Wärmewende in Offenburg: Die Fernwärme Offenburg hat ihr bisher größtes Blockheizkraftwerk in Albersbösch in Betrieb genommen.

Wärmewende in Offenburg: Die Fernwärme Offenburg hat ihr bisher größtes Blockheizkraftwerk in Albersbösch in Betrieb genommen.

Bild: © E-Werk Mittelbaden

Die Stadt Offenburg verfolgt mit ihrer kommunalen Wärmeplanung das Ziel einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2040. Fernwärme ist dabei ein zentraler Baustein, aber nicht die einzige Lösung: In dicht besiedelten Bereichen und bei größeren Abnehmern soll sie eine hohe Anschlussdichte ermöglichen; im eher dörflich geprägten Umland kommen nach den Plänen der Wärmeversorgung Offenburg eher dezentrale Wärmepumpen infrage.

Die Stadt beschreibt den Ausbau deshalb als Kombination aus zentralen und dezentralen Versorgungsstrategien. Der Ausbau orientiert sich an Wärmeinseln sowie öffentlichen Gebäuden und Großverbrauchern.

Investitionen mit unterschiedlichem Zeithorizont

Das neue Blockheizkraftwerk in Albersbösch ist mit rund 21,5 Millionen Euro die bislang sichtbarste Einzelinvestition. Es erhöht die Leistung des Standorts von 1,5 auf 7,5 Megawatt und erschließt weitere Bereiche der Innenstadt für die Fernwärme.

Für die kommenden Jahre sind zudem mehr als 150 Millionen Euro für den Fernwärmeausbau vorgesehen. 2024 investierte die Wärmeversorgung Offenburg nach Angaben des E-Werks Mittelbaden 16 Millionen Euro in Erzeugung und Netz. Die Angaben beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume und Umfänge und sind daher nicht zu addieren; sie zeigen aber die Größenordnung der Infrastrukturaufgabe.

Mit der Verbindung der Netze von Albersbösch und Innenstadt durch die Kinzig-Querung wurden nach Angaben des E-Werks Mittelbaden zudem die Voraussetzungen geschaffen, bis zu 15.000 weitere Offenburgerinnen und Offenburger an die Fernwärme anzuschließen. Für die Wirtschaftlichkeit wird damit nicht nur die Erzeugung, sondern auch die Auslastung des Netzes zum strategischen Faktor.

Innovation durch Kopplung der Sektoren

Der innovative Kern des Offenburger Ansatzes liegt weniger in einer einzelnen Anlage als in ihrer Kombination. Das Blockheizkraftwerk erzeugt Wärme und Strom, die Wärmepumpe nutzt Umweltwärme und erneuerbaren Strom, der Elektrodenkessel kann bei niedrigen oder negativen Strompreisen Wärme erzeugen, und ein Pufferspeicher mit 1500 Kubikmetern entkoppelt Erzeugung und Verbrauch. So wird das Wärmesystem zu einem steuerbaren Flexibilitätsbaustein für den Strommarkt und das regionale Netz.

Besonders interessant ist die Umnutzung des früheren Burda-Farbenlagers zum Wärmepumpenkraftwerk. Die Anlage nutzt Grundwasser als Wärmequelle und kann neben Wärme auch Kälte für Gebäude bereitstellen. Betrieben werden soll sie mit erneuerbarem Strom aus der Region, unter anderem von der Windenergieanlage auf der Hornisgrinde und aus Photovoltaik.

Auch die Perspektive auf den Brennstoffmix ist technologieoffen. Das neue Blockheizkraftwerk kann künftig mit Biogas oder Wasserstoff betrieben werden. Für die Dekarbonisierung ist das eine Option für Zeiten, in denen erneuerbare Wärme, Umweltwärme und Speicher nicht ausreichen – kein Ersatz für den weiteren Ausbau erneuerbarer Quellen und die Senkung des Wärmebedarfs.

Politischer und regulatorischer Rahmen

Die Offenburger Wärmestrategie steht zugleich unter dem Einfluss politischer Unsicherheit. Im ZFK-Gespräch bewertet Martin Wenz, Finanzvorstand des E-Werks Mittelbaden und kaufmännischer Geschäftsführer der Fernwärme Offenburg, das im Beitrag angesprochene Gebäudemodernisierungsgesetz kritisch: "Das Gebäudemodernisierungsgesetz ist im Vergleich zum Gebäudeenergiegesetz ein deutlicher Rückschritt." Die aus seiner Sicht weniger klaren Vorgaben zur Heizungswahl hätten Kunden verunsichert und die Nachfrage nach Fernwärmeanschlüssen zunächst gebremst. Mit steigenden Öl- und Gaskosten habe das Interesse an Fernwärme jedoch wieder zugenommen.

Für kapitalintensive Infrastrukturprojekte wie das Offenburger Verbundsystem ist damit nicht nur die technische Machbarkeit entscheidend, sondern auch die Verlässlichkeit der Förderbedingungen. Wenz bewertet die im Artikel diskutierten Eckpunkte zur Verlängerung der Kraft-Wärme-Kopplungsförderung deshalb grundsätzlich positiv: "Die Verlängerung des KWKG schafft Planungssicherheit, und die Stauchung der Förderung hilft bei der Refinanzierung der Investition." Eine kürzere Förderdauer bei höheren Zuschlägen könne die Amortisationszeit verkürzen und damit die Zinsbelastung senken.

Politik und Regulierung wirken damit unmittelbar auf die Ausbaugeschwindigkeit: Sie beeinflussen, ob sich neue Erzeugungsanlagen, Speicher und Leitungen wirtschaftlich darstellen lassen und ob Gebäudeeigentümer den Anschluss als verlässliche Perspektive wahrnehmen. Genau deshalb verbindet Offenburg die langfristige Zielsetzung der kommunalen Wärmeplanung mit einem schrittweisen Ausbau über Ankerkunden und einem Anlagenverbund, der auf veränderte Strompreise reagieren kann.

Vom Kraftwerksprojekt zum integrierten System

Offenburg zeigt damit einen für viele Mittelstädte relevanten Ansatz: Die Wärmewende wird als gemeinsame Aufgabe von Erzeugung, Netzen, Speichern, Strommarkt und Abnehmern verstanden. Fernwärme kann in der Kernstadt schnell Wirkung entfalten, während dezentrale Wärmepumpen und Gebäudesanierung im Umland die Strategie ergänzen.

Voraussetzung ist, dass die Investitionen über wachsende Anschlusszahlen refinanziert werden und die Wärmequellen schrittweise klimaverträglicher werden. Das Beispiel Offenburg macht deshalb deutlich: Eine flexible Wärmestrategie braucht neben innovativer Technik auch langfristige Netzplanung, verlässliche Rahmenbedingungen und genügend Nachfrage.

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