Die neue Verordnung umfasst die Ebenen der Messtechnik, der Integration in die Abrechnung, der Anpassung der Rechnungsstellung sowie der Bereitstellung der Informationen an den Kunden.

Die neue Verordnung umfasst die Ebenen der Messtechnik, der Integration in die Abrechnung, der Anpassung der Rechnungsstellung sowie der Bereitstellung der Informationen an den Kunden.

Bild: © finecki/AdobeStock

Wo drückt bei der Wärmewende der Schuh? Was wünschen sich Versorger von der Politik? Worauf kommt es bei der kommunalen Wärmeplanung an und – natürlich – wer soll das alles bezahlen? Über diese und andere Fragen rund um eines der größten Transformationsprojekte der letzten Jahrzehnte ging es bei der Klimakonferenz von BBH in Berlin.

"Der Neubau ist nicht das Problem, die Herausforderungen liegen im Bestand", stellte Gasag-Chef Georg Friedrichs gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion fest. Es gebe viele innovative Wärmelösungen mit viel Potenzial, darunter etwa die Nutzung der Abwärme von Rechenzentren. "Aber als Business Case ist das schwierig." Man brauche Ankerkunden. Geschäftsmodelle müssten auch ohne den umstrittenen Anschlusszwang funktionieren und mit überschaubaren Fortschritten bei der Gebäudesanierung.

Stadtwerke sollten bei der Wärmewende nicht versuchen, das Rad neu zu erfinden, gab Volkmar Langefeld, Geschäftsführer der Stadtwerke Frankenthal, zu bedenken. Sein Unternehmen sei bewusst auf Stadtwerke in Baden-Württemberg zugegangen, die Vorreiter bei der Wärmeplanung und Wärmewende seien.

Ängste nehmen

Zentral für das Gelingen der Wärmewende sei eine gute Kommunikation. "Man trifft als Versorger auf viel Unglauben und ganz viel auch auf Angst. Das ist auch kein Wunder, bei den gigantischen Investments, die im Zuge der Wärmewende nötig werden." Stadtwerke-Chefs müssten es als ihre Hauptaufgabe begreifen, "ihre" Kommunen ins Boot zu holen. "Gerade die Kommune muss sagen können: Wir verstehen nicht so genau, was ihr technisch im Einzelnen vorhabt, aber wir trauen euch zu, dass ihr das hinbekommt."

Bei den politisch-regulatorischen Rahmenbedingungen sieht Langefeld noch viel Luft nach oben. Die Technologieoffenheit in der BEW reiche bei weitem nicht aus. Die Fördermöglichkeiten seien – Stichwort: KWK - zu eingeschränkt. Das habe massive Auswirkungen auf die Finanzierbarkeit von Wärmeprojekten bzw. die "Bankability". Die Logik der Banken: Wacklige BEW-Förderung – kein Kredit für das Stadtwerke-Projekt.

Wärmeplanung als "Gamechanger"

Für die Wärmewende brauche es aber nicht nur Geld, sondern auch Standorte für die Anlagen, gab Johannes Rager, Chef der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim zu bedenken. Die Kommunale Wärmeplanung sei hier ein echter "Gamechanger" gewesen. Die Kommunen seien nun gezwungen, sich mit Energiethemen zu beschäftigen. Umgekehrt seien die Stadtwerke in der Position, selbstbewusst Forderungen an die Kommune zu stellen, da man sonst die gemeinsamen Ziele nicht erreiche.

Für BBHC-Vorstand Roland Monjau ist die Wärmewende auch eine riesige Herausforderung für den Vertrieb, der sich komplett neu aufstellen müsse. Es müsse darum gehen, jeden einzelnen Kunden anzusprechen und eine vernünftige Auslastung der Anlagen hinzubekommen. "Der Umbau und Ausbau mit der Kundenakquise müssen auch auf bzw. in die Straße gebracht werden", so Monjaus Credo.

Maximale Verunsicherung

Die Kommunen seien durch das Hin und Her der Ampel wie auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum KTF tief verunsichert, berichtete Timm Fuchs, Beigeordneter beim Deutschen Städte- und Gemeindebund. Bei der Finanzierung sei an vielen Stellen nicht klar, für was das Bundesland und für was der Bund zahlen werde. Das bremse die Wärmewende aus.

Die Bezahlbarkeit der Wärmewende sei aber nicht nur für Kommunen und Stadtwerke ein wichtiger Punkt, sondern auch für die Bürger, sagte Georg Friedrichs. "Die Leute entscheiden mit dem Geldbeutel. Sie spielen mit, wenn es sich wirtschaftlich für sie ausgeht." Klar sei aber auch, dass die Politik niemanden aus seiner Wohnung zerren werde, weil der Umstieg auf die Wärmepumpe nicht rechtzeitig gemeistert wurde.

Versorger müssen Geld verdienen können

Einig war sich die Runde, dass die Frage der Regulierung – etwa durch die "Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme" (AVBFernwärmeV) – maßgeblich das Tempo der Wärmewende bestimmen werde. "Ich kann verstehen, dass der Verbraucherschutz der Politik ein wichtiges Anliegen ist, aber wir Versorger befinden uns in einem harten Wettbewerb", führte der Gasag-Chef aus.

Etliche Regeln etwa beim Contracting würden Unternehmen wie der Gasag unnötig das Leben schwermachen und die Wirtschaftlichkeit grüner Wärmeprojekte gefährden. Es müsse für Versorger regulatorisch möglich sein, grüne Wärmelösungen auch angemessen einzupreisen. Die Finanzierung der Wärmewende müsse über den Wahltag hinaus auf sichere Füße gestellt werden, so die Podiumsteilnehmer. Andernfalls stelle sich die Frage des Netzausbaus gar nicht erst.

Nicht beirren lassen

Und dann komme es gerade auch im Zusammenspiel mit der (Kommunal-)Politik maßgeblich darauf an, sich von dem Stimmengewirr nicht aus dem Konzept bringen zu lassen, gab Volkmar Langefeld zu bedenken. "Linie halten, Linie halten, Linie halten, sonst dreht man durch", so der Rat des Stadtwerke-Chefs.  (amo)

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