Seit Ende Mai liegt der kommunale Wärmeplan für Duisburg vor. Bis 2045 will die nordrhein-westfälische Stadt auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung umsteigen. Das ambitionierte Vorhaben ist – neben der Transformation des Erzeugungsparks und dem Ausbau der Stromnetze – ein zentraler Schwerpunkt der Energiewende. In den kommenden Jahren sollen dafür Investitionen in Milliardenhöhe mobilisiert werden.
Ein Schritt in Richtung klimaneutrale Wärmeversorgung ist nun erfolgt: Die Stadtwerke Duisburg haben im südlichen Stadtteil Wedau eine neue Energiezentrale in Betrieb genommen. Dabei erschließen sie eine bislang ungenutzte Energiequelle: die Abwärme des benachbarten Rechenzentrums. Laut Stadtwerken stehen daraus jährlich 1,4 Gigawattstunden Wärme zur Verfügung.
Alt trifft neu
Die Energiezentrale entstand in rund zweieinhalb Jahren Bauzeit – in einem historischen Gebäude und einem modernen Anbau. Im denkmalgeschützten Gebäudeteil aus dem Jahr 1911, einem ehemaligen Kesselhaus des früheren Ausbesserungswerks der Deutschen Bahn, ist die Wärmepumpe untergebracht.
Die im Rechenzentrum über einen Wärmetauscher gewonnene Wärme gelangt unterirdisch zur Energiezentrale. Dort hebt die Wärmepumpe das Temperaturniveau auf die für die Fernwärmeversorgung erforderlichen Werte von 83 Grad Celsius an.
Die Wärmepumpe mit 270 Kilowatt ist zudem auch optisch präsent: Durch eine große Glasfront soll sie dauerhaft von außen sichtbar bleiben.
Technikmix für Wärme und Strom
Im neuen Anbau stehen zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) mit jeweils 1,8 Megawatt thermischer und 1,5 Megawatt elektrischer Leistung. Zusammen erzeugen sie laut Stadtwerken so viel Strom, wie 4000 Haushalte im Jahr benötigen – und so viel Wärme, dass sie für die Versorgung von 1000 Haushalten ausreicht.
Wir schaffen die Grundlage für eine nachhaltige und zukunftsfähige Wärmeversorgung
Andreas Gutschek, Vorstand Infrastruktur und Strategie bei den Stadtwerken Duisburg
Die beiden BHKW sind nach Angaben des Unternehmens H2-ready und könnten perspektivisch Wasserstoff als Energieträger nutzen, sobald dieser in ausreichender Menge verfügbar ist. Ergänzt wird die Energiezentrale durch weitere effiziente Erzeugungsanlagen und moderne Anlagentechnik.
"Mit der neuen Energiezentrale schaffen wir die Grundlage für eine nachhaltige und zukunftsfähige Wärmeversorgung", sagte Andreas Gutschek, Vorstand Infrastruktur und Strategie bei den Stadtwerken Duisburg. Die Nutzung der Abwärme aus dem Rechenzentrum zeige, wie sich vorhandene Energiepotenziale intelligent erschließen ließen. "Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Wärmewende vor Ort."
Investition in Klimaneutralität
Auch Oberbürgermeister Sören Link, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke, spricht von einem Baustein für die Wärmeversorgung im neuen Stadtteil. Die Investition beziffern die Stadtwerke auf 14 Millionen Euro. Durch den Betrieb der Anlage könnten rechnerisch jährlich rund 1000 Tonnen CO2 eingespart werden.
Zur Absicherung der Gesamtanlage ist außerdem ein Gaskessel installiert. Er kann bei Ausfall der anderen Erzeugungsanlagen 1,7 Megawatt thermische Leistung liefern.
Durch das Zusammenspiel der verschiedenen Erzeugungsanlagen soll die Wärmeversorgung deutlich an Flexibilität gewinnen. Die Stadtwerke könnten so schneller auf den Wärmebedarf reagieren und gleichzeitig eine hohe Versorgungssicherheit gewährleisten.