Nordrhein-Westfalen will perspektivisch bis zu 20 Prozent des gesamten Wärmebedarfs im Land durch Erdwärme abdecken.

Nordrhein-Westfalen will perspektivisch bis zu 20 Prozent des gesamten Wärmebedarfs im Land durch Erdwärme abdecken.

Bild: © flip_1991/Adobe Stock

Die Bezirksregierung Arnsberg hat die bislang größte Geothermie-Aufsuchungserlaubnis Deutschlands erteilt. Unter dem Namen "Erdwärme Metropole Ruhr" darf ein Konsortium aus sieben Unternehmen auf einer Fläche von 1640 Quadratkilometern das geothermische Potenzial des Ruhrgebiets erkunden – von Oberhausen bis Hamm, von Marl bis Schwerte.

Beteiligt sind Eon Business Solutions Deutschland, das Bergbauberatungsunternehmen DMT, Deutsche Erdwärme, die Fernwärmeversorgung Niederrhein, Iqony Fernwärme, Iqony Wärme sowie die Hertener Stadtwerke. Das erklärte Ziel: die Wärmeversorgung der Metropolregion Ruhr zu dekarbonisieren, also von fossilen Energieträgern zu lösen.

Erst der Ultraschall, dann die Bohrung

Konkrete Bohrungen stehen noch nicht an. Zunächst wollen die Partner in einer ersten Erkundungsphase mit 2D-Seismik arbeiten. Dabei werden Schallwellen in den Untergrund gesendet, um geologische Strukturen abzubilden. Auf dieser Grundlage soll eine präzisere 3D-Seismik folgen, bevor mögliche Probebohrungen vorbereitet werden.

"Für die seismischen Untersuchungen sind zunächst 2,5 bis 3 Jahre geplant, beginnend in 2027. In Abhängigkeit von den Ergebnissen und etwaigen detaillierteren Untersuchungen könnte anschließend mit der Bohrplanung begonnen werden", teilt ein Pressesprecher von Iqony dazu mit.

Probleme mit dem durch den Bergbau veränderten Untergrund erwarten die Projektpartner nicht. "Als Steag Iqony Group sind wir seit Jahrzehnten in den ehemaligen Bergbauregionen an Ruhr und Saar mit der Fernwärme aktiv. Mit der umfangreichen Verwertung von Grubengas und Grubenwasser machen wir hier ein geothermisches Erbe des Bergbaus für die klimafreundliche Wärmeversorgung nutzbar. Auch in anderen Regionen Deutschlands haben wir Geothermie-Projekte erfolgreich realisiert, etwa in Erding bei München. Diese Erfahrungen bringen wir in das Gemeinschaftsprojekt ein", heißt es bei Iqony.

Matthias Ohl, CEO des Fernwärmegeschäfts von Iqony, sieht das Ruhrgebiet insgesamt gut aufgestellt: "Unsere Region hat großes Fernwärmepotenzial – dicht, industriell, voller ungenutzter Wärmequellen. Die Geothermie kann ein starkes Standbein der Wärmeversorgung der Zukunft sein."

Katja Winkler, Projektleiterin Geothermie bei Eon Business Solutions Deutschland, betont das politische Vertrauen hinter der Entscheidung: "Die Konsortialpartner sind entschlossen, einen wichtigen Beitrag zur Wärmewende in NRW zu leisten."

NRW will bis zu 20 Prozent Geothermie-Wärme

Geothermie gilt als besonders attraktiv, weil die Wärme aus dem Erdreich unabhängig von Wetter und Tageszeit verfügbar ist. Das Potenzial ist erheblich: Der Masterplan Geothermie des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums sieht vor, dass perspektivisch bis zu 20 Prozent des gesamten Wärmebedarfs im Land durch Erdwärme gedeckt werden könnten.

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