Die kommunale Wärmeplanung liefert Karten, Szenarien und Tabellen. Doch aus technischen Ergebnissen wird lange noch keine umsetzbare Wärmewende: Kommunen müssen Entscheidungen treffen, Stadtwerke Investitionen vorbereiten und Bürger verstehen, was sich in ihrem Quartier verändern könnte. Genau hier setzt das Forschungsprojekt "HEATogether" des Fraunhofer IEG an. Eine KI-gestützte Plattform soll Wissen, Planungswerkzeuge und regionale Erfahrungen zusammenbringen – nicht als Ersatz für die Fachplanung, sondern als Übersetzer zwischen unterschiedlichen Nutzergruppen.
"Kommunen und Stadtwerke verfügen heute über leistungsfähige Werkzeuge für die Wärmeplanung. Die Herausforderung liegt darin, die Ergebnisse für unterschiedliche Akteure verständlich und nutzbar zu machen", sagt Professorin Tanja Kneiske, Projektleiterin am Fraunhofer IEG. Mit Heatogether sollen Planungswerkzeuge, Künstliche Intelligenz und Wissen über Menschen und Regionen in einer Anwendung verbunden werden.
Wärmepläne sind fachlich anspruchsvoll und greifen in die Entwicklung von Netzen, Erzeugungsanlagen und Gebäuden ein. Für Fachplaner sind Lastprofile, Infrastrukturvarianten und Systemberechnungen wichtige Entscheidungsgrundlagen. Für eine Verwaltung, einen kommunalen Mandatsträger oder einen Anwohner stellen sich dagegen andere Fragen: Was bedeutet die Variante für den eigenen Ort? Welche Investitionen sind notwendig? Welche Lösung ist plausibel?
Kein Chatbot
HEATogether will nach Angaben der Projektentwickler diese Perspektiven nicht über einen allgemeinen Chatbot bedienen. Die Plattform soll bestehende wissenschaftliche Planungs- und Simulationswerkzeuge für Strom-, Gas- und Wärmenetze mit generativer KI verknüpfen. Die Berechnung bleibt Aufgabe der geprüften Modelle. Die KI soll Ergebnisse einordnen, erklären und zielgruppengerecht aufbereiten. Sie erzeugt also nicht eigenständig physikalische Aussagen, sondern "dolmetscht" zwischen Fachsprache, Verwaltung und Öffentlichkeit.
Ein Mitarbeiter im Stadtwerk benötigt andere Informationen als eine kommunale Verwaltung oder ein Bürger, der nach Optionen für sein Gebäude fragt. Auch regionale Besonderheiten sollen einfließen. Gerade in Strukturwandelregionen geht es nicht nur um technische Infrastruktur, sondern auch um wirtschaftliche Perspektiven und lokale Identität.
Umfangreiche Auswertung läuft an
Damit die Plattform praxistauglich wird, beginnt das Projekt mit einer Analyse der späteren Nutzer. Interviews, eine Befragung von mindestens 1000 Menschen und die Auswertung regionaler Erfahrungen sollen zeigen, wo Wissen fehlt, Unsicherheiten liegen und welche Kommunikation Vertrauen schafft. Daraus entwickelt das Forschungsteam Nutzerprofile und Kommunikationsstrategien. Anschließend wird die Plattform mit Akteuren aus der Praxis erprobt. Mindestens sechs bis acht Formate sind vorgesehen.
Neben der Plattform sollen Leitfäden für Kommunen, Bildungseinrichtungen und Energieagenturen entstehen. Die Erkenntnisse zu Akzeptanz, Beteiligung und regionaler Kommunikation sollen auf weitere Regionen übertragbar sein. Der Anspruch ist damit größer als die Entwicklung einer digitalen Oberfläche: Heatogether untersucht, wie technische Planung und gesellschaftliche Verständigung zusammenfinden können.
Beteiligt sind unter anderem die Stadtwerke Weißwasser, die Stadt Weißwasser, die Versorgungsbetriebe Hoyerswerda und die Stadt Aachen. Auch Cottbus, Zittau und Dormagen sind eingebunden. Die Partner bringen konkrete Planungsstände, lokale Anforderungen und Erfahrungen ein. Nur wenn sich die Anwendung in Sitzungen, Beteiligungsformaten und Planungsprozessen bewährt, kann sie mehr sein als ein Forschungsprototyp. Im Verbund arbeiten die Fraunhofer-Institute IEG, FIT und ISI, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, die Hochschule Zittau/Görlitz sowie die Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dormagen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert HEATogether im Bereich "Energiewende und Gesellschaft". Das Gesamtbudget liegt laut Projektangaben bei rund 1,3 Millionen Euro. Das Vorhaben läuft von 2026 bis Ende 2028.


