Im Freiburger Quartier Gutleutmatten wurden dezentrale Solarthermie-Anlagen in ein Nahwärmenetz eingebunden.

Im Freiburger Quartier Gutleutmatten wurden dezentrale Solarthermie-Anlagen in ein Nahwärmenetz eingebunden.

Bild: © Fraunhofer ISE

Bei der klimaneutralen Versorgung von Häusern und Wohnungen in Schleswig-Holstein mit Wärme setzt die Landesregierung auf den Aufbau kommunaler Wärmenetze. 

Die Stadtwerke will die Regierung mit Landesbürgschaften in Höhe von zwei Milliarden Euro unterstützen, wie Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Dienstag nach einem Spitzengespräch mit Vertretern von Kommunen, Wohnungs- und Energiewirtschaft, Wissenschaft und Verbraucherschutz in Kiel ankündigte. Dafür plant sie mit einem Nachtragshaushalt.
 

«Die Menschen im Land treiben nach den Beschlüssen auf Bundesebene zu Recht die Fragen um, wie und zu welchen Preisen sie künftig ihre Wohnungen und Häuser heizen können», sagte Günther.

Schleswig-Holstein will bis 2040 klimaneutral sein

Viele Menschen seien in Sorge, dass sie sich notwendige Investitionen in individuelle Wärmepumpen nicht leisten könnten. Der Schlüssel für die Wärmewende liege in den Kommunen.

Schleswig-Holsteins Stadtwerke rechnen mit Investitionen von mindestens sechs Milliarden Euro. Das sei nötig, um die klimapolitischen Ziele der Landesregierung mit einem massiven Ausbau der Fernwärmenetze und dem Einsatz von erneuerbaren Energien zu erreichen. Bis 2040 will das Land klimaneutral werden. 

Die Stadtwerke trauten sich zu, die enorme Investitionssumme zu schultern, sagte Günther. Das nötige Eigenkapital stelle für diese aber eine Herausforderung dar.

"Kluger Mix aus individuellen Heizlösungen, Wärmenetzen und Gebäudedämmung"

Die 78 größten Kommunen im Land, in denen 60 Prozent der Bevölkerung leben, müssen aufgrund des Energiewende- und Klimaschutzgesetzes je nach Größe im Zeitraum zwischen 2024 und 2027 eigene Konzepte zur klimaneutralen Wärmeversorgung erarbeiten.

Das Heizen sei für ein Drittel der CO2-Emissionen im Land verantwortlich, sagte Energieminister Tobias Goldschmidt (Grüne). «Auf dem steilen Pfad in Richtung Null-Emissionen setzen wir auf einen klugen Mix aus individuellen Heizlösungen, netzgebundenen Wärmenetzen und Gebäudedämmung.» Die Menschen und die Branche brauchten Planbarkeit.

Die Bundesregierung plant, dass ab 2024 jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Dann müssen etwa Wärmepumpen, Solarthermieanlagen oder Hybridsysteme aus Wärmepumpe und Gasheizung eingebaut werden.

Änderungen am Klimaschutzgesetz geplant

Für Günther spielt der Ausbau bestehender und der Neubau von Wärmenetzen eine entscheidende Rolle. «Die Menschen brauchen schnell Klarheit, wie es zukünftig mit der Wärmeversorgung weitergeht.»

Das Land unterstütze Kommunen nicht nur finanziell, sondern wolle auch ein Kompetenzzentrum für eine klimaneutrale Wärmeversorgung ins Leben rufen. Zudem sind Änderungen am Klimaschutzgesetz geplant. Noch nicht entschieden ist, ob mehr Kommunen verpflichtet werden sollen, klimaneutrale Wärmepläne zu erarbeiten.

Mit zehn Millionen Euro will das Land die Energieberatung ausbauen. Mit Hilfe des Ukraine-Notkredits hatte Schwarz-Grün bereits Landesmittel in Höhe von 75 Millionen Euro für die Wärmeversorgung bereitgestellt, die die Kommunen mit weiteren 75 Millionen Euro kofinanzieren sollen.

Zustimmung kommt von der Wohnungswirtschaft

Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) begrüßte die Pläne der Landesregierung. «Die Wärmewende lässt sich nur mit großer staatlicher Förderung umsetzen, denn das Wohnen muss für die Menschen im Land bezahlbar bleiben», sagte VNW-Direktor Andreas Breitner. Ob die Landesbürgschaften ausreichten, bleibe abzuwarten.

«Wichtig ist es, dass jetzt auch das Umweltministerium aus den Puschen kommt und zusammen mit den Kommunen landesweit verbindliche Vorgaben zur Wärmeplanung erarbeitet.» Bislang fehlten entsprechende Leitplanken. «Ohne eine landesweite Strategie droht "Wärmewildwest".»

SPD-Fraktionschef: "Kehrtwende ist richtig"

Für SPD-Landtagsfraktionschef Thomas Losse-Müller ist der Ausbau von Wärmenetzen die günstigste und gerechteste Form. «Die Landesregierung vollzieht eine richtige Kehrtwende und setzt jetzt stärker auf die Förderung von Wärmenetzen.»

Es sei richtig, die Stadtwerke beim Ausbau von Wärmenetzen zu unterstützen. Bürgschaften allein reichten aber nicht. «Es muss auch echtes Geld als Eigenkapital fließen, sonst zahlen die Verbraucher am Ende doch drauf.» Zudem gebe es noch keine Lösung für die vielen kleinen Gemeinden.  (dpa/hoe)

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