Wärmepumpen brauchen Platz – in dicht bebauten Städten kann das zum Problem werden.

Wärmepumpen brauchen Platz – in dicht bebauten Städten kann das zum Problem werden.

Bild: © Lazy_Bear/Adobe Stock

"Wärmepumpen eignen sich nur für ländliche Gebiete; in den Großstädten ist viel zu wenig Platz dafür." Mit diesem Vorurteil räumt eine Analyse der Vermittlungsplattform Aroundhome auf. Das Ergebnis: In den 20 größten deutschen Städten erfüllen durchschnittlich 58,9 Prozent der Bestandsgebäude die technischen Voraussetzungen für mindestens eine Wärmepumpentechnologie. Und insbesondere ostdeutsche Großstädte bieten häufig bessere technische Voraussetzungen für Wärmepumpen als viele Städte im Westen Deutschlands.

Grundlage für diese Aussage sind öffentlich verfügbarer Daten der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE). Entscheidend sind unter anderem die baulichen, räumlichen und geologischen Bedingungen eines Standorts. Die Auswertung von Aroundhome beschreibt damit aber vor allem ein technisches Potenzial. Sie sagt nicht voraus, dass jedes geeignete Gebäude ohne weitere Prüfung umgerüstet werden kann.

Dresden führt das Ranking an

Die Unterschiede zwischen den Städten sind erheblich. Dresden führt das Ranking mit 82,5 Prozent an. Es folgen Bielefeld mit 78,2 Prozent, Berlin mit 74,9 Prozent, Hamburg mit 68,1 Prozent und Bochum mit 66,1 Prozent. Am unteren Ende liegen Düsseldorf mit mindestens 40,9 Prozent, Frankfurt am Main mit mindestens 41,4 Prozent, Köln mit 44,4 Prozent und Mannheim mit 45,1 Prozent. Nach Angaben von Aroundhome erschweren bei den Schlusslichtern vor allem dichte Bebauungsstrukturen und kleine Grundstücke die Nutzung von Umweltwärme.

Das höchste Potenzial weist die Analyse erwartungsgemäß für freistehende Ein- und Zweifamilienhäuser aus. Im Durchschnitt kommen 91 Prozent dieser Gebäude grundsätzlich für mindestens eine der untersuchten Technologien infrage.

Bei kleinen Mehrfamilienhäusern mit drei bis sechs Wohneinheiten sind es aber immer noch 83,4 Prozent, bei Doppelhäusern 71 Prozent. Reihenhäuser erreichen 40 Prozent. Bei großen Mehrfamilienhäusern mit sieben oder mehr Wohneinheiten sinkt der Anteil auf 32,7 Prozent. Grundstücksfläche und verfügbare Außenbereiche beeinflussen die Eignung damit stark.

Unter den betrachteten Systemen hat die Luftwärmepumpe mit durchschnittlich 65 Prozent das größte technische Potenzial. Erdsonden erreichen 47 Prozent, Solar-Eisspeicher 37 Prozent und Erdkollektoren 24 Prozent. Luftwärmepumpen benötigen meist lediglich einen geeigneten Aufstellort. Erdsonden und mehr noch Erdkollektoren setzen dagegen passende Bodenverhältnisse und ausreichend Fläche voraus – für dicht bebaute Gebiete sind oft weniger geeignet. Solar-Eisspeicher kommen nach der Analyse vor allem bei Neubauten und größeren Sanierungen infrage.

Auch bei den einzelnen Technologien zeigt sich ein starkes Gefälle. Bei Luftwärmepumpen liegen Dresden mit 75,9 Prozent, Berlin mit 67,7 Prozent und Bielefeld mit 64,2 Prozent vorn. Bei Erdsonden führt Bielefeld mit 55,9 Prozent vor Dresden mit 52,5 Prozent und Bochum mit 49,2 Prozent. Dresden erreicht bei Solar-Eisspeichern 40 Prozent und bei Erdkollektoren 27,2 Prozent. Bundesweit besonders hohe Gesamtwerte weisen zudem Frankfurt (Oder) mit 90,5 Prozent, Neumünster mit 85,5 Prozent und Cottbus mit 83 Prozent auf.

Die Ergebnisse sind auch für die kommunale Wärmeplanung relevant. Wo Wärmenetze nicht vorgesehen oder wirtschaftlich nicht absehbar sind, können dezentrale Lösungen an Bedeutung gewinnen. Eine Wärmeplanung ersetzt jedoch keine Prüfung des einzelnen Gebäudes. Zu klären sind unter anderem Wärmebedarf, Dämmstandard, Heizflächen, Schallschutz, Abstände und mögliche Genehmigungen.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper