Blick auf die Kraftwerksblöcke im Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg. In der Nähe des Kraftwerkes wurden Sprengvorrichtungen an einem Umspannwerk gefunden.

Blick auf die Kraftwerksblöcke im Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg. In der Nähe des Kraftwerkes wurden Sprengvorrichtungen an einem Umspannwerk gefunden.

Bild: © Frank Hammerschmidt/dpa

Hinweis: Dieser Artikel wird laufend aktualisiert. Die aktuelle Version stammt vom 1. September 2026, 16:28 Uhr.

An einem Umspannwerk in Turnow-Preilack in Brandenburg unweit des Kraftwerks Jänschwalde sind nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur Sprengvorrichtungen gefunden worden. Die Polizei teilte mit, es sei am Dienstag, dem 1. September, gegen 8:00 Uhr eine mögliche Sachbeschädigung an einer Leitung festgestellt worden.

"Spuren werden gesichert", sagte die Sprecherin. "Entschärfer sind vor Ort." Es gebe jedoch keine Auswirkungen auf die Bevölkerung. Es handelt sich um den Fund sogenannter unkonventioneller Spreng- und Brandvorrichtungen.

Mit Sprengstoff bestückte Raketen

Zuvor hatte die "Märkische Allgemeine" berichtet. Einsatzkräfte hätten vor Ort mehrere Vorrichtungen für mit Sprengstoff bestückte Raketen gefunden und diese entschärft, schrieb die Zeitung unter Berufung aus Sicherheits- und Unternehmenskreisen. Ihr liege ein Foto vor, das es eine solche Vorrichtung unklarer Bauart zeigen soll.

Nach bisherigen Erkenntnissen erfolgte die versuchte Sachbeschädigung durch selbstgebaute Flugkörper, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln, wie der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz mitteilte. Vor Ort wurden weitere noch nicht gestartete Flugkörper gefunden.

Das Umspannwerk soll mehr als einmal getroffen worden sein. Es gab eine kurzzeitige Leitungsunterbrechung. Mittlerweile sind alle Leitungen wieder in Betrieb. Die allgemeine Stromversorgung sei zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt gewesen, teilt 50Hertz weiterhin mit.

Mutmaßliches Ziel der Aktion war nach bisherigem Kenntnisstand ein großflächiger Stromausfall am Block E des Kohlekraftwerks Jänschwalde. In dem Umspannwerk Preilack im Landkreis Spree-Neiße unweit der Landesgrenze zu Sachsen wird der Strom, der im Kraftwerk erzeugt wird, überregional und regional verteilt. Nach Angaben der Leag wurde das Kraftwerk Jänschwalde in den Jahren 1976 bis 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet.

Mehrere Anschläge im Großraum Berlin

Im Januar hatten mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins angezündet und kurzgeschlossen. Rund 45.000 Haushalte und mehr als 2200 Geschäfte und Firmen sowie Krankenhäuser und Pflegeheime waren tagelang ohne Strom. Zu dem Brandanschlag bekannten sich die linksextremistischen sogenannten "Vulkangruppen", die als Ziel den Kampf gegen Kapitalismus angaben.

Im März 2024 hatte eine Gruppe Feuer an einen großen Strommast gelegt, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin nötig war. Die Produktion wurde durch die Sabotage tagelang gestoppt.

Anschlagsgefahr nimmt zu

Die Anschlagsgefahr gegen kritische Infrastruktur hatte zuletzt zugenommen. So deutet nach Angaben der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas vieles darauf hin, dass Russland etwas mit der am Leipziger Flughafen gefundenen Sprengstoff-Drohne zu tun hat.

Sie stelle diese Verbindung her, aber es sei letztlich an den Deutschen zu sagen, was hinter dem Vorfall stecke, sagte sie am Rande eines EU-Verteidigungsministertreffens. Dann könne auch darüber gesprochen werden, was die EU zusätzlich tun könne.

Kallas sagte, man sehe auch in anderen Ländern, dass die Russen immer stärker provozierten. Es stelle sich also die Frage, was man dagegen tue, um sie davon abzuschrecken, noch weiterzugehen.

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Bundesregierung hat sich bislang nicht geäußert

Die Bundesregierung hat sich öffentlich bislang nicht dazu geäußert, was Ermittler bislang zu dem Fund der Sprengstoff-Drohne herausgefunden haben. Die Bekanntgabe von Informationen wird aber in Kürze erwartet. Der mit Sprengstoff präparierte Flugkörper war am Abend des 4. August im Sicherheitsbereich des Flughafens zwischen ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt worden.

Die Bundesanwaltschaft sprach von einem "schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland". Ermittelt wird wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.

Der deutsche Verteidigungsstaatssekretär Sebastian Hartmann (SPD) sagte zu einer möglichen Reaktion der EU: "Ohne jetzt einzelnen Schritten vorzugreifen, ist es ein europäisches Interesse, deutlich zu machen, dass wir diese hybride kriegerische Auseinandersetzung wahrnehmen und das Einwirken in unsere Gesellschaft."

Als Handlungsmöglichkeiten nannte Hartmann EU-Sanktionen und ein noch schärferes Vorgehen gegen die russische Schattenflotte. Über diese versucht Moskau seit Jahren, einen von westlichen Unterstützern der Ukraine eingeführten Preisdeckel für russisches Öl zu umgehen.

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