Gemeinsam geht vieles leichter – so auch die Wärmewende.

Gemeinsam geht vieles leichter – so auch die Wärmewende.

AdobeStock/Olivier-Tuffé

Kommunale Wärmenetze spielen eine zentrale Rolle bei der Wärmewende in Deutschland. Vor allem kleineren Kommunen bieten sie Chancen, etwa Kosten zu senken. Das zeigt eine aktuelle Studie des Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge (Kowid) an der Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit namhaften Partnern, darunter der Deutsche Städtetag und der Deutsche Städte- und Gemeindebund.

Bis 2045 soll die derzeit fossil geprägte Versorgung auf erneuerbaren Energien beruhen. Die Studie untersucht, welche Hürden Kommunen und Energieversorgungsunternehmen (EVU) auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung überwinden müssen und welche Perspektiven sich bieten. Dafür befragten die Autorinnen und Autoren nach eigenen Angaben etwa 600 Kommunen sowie knapp 100 Stadtwerke und EVU.

Bislang nur ein Fünftel erneuerbar

Aktuell ist der Anteil erneuerbarer Energien an der kommunalen Wärmeversorgung noch gering. Im Jahr 2023 lag der Anteil der regenerativen Energien am Endenergieverbrauch für Wärme und Kälte demnach bei nur 18,8 Prozent. Erdgas dominiert weiterhin, gefolgt von Kohle und erst danach kommen erneuerbare Energien sowie klimaneutrale Abwärme, zum Beispiel aus der thermischen Abfallverwertung.

Diese Ausgangslage zeige, wie dringend eine umfassende Transformation des Wärmesektors erforderlich ist. Wärmenetze stellen hier laut Studie eine effiziente Möglichkeit dar, diese Transformation nicht nur in großen Städten, sondern auch in kleineren Gemeinden umzusetzen. Doch die Umsetzung birgt „erhebliche finanzielle und planerische Herausforderungen“.

Geringe Ressourcen als Manko

Die finanzielle Dimension der Wärmewende ist für Kommunen ein zentrales Problem. Laut der Studie belaufen sich die Kosten allein für die kommunale Wärmeplanung bis 2028 auf 520 Millionen Euro, davon 165 Millionen Euro für das benötigte Personal. Besonders für kleinere Kommunen, die oftmals nicht über ausreichend personelle und finanzielle Ressourcen verfügen, ist dies eine immense Herausforderung. Hinzu kommt, dass viele Kommunen aufgrund angespannter Haushaltslagen in der Haushaltssicherung sind und somit keinen ausgeglichenen Haushalt vorweisen können.

Lösung: Konvoi-Verfahren

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, schlägt die Studie das sogenannte „Konvoi-Verfahren“ vor. Dabei schließen sich mehrere Kommunen zusammen und erarbeiten gemeinsam einen Wärmeplan. Auf diese Weise können sie Personal- und Planungskosten teilen und Synergien nutzen. Die Studienautorinnen und -autoren empfehlen, dass die Länder dieses Verfahren im Rahmen des Wärmeplanungsgesetzes ermöglichen sollten, um den Kommunen finanzielle Entlastung zu bieten.

Ein weiteres Problem für Kommunen ohne eigene Stadtwerke ist der eingeschränkte Einfluss auf die praktische Umsetzung der Wärmewende. Sie können zwar Pläne nach dem Wärmeplanungsgesetz (WPG) erstellen, haben aber oft nur begrenzte Weisungsbefugnisse gegenüber externen Unternehmen, die für die Umsetzung zuständig sind. Dies mindere den Gestaltungsspielraum der betroffenen Kommunen erheblich.

Milliardenkosten für Stadtwerke und EVU

Auch die umsetzenden Stadtwerke und EVU stehen vor erheblichen finanziellen Belastungen. Die Kosten für die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung und die Dekarbonisierung der Wärmenetze belaufen sich auf etwa 10,8 Milliarden Euro. Anders als die kommunalen Planungskosten werden diese Aufwendungen jedoch nicht durch Konnexitätszahlungen des Bundes unterstützt, was die finanzielle Lage der Stadtwerke zusätzlich erschwert.

Wärmewende als Chance

Die Studie betont aber, dass die Wärmewende nicht nur eine Herausforderung darstellt, sondern auch Chancen birgt. Viele Städte und Gemeinden sehen in der Transformation der Wärmeversorgung die Möglichkeit, regionale Wertschöpfungspotenziale zu erschließen und die lokale Entwicklung zu fördern. Eine erfolgreiche Wärmewende könnte somit auch die wirtschaftliche Situation in strukturschwachen Regionen verbessern.

Die mehr als 100-seitige Studie ist als PDF online abrufbar.

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