maßnahmen. Im Vorjahr waren es 17 Prozent. Weitere 32 Prozent arbeiten noch an der Planung, 18 Prozent bereiten sie vor. Neun Prozent sind noch passiv. Die Befragung ist zwar nicht repräsentativ, erfasst aber immerhin Kommunen mit zusammen rund 27,8 Millionen Einwohnern.
Die Fortschreibung ist entscheidend
Mit dem Fortschritt wächst allerdings nicht automatisch das Vertrauen in die eigenen Pläne. Nur 46 Prozent der Befragten halten das Zielszenario ihrer Kommune für realistisch. 54 Prozent bewerten die angestrebte künftige Wärmeversorgung als eher oder vollständig unrealistisch. Als wichtigste Gründe nennen sie finanzielle Herausforderungen, politische Unsicherheiten und Abhängigkeiten von externen Akteuren. Dazu gehören etwa Energieversorger, Eigentümer und mögliche Betreiber von Wärmenetzen. KWW-Leiter Robert Brückmann sieht deshalb vor allem in der Fortschreibung der Pläne eine Aufgabe für die kommenden Jahre. Sie sei "der entscheidende Schritt, um die Qualität der Wärmepläne zu heben und dadurch die Umsetzung präziser anzugehen".
In der Umsetzung zeigt sich der Finanzierungsdruck besonders deutlich. 81 Prozent der Kommunen mit fertigem Wärmeplan nennen die Finanzierung von Maßnahmen als eine der größten Herausforderungen. Es folgen fehlendes Personal mit 40 Prozent, die Erschließung ausreichender erneuerbarer Wärmequellen mit 33 Prozent und Fragen zu Wärmenetzen mit 32 Prozent. Bei geplanten Wärmenetzen fehlt aus Sicht der Kommunen vor allem Eigenkapital beziehungsweise Spielraum im Haushalt. An zweiter Stelle steht die Unsicherheit über Anschlussquoten und den künftigen Wärmebedarf. Der Zugang zu Fremdkapital gilt dagegen als weniger dringliches Problem.
Lücke bei der Sanierungsrate
Groß ist die Lücke bei der Gebäudesanierung: 44 Prozent der Befragten arbeiten mit einer jährlichen Sanierungsrate von mehr als 1,5 Prozent. Deutschlandweit liegt die Rate derzeit unter einem Prozent. Zwei Drittel setzen für höhere Raten vor allem auf Beratung und Information. Eigene Förderprogramme oder andere finanzielle Anreize plant dagegen nur knapp jede vierte Kommune.
Ebenfalls herausfordernd: 41 Prozent der befragten Kommunen nutzen Holz als Brennstoff oder berücksichtigen entsprechende Anlagen in ihrem Wärmeplan. Von diesen Kommunen können jedoch nur 37 Prozent Holz aus einem eigenen Körperschaftswald beziehen. Bei den großen Kommunen liegt der Anteil ohne Zugriff auf einen solchen Wald sogar bei 82 Prozent.
Auch die Abstimmung mit der Energieinfrastruktur bleibt ausbaufähig. Eng stimmen sich 30 Prozent mit den zuständigen Stellen für Wärme und 21 Prozent für Strom ab. Beim Wasserstoff gibt es bei 74 Prozent bislang keine entsprechende Abstimmung.
Die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistenden bewerten dagegen acht von zehn Kommunen als gut oder sehr gut. Kritik gibt es vor allem an der Berichtsqualität, der Datenerhebung sowie an Termin- und Kommunikationsproblemen. Gleichzeitig sehen 83 Prozent zusätzlichen Bedarf bei der Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern.
Die Wärmeplanung ist damit zwar vielerorts in der Umsetzung angekommen. Ob daraus belastbare Investitionen und eine tragfähige Wärmeversorgung entstehen, entscheidet sich aber wohl erst in den nächsten Jahren – mit ausreichendem Geld, klaren Zuständigkeiten und regelmäßigen Anpassungen der Pläne.